The Libertines – Up The Bracket
18.09.2006 | 0 Kommentare | Christian_alternakid | Keine Bewertung
September 2002. Exakt 4 Jahre sind nun ins Land gezogen, seit mir das Debutalbum einer Band auf den Tisch flatterte und ich für das verblichene Münchener Fanzine Alternakid eine Rezension schrieb.
September 2002:
The Libertines – Up The Bracket
Jungs und Mädels, holt das Geld aus den Taschen, kauft dieses Album. Eine Band, die wie dafür geboren ist, auf Buttons nah am Herzen getragen zu werden. Eine Band urenglischen Zuschnitts: wie blur zu Parklife-Zeiten, wie die Beatles kurz nach dem Starclub, wie The Kinks in den 60ern, wie The Jam bei Going Underground, wie The Clash bei ihrem klassischen Garage-Punk-Debut. Gäbe es den Union Jack nicht, für die Libertines müsste man ihn erfinden. Mit Up The Bracket haben die Briten endlich wieder einen Contender in der heißesten Szene unserer Zeit, was ja auch dringend notwendig war.
Musikalisch sind die vier, die so herrlichen Unsinn reden ("I was a rent boy, by the way") knietief in der britischen Punk-School of '77 verwurzelt. Mehr als passend ist, dass Up The Bracket von Mick Jones, der anderen Hälfte der Clash- Songwriter- Genies, produziert wurde. Dabei ist Jones fraglos zu bescheinigen, dass er einen hervorragenden Job gemacht hat: das Libertines-Debut ist rau, schräg, schrammelnd und gleichzeitig mit enormer Wucht wie auch einer Ahnung des jederzeit möglichen Chaos behaftet. Anschaulich wird das beim Vergleich zwischen der Debutsingle-b-seite "I Get Along" und der hier vertretenen Albumversion: obwohl auf Single auch nicht schlecht von Bernard Butler (of Suede fame) produziert, ist die Albumversion kompakter und noch einige Gänge nach oben geschalten, so dass "I Get Along" als Schlusssong den Hörer regelrecht aus dem Album herausbläst.
Ebenfalls hervorragend ist der Ablauf des Albums: die ersten vier Songs sind mit ihrem sexy-strokesy Sound ein hervorragender Einstieg, was The Libertines mit ihrer "Boys In The Band"-Hymne noch zu steigern wissen. Die zweite Hälfte des Albums lässt dann eine Ahnung des Chaos zu, das ihren Gigs nachgesagt wird. Insbesondere "Boy Looked At Johnny", dessen Titel an das berühmte Buch der beiden legendären NME-Punk-Writer Burchill/Parsons angelehnt ist, und "Good Old Days" scheinen jeden Moment in Unhörbarkeit umzukippen, um sich dann doch wieder rechtzeitig aufzufangen. Wendet man die alte Regel an, dass die b-Seiten der Singles aussagen, wie gut eine Band wirklich ist, dann wird man sich schwer tun, vergleichbares in den letzten fünf Jahren zu finden: mit "I Get Along" und "Boys In The Band" ( "you're talking like you are handy in a fight / you talk about it every night / But I never saw those flowers in the barrel of your gun / all I ever seen you do is run" ), den zusätzlichen Songs der ersten beiden Singles, würden andere Bands Weltherrschaften begründen.
Aufgrund der Leichtigkeit, wie hier mit gottgleichen Melodien um sich geworfen wird, erinnert die Klasse von Up The Bracket dabei mehr an das Strokes Debut als an irgendeine andere Platte der letzten zwei Jahre. Auch wenn sie es nicht ganz schaffen, deren durchgehende überwältigende Brillianz mit Up The Bracket zu erreichen, so sind doch neun der zwölf Songs instant classics. Und wenn man dabei bedenkt, dass sie ihren bis heute besten Song "What A Waster" noch nicht einmal auf dieses Album genommen haben, ist klar, dass hier Material für die Kategorie "neue Lieblingsband" vorliegt.
Sloganeering liegt den Libertines dabei besser als allen anderen. In jedem Song findet sich ein Satz den man sich auf Ordner schreiben oder auf die Stirn tätowieren möchte ( "there's fewer more distressing signs than that of an Englishman in a baseball cap / now we'll die in the class we was born / that's a class of our own / Did you see the stylish kids in the riot?" ). Haben die Strokes mit "Take It Or Leave It" im letzten Song von Is This It ihr Bandcredo verankert, so tun es ihnen The Libertines bei "I Get Along" mit jener wundervollen Zeile nach: "I get along / just singing my song / people tell me I'm wrong / ...fuck 'em" (10 / 10) .
Standout-Tracks:
* Boys In The Band * I Get Along * Horrorshow *
Christian
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