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Songs des Jahres 1966


Version von motorhorst :: 28.03.2021

1. Eleanor Rigby von The Beatles

Wahrscheinlich kannte ich diesen Song gar nicht bewusst als ich das gleichnamige Buch von Douglas Coupland las. Ebenso wenig übrigens, wie ich "Girlfriend in a coma" damals als Smiths-Zitat erkannte und folglich auch nicht die vielen weiteren Smiths-Zitate in diesem Buch. Davon abgesehen ist das ein fantastisches Stück, an dem ich mich gar nicht satthören kann. Ich denke, das war der Auslöser für meine dann Doch-noch-Beatles-Begeisterung, die mir angesichts totgenudelter Werke von Let it be und Yesterday (von flachem wie She loves you und I wanna hold your hand will ich gar nicht erst anfangen) als nicht mehr einstellbar erschien.
Es ist einmal mehr diese Mischung aus tendenziell fröhlichem Harmoniegesang zu gefühlt eher melancholischer musikalischer Untermalung, die eigentlich die halbe Miete ist, wenn man meine Liebe zu einem Song evozieren möchte.


2. Four Women von Nina Simone

Ein Song, der sich beim Schauen einer Nina-Simone-Doku (evtl. auch Hören einer Radiosendung über die Künstlerin) ins Gehirn fraß. Zunächst war mir der Titel noch unbekannt, konnte anhand von Textfetzen dann aber schnell ermittelt werden. Ob seiner Getragenheit, tiefen Traurigkeit und epischer Länge (gut, das war mit knapp 4:20 min wohl eher ein Gefühl als eine Tatsache) packte er mich und tut dies auch bei jedem erneuten Hören.


3. You Keep Me Hangin' On von The Supremes

Ja, mir ist schon seit längerem klar, dass der Song von den Supremes stammt und nicht von Kim Wilde, aber natürlich war mein Erstkontakt mit dem Hitparadenstürmer aus den frühen 80ern. Beides tolle Versionen, die dem Stück unterschiedliche Akzente geben, klassischer Motown-Girlgroup-Smashhit hier, new waviger Power-Pop dort und dennoch sind das nur meine zweit- und drittliebsten Varianten (ohne sagen zu können, welche Interpretation ich besser finde). Mein Favorit des gleichen Stücks taucht dann im nächsten Jahr, also 1967, weit vorne auf.


4. Under My Thumb von The Rolling Stones

Ich weiß, dass der Song ob seiner Lyrics nicht den allerbesten Leumund hat, da er - man könnte es unter Umständen schon am Titel erkennen - mit Machtstrukturen spielt und - Überraschung - eher nicht die weibliche Protagonistin am "Fäden in der Hand"-Ende sitzt. Aber da ich immer zuerst auf die Musik höre, stelle ich fest, dass mich das auf einer ganz komischen, fast unterbewussten Ebene anspricht und leicht tänzeln lässt, wenn das so beginnt und auch wenn Mick Jaggers Gegockel ja immer so was wie Rhyhtmus in den Hüften andeutet, sehe ich das meist nicht, aber hier, boys and girls, da SPÜRE ich es.
Und klar, natürlich ist das auch der Song, der während der Tragödie in Altamont gerade gespielt wurde.
Ich hab' hier tatsächlich nur die Musik bewertet.


5. Tomorrow Never Knows von The Beatles

15 Sekunden im Song denkt man nur "Wie kann so was 1966 möglich gewesen sein?" Sitar, dieser leichte off-beat (sorry, bin kein Drummer, aber das ist ja kein normaler Rhythmus), Möwengeschrei und der Gesang, der genau das ausdrückt was in den Textblättern steht: "Turn off your mind, relax and float down stream", Wahnsinn.
Die Bandbreite, die die Beatles auf Revolver abdecken ist einfach atemberaubend und mit diesem Schlussstück perfekt auf den Punkt gebracht. Die Klammerstücke Taxman/Eleanor Rigby vorne und Got to get you into my life/Tomorrow never knows halten dieses Album wunderbar zusammen, ein viel zu oft gespieltes Stück wie Yellow submarine bräuchte ich dann gar nicht mehr, aber natürlich fänden sich beim genaueren Hinschauen noch mal drei Titel für eine Bestenliste. Aber nichts kommt an Tomorrow never knows ran, was doppelt bizarr ist, ist es doch nicht mal der beste Beatles-Song in dieser Jahresliste.
Seltsam? Aber so steht es geschrieben...


6. Monk Time von The Monks

Wie schon bei den Alben erwähnt, ist das Monks-Album für mich eher ein Gesamtkunstwerk als eine Sammlung großartiger Songs, die auch unabhängig der Platte problemlos funktionierten. Eine Ausnahme mache ich für Monk Time. Gleich der Beginn mit der flirrenden Orgel und dem Raumpatrouille Orion Beat, vor allem aber dem gesprochenen Intro, das mich an andere Stücke dieser Art (sofort kommt mir Ballroom Blitz in den Sinn) erinnert, bekommt sofort meine ungeteilte Aufmerksamkeit für die nächsten nicht mal drei Minuten und meist dann eben auch für die gerade mal halbstündige komplette Langspielplatte der Monks.
Was passt bitte in die ersten 90 Sekunden des Stücks. Die Band sind die Monks, es ist Monk Time. Die Namen der Mitglieder werden gedroppt, die Armee wird gedisst, Vietnam, der Bruder starb in Vietnam, James Bond, Pussy Galore, wtf. Dann nochmal "It's beat time, it's hop time, it's monk time now" - völlig unnötig. Das ist JEDEM*R in diesem Moment schon lange klar.


7. Visions Of Johanna von Bob Dylan

Da ich kein Dylanologe bin, dringe ich gar nicht tief in die Lyrics vor (Johanna? Von Orleans? Hatte die Visionen? Oder hat der Sänger die Visionen von ihr?), sondern gehe wieder nur ganz oberflächlich an die Musik ran und lande deshalb nicht bei Sad-eyed lady of the lowlands oder bei I want you. Zwar erschrickt mich hier zu Beginn gleich wieder diese Mundharmonika des Grauens, aber ich höre weiter und höre dann wieder einen Dylan, der nicht den Erwartungen des Klischee-Bobs in meinem Kopf entspricht. Klar, hier wird auch genölt, aber auf eine fast laid back Art, dass es mich einfach bei jedem Blonde on Blonde-Durchlauf erneut zum Mitwippen bringt.
OK, nach Studium der Lyrics geht es wohl weder um Religion noch Historie, sondern um diese Unterschiede zwischen Louise und Johanna, die wohl ganz diesseitig und real sind.


8. Got To Get You Into My Life von The Beatles

Der war eigentlich immer nicht in meiner Top 3 des Revolver-Albums, gehört aber halt trotzdem in eine Bestenliste und zwar wieder aus völlig anderen Gründen als die anderen drei herausragenden Stücke: Oberflächlich ist das ein typischer Beatles-Song: Eher fröhlich in seiner Grundstruktur, hohes Mitgröhl- und Zuckpotenzial. Aber er macht auch so viel richtig und vielleicht (ach was, garantiert) für die nachfolgenden Barden-Generation auch: vor. Wenn jede Textzeile danach musikalisch noch einmal aufgegriffen und quasi als Echo instrumental kopiert wird, dann entfacht das einem Sog, von dem man sich gerne mitziehen lässt. Und ja auch den Sänger. Wenn er immer enthemmter "Got to get you into my life!" bekennt. So ist das doch auch.


9. You Can't Hurry Love von The Supremes

Eine weitere Episode der beliebten Reihe "In den 80ern als Coverversion kennen und schätzen gelernt und dann irgendwann gemerkt, dass das Original zwanzig Mal besser ist." Das ist hier aber besonders schwierig, da die zuerst bekannte Version von Phil Collins stammte und das schon eine sehr, sehr.... okay, wem mache ich was vor? Natürlich stechen die Supremes den most drumming man in history locker und leicht aus, wie ein Förmchen den frisch ausgerollten Teig auf dem Backblech.
Textlich eine weitere Seite aus dem "Mama knows best"-Buch, das mit der Liebe dauert halt manchmal, da muss man ein wenig warten, kann man nicht beschleunigen, alles klar.


10. Good Vibrations von The Beach Boys

Der größte Beach-Boys-Fan werde ich nicht mehr, aber das ist einer jener Songs, die sich auf meiner ewigen "Die besten Songanfänge aller Zeiten"-Kassette befindet (zusammen mit sehr vielen Pet-Shop-Boys-Stücken, aber das ist ein Thema für andere Jahrzehnte). Bis das Surfboard eingepackt und das "I'm pickin' up good vibrations" gebrabbelt wird, ist es ein perfekter Auftakt, diese Sekunden reichten mir vollkommen und mein exklusiver Motor Edit ist folglich auch nur 00:25 lang. Diese knappe halbe Minute ist für mich das, was für viele Leute "God only knows" ist.


Version von Lassie :: 28.03.2021

1. Paint It Black von The Rolling Stones

Im zweiten Jahr unseres Projekts erklimmt zum zweiten Mal ein Song der gleichen Band die Spitze. Auch bei "Paint It Black", das überraschenderweise nur auf dem US-Release von "Aftermath" eine Album-Präsenz aufweisen kann, war dies nicht weiter verwunderlich, denn es handelt sich dabei seit Jahrzehnten um eines meiner Lieblingslieder und meine langjährige Nr. 1 unter den Songs der von mir sehr geschätzten Rolling Stones (mittlerweile auf dieser Position lediglich von "Gimme shelter" abgelöst).
Es beginnt bereits genial mit dem Einsatz verschiedener Instrumente aus unterschiedlichen Kulturkreisen, die dann im Folgenden im Zusammenspiel mit Mick Jaggers Gesang ein fast perfektes Ganzes ergeben. Insbesondere die Passagen, in denen Jaggers Stimme an Lautstärke und Kraft zunimmt, haben es mir dabei angetan, wobei die gekonnt einsetzenden retardienden Momente für eine äußerst fruchtbare Abwechslung sorgen.
Mal sehen, ob den Stones anno 1967 dann der Titel-Hattrick in meinen Song-Rankings gelingen wird…


2. Louie Louie von The Sonics

Holla, die Waldfee, geht es hier ab! Bretterharte Gitarren und der wild kreischende Gesang von Sonics-Sänger Gerry Roslie bieten ein brachiales Hörerlebnis, das Mitte der 60er-Jahre seinesgleichen sucht.
Der Song erschien bereits im Jahr zuvor als B-Seite von "Cinderella". Während letztgenannte Single schon bei der Beschäftigung mit dem Jahr 1965 in meinen Fokus gerückt war und prompt hatte charten können, blieb "Louie, Louie" da von mir noch unentdeckt. Dieses Juwel sollte erst als Bestandteil des 1966er-Albums "Boom" meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen und feiert deswegen auch in diesem Jahr seinen Ranglisteneinzug. Da der Song im Hause Lassie mittlerweile eine akustische Omnipräsenz erlangt hat, landet er sogar fast ganz vorne. In manch anderem Jahr hätte es wohl durchaus zur Spitzenposition gereicht, aber anno 1966 war die Konkurrenz um die Pole Position einfach übermächtig.


3. When A Man Loves A Woman von The Spencer Davis Group

Eigentlich schien, was das Jahr 1966 und den Song "When A Man Loves A Woman" angeht, alles klar und Percy Sledge war mit seinem famosen Klassiker eigentlich für einen der vorderen Plätze gesetzt. Doch dann stieß ich auf diese sensationelle Version der Spencer Davis Group, bei welcher der im Erscheinungsjahr gerade 18 Jahre alt gewordene Steve Winwood mit seiner Wahnsinnsstimme alles wegfegt, sogar einen virtuosen Sänger wie den guten Percy. Der hatte nun plötzlich die Arschkarte gezogen, denn aufgrund meiner selbst auferlegten Regel, pro Jahr nur eine Version jedes Songs zuzulassen, flog er tatsächlich ganz aus dem Ranking. Bisher eine der großen Überraschungen unseres Projekts!


4. I'm Not Like Everybody Else von The Kinks

An dieser Stelle gebührt dem Motorjugendlichen und Projekt-Mitstreiter Christian_alternakid Dank, der mir anlässlich meines 43.Geburtstags eine formidable CD zusammengestellt hatte, die diesen Song als Sahnestück aufweist und mich mit ihm bekannt machte. Es handelt sich tatsächlich lediglich um die B-Seite der ebenfalls in meinem Ranking vertretenen Single "Sunny Afternoon". Der Non-Album-Song sprüht aber nur so vor Rebellion und Auflehnung gegen das Establishment und hätte mich in jungen Jahren (obwohl ich damals in meinen musikalischen Vorlieben noch nicht so offen war wie heute) sicher auch voll abgeholt, wenn ich ihn damals schon gekannt hätte. Des Weiteren begeistern der Gesang des sonstigen Gitarristen Dave Davies, der hier an Stelle seines Bruders Ray die Lead Vocals übernommen hat, und die furiosen Tempowechsel.


5. The Good, The Ugly And The Bad (Main Title) (II Buono, II Brutto, II Cattivo) von Ennio Morricone

Für mich der Inbegriff der musikalischen Begleitung eines qualitativ hochwertigen Italowesterns und eines der grandiosesten Sountrack-Stücke aller Zeiten. Beeindruckend, wie Morricone die Stimmung des filmischen Meisterwerks von Sergio Leone mit seinem genialen Klanggemisch einfängt. Diese Genialität offenbart sich u.a. darin, dass jedem der drei Protagonisten ein eigenes Instrument bzw. Gesang zugewiesen ist.


6. Wild Thing von The Troggs

Meine Erstbegegnung mit "Wild Thing" ergab sich im Skilager der 8.Klasse, da ein mit mir im Zimmer einquartierter Mitschüler in jener Woche mehrfach diesen Song inklusive Luftgitarre "performte". Später war er dann aus dem Munde der Troggs für mich ein treuer Begleiter in einschlägigen Fürther Spelunken, da er seinen Anteil daran hatte, dass ich die dortigen Jukeboxen stets eifrig mit meinem Hartgeld fütterte. Meist erntete ich dabei sogar wohlwollende bis dankbare Blicke des anwesenden Kneipenpublikums (was bei meiner sonstigen Songauswahl nicht immer durchgehend der Fall war…).
Allein das Gitarrenintro weckt schon Lust auf mehr und vor allem die Gitarrenparts tragen auch den größten Anteil an der Qualität des Songs. Gelungen ist aber auch der Clou, die Instrumente immer wieder kurzzeitig pausieren und dem Gesang den Vortritt zu lassen. Überdies passt der Einsatz des Blasinstruments Okarina wie Arsch auf Eimer und verleiht dem Song noch einmal eine zusätzliche Note.


7. Bang Bang (My Baby Shot Me Down) von Cher

Der von Chers damaligem Ehemann Sonny Bono geschriebene Song wurde bereits im selben Jahr mehrfach gecovert, u.a. von Nancy Sinatra (deren Version wohl annähernd genauso bekannt sein dürfte) und Stevie Wonder. Auch Cher selbst nahm 1987 noch einmal eine rockigere Version auf. Auch wenn insbesondere die beiden erstgenannten Coverversionen durchaus Charme haben, versprüht den größten Zauber immer noch diese Originalversion der damals 20 Jahre jungen und noch eine natürliche Schönheit verkörpernden Interpretin.


8. Hey Joe von Jimi Hendrix

Noch vor Erscheinen seines Debütalbums im Folgejahr reüssierte der große Jimi Hendrix Ende 1966 mit seiner ersten Single "Hey Joe". Zuvor war im selben Jahr bereits eine ebenfalls sehr geile Aufnahme des Songs von den Standells erschienen, was mich kurz vor die Überlegung stellte, welche Version hier charten soll. Letztlich kam ich aber zu dem Schluss, dass an Meister Jimi einfach kein Weg vorbeiführt.


9. You're Gonna Miss Me von 13th Floor Elevators

Die Debütsingle der 13th Floor Elevators (und gleichzeitig ihr größter Erfolg) sprüht nur so vor Spielfreude, erfreut mit herrlich psychedelischen Klängen und bekommt durch den Einsatz des für die Bands charakteristischen Electric Jugs eine ganz besondere Note.


10. Medication von The Standells

Der psychedelisch angehauchte und extrem lässig daherkommende Opener des Standells-Albums "Dirty Water" erschien erstaunlicherweise nie als Single, toppt aber sogar den mächtigen Titel-Song des famosen Longplayers.


Version von Christian_alternakid :: 20.05.2021

1. Paint It Black von The Rolling Stones

Ein Kandidat für "überspielt", aber dennoch mein Song des Jahres 1966. Im Gegensatz zu "Satisfaction", dessen Kraft aus meiner Sicht über die Jahre doch merklich geschwunden ist, ist "Paint It Black" auch heute noch ein wilder, düsterer Song, der in meinen frühen Teens zu meinen allerersten Lieblingsliedern überhaupt gehörte (die beiden anderen: "It's A Sin" der Pet Shop Boys" und "Love Will Tear Us Apart" von Joy Division). Eine Nummer 1 Single auf beiden Seiten des Atlantiks (und Nummer 2 in Deutschland) ist "Paint It Black" sicher bis heute einer der zentralen Rolling Stones-Songs aus ihrer großen Ära und wurde dementsprechend häufig auch in anderen Medien eingesetzt, interessanterweise gerne um den Vietnam-Krieg zu vertonen. Sowohl in Kubricks "Full Metal Jacket" als auch in der Fernsehserie "NAM" (Original: "Tour Of Duty") spielt "Paint It Black" eine wichtige Rolle, was wohl auch nur noch mal die Düsternis unterstreicht, die dem Song seine Kraft gibt. Bei Veröffentlichung ist "Paint It Black" interessanterweise auf gar kein so begeistertes Kritiker-Echo gestoßen und wurde seines Sitar-Einsatzes wegen als Beatles-Copycat verschrieen, was Brian Jones mit "What utter rubbish" kommentierte. Aus meiner Sicht zurecht, ist "Paint It Black" doch über die Jahrzehnte betrachtet das wohl sogar einflussreichere Stück als alle Beatles-Sitar-Songs, nimmt es mit seiner düster-drogigen Stimmung doch wichtige Elemente des Psych-Rock vorweg und klingt erheblich organisch notwendiger für den Sound des Songs als die Beatles'schen Sitar-Versuche, die man heute wohl als cultural appropriation schmähen würde, da sie wenig mehr zum Song beitragen als ihn "orientalisch zu flavouren".

Weitere Rolling Stones - Songs aus 1966, die ebenfalls erwähnt gehören, aber der "1 Song pro Artist"-Regel zum Opfer fielen: vor allem "Mother's Little Helper" und "Under My Thumb"
Ein Kandidat für "überspielt", aber dennoch mein Song des Jahres 1966. Im Gegensatz zu "Satisfaction", dessen Kraft aus meiner Sicht über die Jahre doch merklich geschwunden ist, ist "Paint It Black" auch heute noch ein wilder, düsterer Song, der in meinen frühen Teens zu meinen allerersten Lieblingsliedern überhaupt gehörte (die beiden anderen: "It's A Sin" der Pet Shop Boys" und "Love Will Tear Us Apart" von Joy Division).

Eine Nummer 1 Single auf beiden Seiten des Atlantiks (und Nummer 2 in Deutschland) ist "Paint It Black" sicher bis heute einer der zentralen Rolling Stones-Songs aus ihrer großen Ära und wurde dementsprechend häufig auch in anderen Medien eingesetzt. Interessanterweise gerne um den Vietnam-Krieg zu vertonen: sowohl in Kubricks "Full Metal Jacket" als auch in der Fernsehserie "NAM" (Original: "Tour Of Duty") spielt "Paint It Black" eine wichtige Rolle, was noch mal die Düsternis unterstreicht, die dem Song seine Kraft gibt.

Bei Veröffentlichung ist "Paint It Black" interessanterweise auf gar kein so begeistertes Kritiker-Echo gestoßen und wurde wegen seines Sitar-Einsatzes als Beatles-Copycat verschrieen, was Brian Jones mit "What utter rubbish" kommentierte. Ich bin hier natürlich auf Seiten von Brian Jones, ist "Paint It Black" doch über die Jahrzehnte betrachtet einflussreicher als alle Beatles-Sitar-Songs zusammen, nimmt es mit seiner düster-drogigen Stimmung doch wichtige Elemente des Psych-Rock vorweg und klingt sein Sitar-Einsatz erheblich organisch notwendiger für den Sound des Songs als die Beatles'schen Versuche, die man heute wohl als cultural appropriation schmähen würde, da sie wenig mehr zum Song beitragen als ihn "orientalisch zu flavouren".

Weitere Rolling Stones - Songs aus 1966, die ebenfalls erwähnt gehören, aber der "1 Song pro Artist"-Regel zum Opfer fielen: vor allem "Mother's Little Helper" und "Under My Thumb".


2. Sloop John B von The Beach Boys

"Sloop John B" war die Leadsingle von "Pet Sounds", des berühmtesten aller Beach-Boys-Alben und ist neben "Wouldn't It Be Nice" auch ohne Zweifel sein großer Höhepunkt (gut, "God Only Knows": auch spitze). Während "Wouldn't It Be Nice" eher kompakt und spector-esque ist, hat "Sloop John B" die "Mini Oper" - Qualitäten, die Brian Wilson zu dieser Zeit dank Songs wie "Good Vibrations" (übrigens im gleichen Jahr als Stand-Alone-Single veröffentlicht) zugeschrieben wurden.

Der US #2- und UK #3-Hit ist ein verblüffend komplexes Neuarrangement eines Folksongs aus den Bahamas und übrigens auch ein weiterer Beweis für die Sangesqualitäten der britischen Fußball-Tribünen: als ich vor gut einem Jahrzehnt FC Blackpool gegen FC Arsenal im Londoner Stadion gesehen hatte, stand ich direkt neben dem Auswärts-Fanblock der Blackpool Supporter, die hier im zweiten Spiel ihrer allerersten Premier-League-Saison gleich eine 0:6-Klatsche von Arsenal kassierten - was aber die Blackpool-Fans nicht davon abhielt, über die zweiten 45 Minuten hinweg den Refrain von "Sloop John B" zu singen und dabei trotz 0:6-Niederlage den "worst trip" in den "best trip" zu verädern: "I don't want to go home / This is the best trip I've ever been on"...


3. I'm Not Like Everybody Else von The Kinks

"I'm Not Like Everybody Else" war nur die B-Seite zu "Sunny Afternoon", was wohl daran liegt, dass er weniger wie trademark-Kinks klingt als die A-Seite. Ausnahmsweise übernimmt der jüngere Bruder Dave die Lead Vocals statt Ray Davies (der den Song aber geschrieben hat, ursprünglich übrigens für die Kollegen von den Animals!). Wie der Titel schon verrät, ist "I'm Not Like Everybody Else" ein großes Statement der Non-Konformität und für Individualität.


4. Friday On My Mind von The Easybeats

Der beste "Hoch die Hände, Wochenende!"-Song ever! Die australischen Garagenrocker der Easybeats schrieben diesen Hass-Song über die Arbeitswoche und Hymne auf die freien Tage: "Do the five day grind once more / I know of nothin' else that bugs me more / than workin' for the rich man" und kletterten damit bis auf #6 in den britischen Single-Charts (und #18 in den USA). Zurecht, dass die GEMA von Down Under "Friday On My Mind" Anfang der 2000er zum besten australischen Song aller Zeiten kürte.


5. Sunday Morning von The Velvet Underground Nico

Velvet Underground ist dank seines Debütalbums natürlich untrennbar mit dem Jahr 1967 verbunden, aber 1966 veröffentlichten die Velvets bereits zwei erste Single: "All Tomorrow's Parties" (b/w "I'll Be Your Mirror") und "Sunday Morning" (b/w "Femme Fatale").

Während die anderen drei Songs dieser beiden 7-Inches den dronig-drogigen Sound der Velvet Underground begründeten, war "Sunday Morning" als "Hit" geplant, der aber natürlich nicht eintrat, waren die Velvets doch legendär unerfolgreich zu ihren Lebzeiten. "Sunday Morning" wurde von Lou Reed ursprünglich auch als Nico-Song geschrieben, dann aber kurzfristig doch von Lou selbst aufgenommen und kann als weiterer Genre-Erfindungs-Song gelten, ist doch das ganze Dream-Pop-Movement ohne "Sunday Morning" nicht denkbar.


6. This Old Heart Of Mine (Is Weak For You) von The Isley Brothers

Schon für die 1965er Liste hatte sich mit "Wooly Bully" ein Song über ein Featuring in der Serie "Das Model und der Schnüffler" qualifiziert und auch "This Old Heart Of Mine" ist in dieser besten Fernsehserie der 80er zu finden.

"This Old Heart..." wurde vom Motown-Stamm-Songwriter-Team Holland–Dozier–Holland geschrieben und war nach frühen Hits wie "Shout" (1959) und "Twist & Shout" (1962) mit #12 in den USA und #3 in UK der erste große Erfolg der Isley Brothers in ihrer Zeit beim berühmten Soul-Label.


7. I Hate You von The Monks

Eine der besten Hymnen der Misanthropie, eingespielt mit fiesem Groove von der Garage-Rock-Kuriosität The Monks und in beispielhafter Reduktion aufgeführt:

Well i hate you baby with a passion yeah you know i do (but call me)
Oh you know my hate's everlastin' baby, yeah yeah yeah (but call me)
Ohhh you know you know you know you know why i hate you baby ? Huh, do you ? (but call me)
Cause because you make me hate you baby, yeahyeahyeahyeah (but call me)


Neben "Monk Time" der große Knaller im Repertoire der Monks, dieser völlig alleinstehenden Band ihrer Zeit.


8. Moulty von The Barbarians

Sicherlich ist "Moulty" der Barbarians ein "Novelty-Hit" der Garage-Rock-Szene, aber tatsächlich von gewissem Erfolg gekrönt und zudem eine so kuriose Besonderheit, dass ich des Songs nie müde werde: Drummer Victor "Moulty" Moulton war nämlich einhändig (take that, Def Leppard!) und spielte mit einer Prothese auf seiner linken Seite. Der Song "Moulty" wiederum erzählt die Geschichte des Handverlusts und wie Moulton eben dennoch seine Band gründete und Musik ihm so die Lebenskraft zurück gab:

I remember the days when
Things were real bad for me
It was right after my accident
When I lost my hand

It seemed like I was all alone
With nobody to help me
You know, I almost gave up
All my hopes and dreams

But then, then, then something
Inside me kept telling me
Way down inside of me
Over and over again
To keep going on, yeah, on

Things are better for me now
Cause I found that I love music
So I learned to play the drums
And got myself a band and now
We're starting to make it


9. Can't Seem To Make You Mine von The Seeds

The Seeds sind eine weitere der weitgehend vergessenen Bands der Garage-Rock-Explosion der Mitt-60er und hier mit einem ungewöhnlich melodisch-ruhigem Song vertreten, der abgesehen von Sky Saxons immer etwas näselndem Gesangs zwar wenig exemplarisch für ihren sonstigen, rauheren Sound steht (siehe auch: "Pushin Too Hard") aber tatsächlich das erste Lied war, das die Seeds zusammen aufgenommen haben.

Kennengelernt habe ich "Can't Seem To Make You Mine" über die wunderbare "Acid Eaters"-Cover-Platte der Ramones, was auch passend ist, hat doch jeder und zwei mehr diesen unsterblichen Song schon gecovert: Alex Chilton, Johnny Thunders, Ramones, Garbage, Yo La Tengo...


10. Hooligans von Count Lasher

Bereits Mitte 40 war Count Lasher als er den Hit "Hooligans" aufnahm, der sich dem damals in Jamaica vorherrschenden Ska-Sound näherte. Lasher war zu diesem Zeitpunkt bereits ein großer Name auf der Insel und dort vor allem für die jamaikanische Ur-Musik Mento bekannt, aus der sich letztendlich Ska (und daraus dann ja wiederum Reggae) entwickelte.




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