ROCKER'S AREA
Also, es ist Samstag Abend und für denselben haben die Macher des Glashauses in Bayreuth nichts weniger als das „Konzert des Jahres“ angekündigt. Ein Doppelpaket aus Berlin wurde dazu verpflichtet, welches ohne Zweifel zu den momentan angesagten Kapellen des Landes gehören (oder Intro-/Spex-Breeds, wie man das im Glashaus-Gästebuch dann nennt). Die Rede ist zum einen von den Türen (oder muss das Die Türen heißen? Man schreibt/liest ja auch immer „Heute gehen wir zu Die Ärzte“), die mich beim melt! nicht so unbedingt vom Hocker rissen, aber doch ein paar gute Songs haben und der Mediengruppe Telekommander, die schon am diesjährigen Uni-Open-Air begeisterten und beim melt! dann bereits zu früher Stunde schon richtig abräumten.
Zunächst steht jedoch im bereits sehr früh rammelvollen Glashaus (neuer Besucherrekord, selbst die Marken von Sportfreunde Stiller bzw. Robopcop Kraus wurden wohl überboten) das Dienstleistungskombinat auf der Bühne. Das wer/was? Ja, diese Frage stellten sich viele, aber schließlich sickerte durch, dass das DLK wohl aus dem Umfeld des Glashauses stammen sollte und man machte sich auf das Schlimmste gefasst. Allerdings umsonst. Das Dienstleistungskombinat betrat das Glashaus eindrucksvoll: Mit einer Gashupe schüttelt man erstmal allen Anwesenden die Besonnenheit aus den Knochen, um dann lauthals zu verkünden, dass das DLK im Haus wäre. Zu den ersten beiden Instrumentalstücken gibt es dann auch ca. eine Kiste Sekt in Plastikbechern an die vorderen Reihen ausgeschenkt. Sehr klassisch. Später betritt zu den beiden Laptop/Sequenzer/Knöpfchen-Musikanten zusätzlich der bei allen Bayreuther Bands spielende Michael mit Gitarre die Bühne und verschaffte den Songs zusätzliche Akzente und Struktur. Auch wenn es mitten im Set mal Längen gab, so bot das DLK jedenfalls sowohl für die Ohren als auch für die Augen einiges: Während eines weiteren Stücks wurden reichlich Klamotten mit DLK-Logos, Totenköpfen und Slogans („Schnauze voll“, an mehr kann ich mich nicht erinnern) besprüht und anschließend in die dankbare Menge geschmissen. Als beim letzten Stück Wunderkerzen ins Publikum gereicht wurden und das Glashaus in weihnachtlichem Wahnsinn erleuchtete, dann zählte das sicherlich zu den „12 greatest Glashaus-Moments ever“. DLK, bitte weitermachen, das könnte etwas ganz großes werden. Mindestens die beste Band aus Bayreuth seit Selfgod, wenn nicht gar überhaupt.
Ruckzuck ging’s los mit den Türen, heute mal nicht in Schwarz. Rot bzw. Gold gekleidet, sondern in Zivil. Die Hörereindrücke schwankten zwischen „bei weitem nicht so nervig wie beim letzten Mal, gute Ansätze“ (H. Motor) und „Absolut belanglose Scheiße“ (barni), aber wir lieben ja auch alle den Diskurs. Die Glashaus-Besucher jedoch eher die Diskussion, was mal wieder für einen Geräuschpegel während des gesamten Konzertes führte, wie man ihn eigentlich nur bei fragilen Indie-Bands oder ruhigeren Acts gewohnt ist, wenn solche Künstler rücksichtslos an die Wand geplappert werden. Bei einem (relativen) Rock-Ensemble, das noch dazu die langsameren Songs (Trauriger Skinhead, Mädchen meiner Träume), wegließ, war das dann doch schon mehr als bizarr. Jedenfalls wurden die Türen ganz gut aufgenommen und später wird man mal erzählen können „Weißt Du noch, als die Türen im Glashaus auftraten?“ oder auch mal vergleichen „Ja, aber damals, als die Türen das Haus rockten…“.
Am Alkoholpegel und der zunehmenden Nervosität merkte man inzwischen, dass es Zeit für den Hauptact war. Jubel, Wahnsinn, Heiterkeit also, als die Mediengruppe schließlich die Bühne (ich will hier einfach kein zwanghaftes Synonym à la „die Bretter, die die Welt bedeuten“ einfügen) betrat. Schön auch, dass man sofort verlautbarte, dass man Stagediving nicht nur billigen, sondern regelrecht erwarten würde. Mit den ersten Klängen tobte dann auch schon der Mob, heftigstes Geschubse, spaßige 10 cm-ach-ich-schaffs-doch-nicht-ins-Publikum-sondern-schlage-gleich- vor-der-Bühne-auf-Sprünge, gerne auch mal ein durch die Luft gewirbeltes Bier und Mitbrüllen der großartigen Parolen der MTK. Wo soll man da die Highlights setzen? Bei der bereits bekannt-beliebten Zugabe „Untergrund“ zu den Beats von Bayreuths Pseudo-Indie-Parties-Superhit „Jump Around“? Bei der unfassbaren grandiosen (wenigstens 12 Meter großen) Von Spar-Coverversion von „Ist das noch populär“? Oder doch bei der Besonnenheit des Königs, der trotz frenetischer „MO-TOR-HORST“-Chöre, an denen die selige Leni Riefenstahl ihre Freude gehabt hätte, sich weigerte, die Kunst des Stagedivens auszuüben, bei der er vermutlich eine Schneise in die Schar spindeldürrer Indie-Jungs geschlagen hätte, so dass man die Opfer bis heute nicht alle hätte bergen können? Oder dann doch eher bei der Aktion „Wir tragen die MTK jetzt durch den Saal zum Tresen, dort schnappt sich jeder ein Bier und mit Getränk werden sie wieder zurück getragen?“ Wahrscheinlich war der Höhepunkt, als die Mediengruppe morgens um halb fünf noch einmal die Bühne betrat, um weitere 3-5 Songs (die Aussagen der Anwesenden schwanken da etwas, vermutlich genau wie ihre Urheber selbst zu jener Zeit) zum Besten zu geben. Wie könnte man das Genannte besser beschreiben, als mit dem barni-Begriff für diese besonderen Situationen: WAHNSINN.
Danke an Mutlu und alle Jungs und Mädels vom Glashaus, die es mal wieder möglich gemacht haben. Die es vor allem auch immer wieder schaffen dem „Maximal 5 Euro Eintritt“-Grundsatz treu zu bleiben. Respekt, was da geht.
Danke an alle, die da waren, vor allem an die Nürnberger Hooligan-Fraktion, ich glaube, keiner hat das Kommen bereut.
Danke an DLK, Türen und MTK, vor allem Letztere haben es scheinbar ähnlich übertrieben wie der König, der noch heute an den Spätfolgen (Grippe, Schnupfen, Heiserkeit) leidet, er musste ebenso wie die Mediengruppe am Mittwoch ein Konzert absagen.
Wer Kommander?
30.09.2004 | 7 Kommentare | motorhorst
DLK, die Türen und die Mediengruppe Telekommander rocken das Glashaus
Mediengruppe Telekommander
Die geile Seite der Mediengruppe bietet nicht nur das aktuelle Album als kompletten Stream, ein spaßiges Tourtagebuch und das wohl beste Band-T-Shirt der heutigen Zeit "Ich mach jetzt auch was mit Medien" (Leider nicht in Königsgröße), sondern auch ein Hammer-Video-Doku-Making-Of- What-Weiss-Ich zu "Bis zum Erbrechen schreien" (linker blauer Kasten, auf "Video-Stream" klicken)
Zunächst steht jedoch im bereits sehr früh rammelvollen Glashaus (neuer Besucherrekord, selbst die Marken von Sportfreunde Stiller bzw. Robopcop Kraus wurden wohl überboten) das Dienstleistungskombinat auf der Bühne. Das wer/was? Ja, diese Frage stellten sich viele, aber schließlich sickerte durch, dass das DLK wohl aus dem Umfeld des Glashauses stammen sollte und man machte sich auf das Schlimmste gefasst. Allerdings umsonst. Das Dienstleistungskombinat betrat das Glashaus eindrucksvoll: Mit einer Gashupe schüttelt man erstmal allen Anwesenden die Besonnenheit aus den Knochen, um dann lauthals zu verkünden, dass das DLK im Haus wäre. Zu den ersten beiden Instrumentalstücken gibt es dann auch ca. eine Kiste Sekt in Plastikbechern an die vorderen Reihen ausgeschenkt. Sehr klassisch. Später betritt zu den beiden Laptop/Sequenzer/Knöpfchen-Musikanten zusätzlich der bei allen Bayreuther Bands spielende Michael mit Gitarre die Bühne und verschaffte den Songs zusätzliche Akzente und Struktur. Auch wenn es mitten im Set mal Längen gab, so bot das DLK jedenfalls sowohl für die Ohren als auch für die Augen einiges: Während eines weiteren Stücks wurden reichlich Klamotten mit DLK-Logos, Totenköpfen und Slogans („Schnauze voll“, an mehr kann ich mich nicht erinnern) besprüht und anschließend in die dankbare Menge geschmissen. Als beim letzten Stück Wunderkerzen ins Publikum gereicht wurden und das Glashaus in weihnachtlichem Wahnsinn erleuchtete, dann zählte das sicherlich zu den „12 greatest Glashaus-Moments ever“. DLK, bitte weitermachen, das könnte etwas ganz großes werden. Mindestens die beste Band aus Bayreuth seit Selfgod, wenn nicht gar überhaupt.
Ruckzuck ging’s los mit den Türen, heute mal nicht in Schwarz. Rot bzw. Gold gekleidet, sondern in Zivil. Die Hörereindrücke schwankten zwischen „bei weitem nicht so nervig wie beim letzten Mal, gute Ansätze“ (H. Motor) und „Absolut belanglose Scheiße“ (barni), aber wir lieben ja auch alle den Diskurs. Die Glashaus-Besucher jedoch eher die Diskussion, was mal wieder für einen Geräuschpegel während des gesamten Konzertes führte, wie man ihn eigentlich nur bei fragilen Indie-Bands oder ruhigeren Acts gewohnt ist, wenn solche Künstler rücksichtslos an die Wand geplappert werden. Bei einem (relativen) Rock-Ensemble, das noch dazu die langsameren Songs (Trauriger Skinhead, Mädchen meiner Träume), wegließ, war das dann doch schon mehr als bizarr. Jedenfalls wurden die Türen ganz gut aufgenommen und später wird man mal erzählen können „Weißt Du noch, als die Türen im Glashaus auftraten?“ oder auch mal vergleichen „Ja, aber damals, als die Türen das Haus rockten…“.
Am Alkoholpegel und der zunehmenden Nervosität merkte man inzwischen, dass es Zeit für den Hauptact war. Jubel, Wahnsinn, Heiterkeit also, als die Mediengruppe schließlich die Bühne (ich will hier einfach kein zwanghaftes Synonym à la „die Bretter, die die Welt bedeuten“ einfügen) betrat. Schön auch, dass man sofort verlautbarte, dass man Stagediving nicht nur billigen, sondern regelrecht erwarten würde. Mit den ersten Klängen tobte dann auch schon der Mob, heftigstes Geschubse, spaßige 10 cm-ach-ich-schaffs-doch-nicht-ins-Publikum-sondern-schlage-gleich- vor-der-Bühne-auf-Sprünge, gerne auch mal ein durch die Luft gewirbeltes Bier und Mitbrüllen der großartigen Parolen der MTK. Wo soll man da die Highlights setzen? Bei der bereits bekannt-beliebten Zugabe „Untergrund“ zu den Beats von Bayreuths Pseudo-Indie-Parties-Superhit „Jump Around“? Bei der unfassbaren grandiosen (wenigstens 12 Meter großen) Von Spar-Coverversion von „Ist das noch populär“? Oder doch bei der Besonnenheit des Königs, der trotz frenetischer „MO-TOR-HORST“-Chöre, an denen die selige Leni Riefenstahl ihre Freude gehabt hätte, sich weigerte, die Kunst des Stagedivens auszuüben, bei der er vermutlich eine Schneise in die Schar spindeldürrer Indie-Jungs geschlagen hätte, so dass man die Opfer bis heute nicht alle hätte bergen können? Oder dann doch eher bei der Aktion „Wir tragen die MTK jetzt durch den Saal zum Tresen, dort schnappt sich jeder ein Bier und mit Getränk werden sie wieder zurück getragen?“ Wahrscheinlich war der Höhepunkt, als die Mediengruppe morgens um halb fünf noch einmal die Bühne betrat, um weitere 3-5 Songs (die Aussagen der Anwesenden schwanken da etwas, vermutlich genau wie ihre Urheber selbst zu jener Zeit) zum Besten zu geben. Wie könnte man das Genannte besser beschreiben, als mit dem barni-Begriff für diese besonderen Situationen: WAHNSINN.
Danke an Mutlu und alle Jungs und Mädels vom Glashaus, die es mal wieder möglich gemacht haben. Die es vor allem auch immer wieder schaffen dem „Maximal 5 Euro Eintritt“-Grundsatz treu zu bleiben. Respekt, was da geht.
Danke an alle, die da waren, vor allem an die Nürnberger Hooligan-Fraktion, ich glaube, keiner hat das Kommen bereut.
Danke an DLK, Türen und MTK, vor allem Letztere haben es scheinbar ähnlich übertrieben wie der König, der noch heute an den Spätfolgen (Grippe, Schnupfen, Heiserkeit) leidet, er musste ebenso wie die Mediengruppe am Mittwoch ein Konzert absagen.
Bewertungen
Kommentare
01.10.2004
14.04 Uhr
14.04 Uhr
also ich sage ja das waren drei Songs. bis zum erbrechen schreien, untergrund in der jump around version und kommander.
und meine Zähne sind unten und oben auch wieder komplett. :)
und meine Zähne sind unten und oben auch wieder komplett. :)
01.10.2004
21.19 Uhr
21.19 Uhr
echt unten waren sie auch weg?
und habe ich weirklich scheisse gesagt? naja kann sein jedenfalls fande ich die türen schrecklich.
aber war für ein abend
großartig
und habe ich weirklich scheisse gesagt? naja kann sein jedenfalls fande ich die türen schrecklich.
aber war für ein abend
großartig
02.10.2004
11.53 Uhr
11.53 Uhr
oben war nur leicht abgesplittert. aber unten ist gleich so ne ganze Ecke abgebrochen. hab ich aber nicht wirklich gesehen. ich dachte meine Zähne sähen schon immer so unförmig aus.
03.10.2004
21.56 Uhr
21.56 Uhr
ganz sicher: das waren 3 Songs. und genau die und in der Reihenfolge wie Basti schon gesagt hat. Nur bei der Uhrzeit bin ich mir unsicher.
Ein Wahnsinnsabend.
Your Disko is on fire!
Ein Wahnsinnsabend.
Your Disko is on fire!
06.10.2004
18.29 Uhr
18.29 Uhr
nicht vergessen sollte man auch das tolle Joy Division Cover vom Dienstleistungskombinat.
verdammt! ich will mehr von dieser Band!
verdammt! ich will mehr von dieser Band!
07.10.2004
21.04 Uhr
21.04 Uhr
Mir wurde gestern in Köln von den Jungs noch bescheinigt dass Bayreuth bisher einfach nicht zu toppen war. Groß waren wir....
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