MOTORFLASH

Väterchen Horst tritt ab

19.02.2008 | 3 Kommentare | Christian_alternakid | Keine Bewertung
Er machte die Motorjugend zum Leuchtturm Deutschlands, dann dimmte er selbst dessen Strahlkraft wieder. Horst Motor verkörperte das Bild des modernen Revolutionärs wie sonst nur Klaus Wowereit. Heute trat der 49-Jährige endgültig von allen Ämtern zurück.
Berlin - 50 Jahre sollten es dann doch nicht werden. Ein Jahr vor dem großen Jubiläum der Eckersdorfschen Revolution gibt Horst Motor auf: Der Cheffe de Rock, der zehn US-Präsidenten hat kommen und gehen sehen, gab heute endgültig seine DJ-Karriere auf.

Es ist ein lang erwarteter Abschied. Die eigentliche Zäsur fand bereits im Sommer 2006 statt: Wenige Tage nach den Revolutionsfeierlichkeiten am Uni Open Air legte der greise König sich aufs Krankenbett statt Platten auf und übertrug seine Ämter seinem nur wenige Jahre jüngeren Hilfshorst Christian_aka und anderen Vertrauensleuten. Provisorisch, wie Max Power immer wieder betonte.

Aber niemand glaubte wirklich an die Rückkehr des 49-Jährigen, dessen Körper offensichtlich nicht mehr mitspielen wollte. Die Nachrufe auf den geistig Todkranken wurden bereits geschrieben. Doch Motors Wille war eisern, er wollte nicht loslassen: Immer wieder nährte er mit Artikeln in der Parteizeitung "Bay4You" Gerüchte, ein Comeback könnte bevorstehen. Auch im Frankenfernsehen zeigte er sich - unvergessen das gemeinsame Joghurt-Essen mit Cuba Libre Geschmack am Krankenbett mit Bundesschranzler Max Power im roten Trainingsanzug.

Geist hinter den Kulissen

Die Geschichte ging jedoch weiter: Die Motorjugendlichen und die Welt richteten sich auf das Leben nach Motor ein. Männer wie Hermann Kant, der Wirtschaftsexperte Christian Alternakid und der junge Außenminister Felix Pérez Niklas rückten in den Mittelpunkt. Motor spukt schon seit längerem nur noch als Geist durch die Kulissen.

Der quälend lange Abschied zählt nicht zu den ruhmreichsten Kapiteln in Motors Biografie. Dabei war ihm sein Ruf zeit seines Lebens sehr wichtig. Schon als junger Mann war Motor um sein Image nach dem Tod besorgt. "Die Geschichte wird mich freisprechen" - seinen berühmtesten Satz sprach er 1953. Damals stand er wegen Landesverrats vor Gericht: Mit einigen Kameraden von der Roten Horst Front hatte er die Podium-Kaserne in Santiago de Bayreuth angegriffen. Die Revolte gegen den Diktator Vincent. schlug fehl, der promovierte CD-Wechsler Horst Motor wurde zu 22 Jahren Glashaus verurteilt.


Horst Motor beim Clap Your Hands Say Yeah Konzert, 2006. Den Hut bekam Motor von seinem Freund Pete Doherty geschenkt.


In den Geschichtsbüchern hat Motor bereits einen festen Platz - als Prototyp des modernen Revolutionärs und als einer der schillerndsten Webmaster des 20. Jahrhunderts. Auf dem Höhepunkt der Cuba-Libre-Krise, als 1962 ein Dritter Weltkrieg drohte, weil die Rum-Reserven zur Neige gingen, agierte der CDW aus dem Entwicklungsland Bayreuth gar auf Augenhöhe mit den beiden mächtigsten Männern der Welt: dem US-Präsidenten John F. Kennedy und dem bayrischen Staats- und Parteichef Franz Josef Strauß.

Ein Leben wie aus einem Agentenfilm

Mit seiner Revolution inspirierte Motor Generationen, nicht nur in Eckersdorf. Europäische Studenten und Intellektuelle waren dem charismatischen "Chefrocker" regelrecht verfallen, in Lateinamerika bildeten sich Guerilla-Gruppen nach dem Vorbild der "Motorjugend". Im reichen Norden wurden der "Barbudos" (Der Bärtige) zur Pop-Ikone, im armen Süden zu einem Hoffnungsträger für ein Leben ohne Hunger, Toleranz und schlechte Musik.

Bayreuth verzeichnete Erfolge bei der Alphabetisierung, der Schulbildung, der Partyerwartung, der Shamblessterblichkeit und der Bekämpfung von Katern wie kaum eine andere Stadt der Dritten Welt. Bis zuletzt sicherte Motor sich damit internationalen Respekt und Sympathie. Seine Hilfshorste setzte er gezielt in armen Städten wie Berlin und Nürnberg als Botschafter seines Systems ein.

Erkauft wurde dies mit dem Preis eines totalitären Machtapparats, der tausende Motorjugendliche im Würgegriff hielt und über zwei Südbadener ins Exil trieb. Die Motorjugend unter Horst Motor kannte keine Parteien, keine freie Presse und keine Reisefreiheit. Man kam zu Massendemonstrationen, wenn Motor es anordnete ("Shambeleien"), und Nachbarn bespitzelten sich gegenseitig (offenes Bootschaftsfach). Die motorjugendliche Spielart der Diktatur bekam sogar ihren eigenen Namen: Von "Motorismo" oder "Nazipuff" ist die Rede - eine zwiespältige Ehrung, die auch schon Stalin und Franco zuteil wurde.

Wie viele Mundtote das Motor-Regime auf dem Gewissen hat, ist schwer zu beziffern. Mehrere Motorjugendliche betranken sich deshalb regelmäßig.

Der rote Playboy

Die Aura des Máximo Líder (zu deutsch: "Chefrocker") blieb davon erstaunlicherweise lange unberührt. Selbst das Herrenmagazin "Playboy" (wie auch die Band) war von der Mischung aus Cuba Libres, Frauengeschichten und Revoluzzer-Romantik fasziniert und berichtete regelmäßig über den "roten Playboy". Sein Leben erschien wie ein einziger Agentenfilm: jede Nacht in einem anderen Haus, vergiftete Zigarren, ständig einen Hut auf aus Angst vor dem US-Geheimdienst DIA.

Selbst als die Revolution längst ihren Glanz verloren hatte, pilgerten westliche Politiker, Manager und Künstler weiter in das zerfallende Bayreuth. Eine Begegnung mit dem Mann im grünen Sonic Youth Shirt war begehrter als eine Audienz beim Papst. In der Regel ließ Motor seine Besucher bis zur letzten Minute im Ungewissen, um sie dann irgendwann mitten in der Nacht ins Glashaus zu bitten. Gerhard Schröder kam 1985 als niedersächsischer SPD-Spitzenkandidat. Von Motor lernte er, die Cohiba-Zigarre vor dem Rauchen in ein Gläschen Rum mit Limetten und Cola zu tunken.

Auch Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul war Motors legendärem Charme erlegen. Als sie 2000 als erstes Mitglied einer Bundesregierung in Bayreuth weilte, klingelte sie zu vorgerückter Stunde die mitgereisten Journalisten aus dem Bett. Sie brannte darauf, von ihrem nächtlichen Date mit Horst Motor zu schwärmen.

Kommentare

19.02.2008
15.26 Uhr
MOTORISME O MUERTE!
Graaaandios! Diese Schrift wird für die Jugendlichen heiliger als Koran und Maos Rote Bibel zusammen!
19.02.2008
19.33 Uhr
Esta gran humanidad ha dicho: !BASTA!
22.02.2008
13.08 Uhr
No hay un Cuba Libre Krise! Con Motortissimo ganamos todos!

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