La Vérité


Film
Drama

1960
127 Minuten
In der TMDB
In der IMDB
Bewertung
imdb
7.6
mh-Community
8,0
Schlagworte
noch keine

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Schauspieler Typ mh
Sami Frey Person
André Oumansky Person
Jacques Perrin Person
Paul Bonifas Person
Brigitte Bardot Person
Fernand Ledoux Person
Paul Meurisse Person
Raymond Meunier Person
Claude Berri Person
Marie-José Nat Person
Jean-Loup Reynold Person
Barbara Sommers Person
René Blancard Person
Hubert de Lapparent Person
Colette Castel Person
Regisseur Typ mh
Henri-Georges Clouzot Person

Gesehen von


Christian_alternakid
8
05.11.2020

Auf der Watchlist von

keinem Motorjugendlichen. Hallo, wie das?

Kommentare

8

Christian_alternakid am 05.11.2020 um 16:07 Uhr:

Die junge Dominique (Brigitte Bardot) steht vor Gericht, weil ihr (Ex-?)Freund erschossen aufgefunden wurde und sie, daneben liegend, gerade noch vom Selbstmord bewahrt werden konnte. In Rückblenden werden in Zeugenaussagen und Anwaltspladoyers Leben, Lieben und Wirken der Dominique aufgefächert, natürlich subjektiv gefärbt wie in einem kleinen Rashomon mit Baguette und Baskenmütze.

Wer (wie ich zunächst) jetzt aber einen schnöden Gerichtsthriller um die Auflösung eines Verbrechens erwartet, wird auf falschem Fuß erwischt. Denn Clouzot hat etwas völlig anderes im Sinn: er will den Generationskonflikt verhandeln und wählt dafür - raffiniert, dieser Franzose! - tatsächlich das Setting eines Gerichtsdamas. Denn um die Auflösung, wer hier wen erschossen hat, geht es Clouzot gar nicht, was sicherlich für manche irritierend sein kann.

Vielmehr scheint mir "La Verité" eine Demonstration des Lebensstils der Jugend und der Attitude der legendären Pariser Left Bank zu sein, ein Eintauchen in die Cafés und damit in die Diskussionen und Leben der Post-Weltkriegs-Jugendlichen. Ohne explizit ausgesprochen zu werden sehe ich hier Anklänge an die Ideen der Lettristen und Situationisten, die in diesen Jahren genau in dieser Szene beheimatet waren und in diesen Cafés wohnten: "Ne travaillez jamais!" - die Ablehnung der Arbeit und dafür die Lust am Spiel als Kern des Lebens. Die "Wahrheit" aus dem Filmtitel meint also mehr die Wahrhaftigkeit, mit der die Jugend ihr Leben führen will, als die tatsächliche Frage nach der objektiven Wahrheit einer Tatnacht.

Das ist trotz zweistundenplus Spielzeit fesselnd und faszinierend, insbesondere in den Rückblende-Sequenzen. Ich bin auch völlig begeistert, wie progressiv "La Verité" 1960 war. Wenn man Clouzots Werk mit der Prüderie der amerikanischen Spielfilme aus der jener Zeit vergleicht, holla La Waldfee! Dominique wird als Libertin portraitiert, als promiskuitiver Freigeist, der an den Konventionen der Gesellschaft und der alten Generation zugrunde geht. Der zu diesem Zeitpunkt immerhin schon 57jährige Clouzot stützt im Zweifel auch die Position von Dominique und keineswegs die Anklagen "seiner" Alterskohorte. Dennoch stellt er seiner Dominique-Figur keinen Freibrief aus, sondern zeigt in den Rückblenden auch das Leid, das mit einer so hedonistischen Lebensweise einhergehen kann, wenn die Partner im Spiel des Lebens nicht auf der gleichen Grundlage agieren (können).

"La Verité" ist ein faszinierender Blick in das Paris der frühen 60er und so in den Bruch im Verständnis zwischen den Generationen, aufgrund dessen am Ende des Jahrzehnts die Revolte tatsächlich die Straße ergreifen wird.



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