Shoppen & Ficken.
Shoppen. Ein deutscher Debütfilm. Ein kleines Wunder.
Man glaubt’s nicht: die deutsche Beziehungskomödie, Relikt längst vergessener Prä-Börsen-Blasen-Phasen, kann dir den Kopf verdrehen, dass du dich stehenden Fußes in sie verliebst! Keine Katja Riemann in Sicht, kein Joachim Krol zum Knuddeln da, kein Till Schweiger, der sein Maul aufreißt, und schon flutscht es, dass dir der Kopf schwindelt.
Ralf Westhoffs Debütfilm legt eine derart irrsinnige Geschwindigkeit vor, dass man nach den ersten 30 Minuten kaum noch weiß, wie viele Personen hier mitspielen, wer eigentlich was macht und welche von den Blonden noch mal die nymphomane war. Aber gut, das Thema ist ja auch Speed-Dating, da wäre es bizarr, das in Form sedierter Abendunterhaltung zu präsentieren.
Die zehn, zwölf gleichberechtigten Hauptfiguren, die diesen Film bevölkern, sind bis ins letzte Klischee überzeichnet. Das ist platt, das ist vorhersehbar. Denkt man. Doch dann steckt Westhoff so viele fantastische Oneliner und Pudelskerne in diese verzweifelte-Singles-auf-der-Suche-nach-Ficken-oder-Liebe-Reden, dass man den Mund nicht mehr zu bekommt. Sei es vor Lachen, Betroffenheit oder Staunen, ob dieser Frische bei einem Uraltsujet. Meine Fresse, gab es in diesem Jahr einen besseren Monolog, als wenn der Mehmet Scholl – esque Aufreißertyp im Speed-Dating die verehrte Damenschaft mit einem aufbegehrenden Gin Tonic vergleicht? („Ja, du bist eben den Konsum gewohnt. Das mit den Frauen ist wie mit ’nem Gin Tonic. Und dann bestellst dir einen Gin Tonic und den trinkst normalerweise. Dann sagt der Gin Tonic aber auf einmal, der andere da an der Bar, den find ich aber auch nicht schlecht. Sowas bist halt ned gwohnt!“*)
Die größte Leistung gelingt aber Westhoff nach der Speed-Dating-Sequenz, die die erste Hälfte des Films umfasst. Man erwartet wie immer das schlimmste: dass die Anfangsgeschwindigkeit nachlässt, dass jetzt ums Hundverrecken 6 Paare aus den 12 Singles gebastelt werden oder dass Katja Riemann einen Gastauftritt absolviert. Doch was passiert? Nichts. Das Leben. Mal gut, mal schlecht. Und bevor du es merkst: aus. Die Credits laufen und du wunderst dich: das wars? Ja. Verdammt noch mal. Und jetzt raus aus dem Kinosaal, Girls ansprechen, Gin Tonics trinken, Jungs abschleppen, Liebe suchen. Nichts bereuen.
* Der Autor möchte darauf hinweisen, dass jener Monolog grob verkürzt aus seinem nach jahrelangem Gin-Tonic-Genuß löchrigen Gedächtnis heraus zitiert wurde und womöglich keinerlei Ähnlichkeit mit den geschliffenen Sätzen hat, die im Film tatsächlich gesprochen werden. Aber: you get the picture, don’t ya?
Fix am 30.05.2007 um 20:17 Uhr:
Christian_alternakid am 30.05.2007 um 20:55 Uhr:
milchmaedchen am 31.05.2007 um 00:12 Uhr:
gin tonics? nächstes mal, ne?!
Marquant am 31.05.2007 um 03:52 Uhr:
Christian_alternakid am 31.05.2007 um 09:07 Uhr:
Daniina am 02.06.2007 um 16:29 Uhr: