THE FRAGILE STAGE
Die zweite Ebene wird mit der Creme de la Creme bestückt. Zu jeweils 50% besteht diese Reihe aus dem Gesamtwerk von Douglas Coupland (meist sowohl die deutsche als auch die englische Ausgabe, um die gröbsten Übersetzungsfehler im direkten Vergleich zu sehen, zu unterringeln und am Rand mit Bleistift verbessern zu können) und die besseren Bücher aus der deutschen so genannten Popliteratur. Die wird übrigens so genannt, weil sie genau das auch ist. Da ist zunächst mal das Lebenswerk des ehemaligen Drogenabhängigen Benjamin von Stuckrad-Barre, der vom heiligen Udo aus dem Sumpf gezogen wurde und inzwischen gen Himmel auffuhr. Dazu die Literaten aus der unmittelbaren oder doch etwas entfernteren Umgebung, wie Christain Kracht (1979, Mesopotamia, Der Gelbe Bleistift, irgendwie vermisse ich mein "Faserland"), Joachim Bessing (Wir Maschine), Georg M. Oswald (Alles was zählt) und natürlich Sven Lager (Im Gras, Phosphor und als Herausgeber von The Buch). Und dann noch mal alle zusammen in "Tristesse Royal" zu dem nix weiter zu sagen ist. Dann noch Bücher, die ich nicht zu Ende lesen konnte (Joachim Lottmann - Mai, Juni, Juli) oder zu Ende lesen wollte (Helmut Krausser - Mai-Juni, Tagebücher) oder nicht nennen möchte wegen Grenze zur Peinlichkeit überschritten (meist Crazy-Bücher aus dem jetzt-Kosmos). Dreimal gibt es hier auch noch den hervorragenden Linus Volkmann und nicht minder hervorragend Claudia Kaisers "Rocken und Hosen" über ihre Tour mit ihrer Band, den Moulinettes. Dabei fällt mir ein, dass Thees Uhlmanns Tocotronic-Tagebücher bereits auf Ebene 1 standen, man sollte sie wohl besser hier einordnen. Die ungelesenen simplen Stories von Ingo Schulze stehen hier übrigens auch noch. Und Sven Regeners Herr Lehmann neben Frank Goosens Liegen Lernen, wobei ich letzteres deutlich besser fand als ersteres.
Die Ebene drei nenne ich "Unpeinliche Autoren national und international", was ganz schlimm klingt und mich zwingt, den Effekt noch zu verstärken, indem ich hinter das national noch ein Ausrufezeichen in schlechtester Bandbenamungstradition setze. Hier findet sich zum einen das Gesamtwerk von Nick Hornby, zu dem hoffentlich nicht mehr allzuviele Einzelbände hinzukommen, wenn sich der qualitative Verfall seit den brillanten (schreibt man das echt so? brilliant unterstreicht mir Word als falsch?) "Fever Pitch" und "High Fidelity" fortsetzen sollte. Ganz rechts stehen die großartigen 6 Bände "Stadtgeschichten" von Armistead Maupin, die ich zunächst gar nicht ins Wohnzimmer stellen wollte. Aber warum nicht? Bietet doch schließlich kaum ein anderes Buch oder eine Reihe ein derartiges Panoptikum an wiederkehrenden, bizarren Personen, die auf überaus amüsante Weise immer wieder interagieren. Sollte ich auch noch einmal lesen, werde ich vermutlich aber nicht machen.
Gleich im Anschluss gibt es Wiglaf Droste und Max Goldt, zu beiden muss man nichts weiter sagen, sind sie doch jeweils für sich und durch ihren ureigenen Stil unverzichtbar.
Zwischen Nick und Maupin, Max und Wiglaf, versammeln sich dann einige Schätze: Die ersten Bücher von Michel (Hölle, Hölle, Hölle) Hoeullebecq, dazu 39,90 von Beigbeder (bitte alle laut aussprechen) und Irvine Welshs Klebstoff. Ein Welsh-Buch pro Büchersammlung ist übrigens vollkommen ausreichend, vergleiche auch Bad-Religion-CDs, wovon man allerdings auch gerne null Stück haben kann. Denselben Zweck erfüllt Bret Easton Ellis American Psycho.
Herauszuheben sind dann in dieser Reihe noch die Adrian-Mole-Bücher, Nick McDonells Zwölf (das sollten vielleicht mal alle Experten lesen, die so wahnsinnig begeistert vom superlangweiligen "Crazy" waren und zwar einzig und allein, weil der Autor doch sooooooo jung war) und vor allem Stephen Chboskys "Vielleicht lieber morgen (The Perks of Being a Wallflower)". Wer letztgenanntes Buch noch nicht sein eigen nennt, der kauft es SOFORT.
Beeindruckt? Also ich schon. Wir haben noch die Ebene vier mit den mittelmäßigen deutschen und ausländischen Autoren vor uns und dann noch die Regalfüller. Diese gibt es aber im nächsten Teil, der womöglich niemals erscheinen wird.
The Billy - Teil 2
14.09.2004 | 7 Kommentare | motorhorst
Blickfänge für die mittleren Etagen
Die Ebene drei nenne ich "Unpeinliche Autoren national und international", was ganz schlimm klingt und mich zwingt, den Effekt noch zu verstärken, indem ich hinter das national noch ein Ausrufezeichen in schlechtester Bandbenamungstradition setze. Hier findet sich zum einen das Gesamtwerk von Nick Hornby, zu dem hoffentlich nicht mehr allzuviele Einzelbände hinzukommen, wenn sich der qualitative Verfall seit den brillanten (schreibt man das echt so? brilliant unterstreicht mir Word als falsch?) "Fever Pitch" und "High Fidelity" fortsetzen sollte. Ganz rechts stehen die großartigen 6 Bände "Stadtgeschichten" von Armistead Maupin, die ich zunächst gar nicht ins Wohnzimmer stellen wollte. Aber warum nicht? Bietet doch schließlich kaum ein anderes Buch oder eine Reihe ein derartiges Panoptikum an wiederkehrenden, bizarren Personen, die auf überaus amüsante Weise immer wieder interagieren. Sollte ich auch noch einmal lesen, werde ich vermutlich aber nicht machen.
Gleich im Anschluss gibt es Wiglaf Droste und Max Goldt, zu beiden muss man nichts weiter sagen, sind sie doch jeweils für sich und durch ihren ureigenen Stil unverzichtbar.
Zwischen Nick und Maupin, Max und Wiglaf, versammeln sich dann einige Schätze: Die ersten Bücher von Michel (Hölle, Hölle, Hölle) Hoeullebecq, dazu 39,90 von Beigbeder (bitte alle laut aussprechen) und Irvine Welshs Klebstoff. Ein Welsh-Buch pro Büchersammlung ist übrigens vollkommen ausreichend, vergleiche auch Bad-Religion-CDs, wovon man allerdings auch gerne null Stück haben kann. Denselben Zweck erfüllt Bret Easton Ellis American Psycho.
Herauszuheben sind dann in dieser Reihe noch die Adrian-Mole-Bücher, Nick McDonells Zwölf (das sollten vielleicht mal alle Experten lesen, die so wahnsinnig begeistert vom superlangweiligen "Crazy" waren und zwar einzig und allein, weil der Autor doch sooooooo jung war) und vor allem Stephen Chboskys "Vielleicht lieber morgen (The Perks of Being a Wallflower)". Wer letztgenanntes Buch noch nicht sein eigen nennt, der kauft es SOFORT.
Beeindruckt? Also ich schon. Wir haben noch die Ebene vier mit den mittelmäßigen deutschen und ausländischen Autoren vor uns und dann noch die Regalfüller. Diese gibt es aber im nächsten Teil, der womöglich niemals erscheinen wird.
Bewertungen
Kommentare
15.09.2004
00.07 Uhr
00.07 Uhr
Oh, Meister, wie nicht anders zu erwarten empfiehlst Du genau die richtigen Bücher. "Twelve"? Toll! "The Perks of Being a Wallflower"? Großartig! Ich hab das dringede Bedürfnis, sofort mein Bücherregal neu zu sortieren.
15.09.2004
08.15 Uhr
08.15 Uhr
Mir ist es eh ein Rätsel, dass das Neuordnen des Bücherregals in der Popkultur keinen ähnlichen Stellenwert hat wie die Ordnung der Plattensammlung. Hier wie dort stellen sich doch die entscheidende Frage: Alphabetisch, nach Erscheinungsdatum oder autobiographisch?
16.09.2004
12.03 Uhr
12.03 Uhr
Bücher kann man - im Gegensatz zu Platten - auch der Größe nach sortieren. Ich kenne auch Leute, für die die Farbe des Buchrückens ausschlaggebend ist. Ich persönlich hätte aber erhebliche Probleme, immer überlegen zu müssen "War 'The Hitchhiker's Guide to the Galaxy' jetzt blau oder grün?"
16.09.2004
16.42 Uhr
16.42 Uhr
Ey boah Ey, was ihr für Bücher lest… Dem geneigten Proll raucht schon nach 4 Zeilen die Birne, und er stellt sich vor, wie klug und belesen der Herr motorhorst wohl sein mag.
Aber die exklusiv-coole Bibliothek in ein derart uncool-preiswertes Billy zu stellen finde ich doch sehr mutig und unkonventionell.
Wo bleibt denn da der Gesamteindruck?
Aber die exklusiv-coole Bibliothek in ein derart uncool-preiswertes Billy zu stellen finde ich doch sehr mutig und unkonventionell.
Wo bleibt denn da der Gesamteindruck?
12.04.2005
15.44 Uhr
15.44 Uhr
hab diesen thread erst jetzt entdeckt. also möchte ich wenn auch verspätet meinen protest zu den bewertungen von "liegen lernen" und "herr lehmann" einreichen.
die bücher sind überhaupt nicht zu vergleichen.ausser das beides irgendwie im 80sten jahrzehnt spielt. bei liegen lernen wird der protagonist über eine lange strecke begleitet, wobei das hauptaugenmerk auf seinen beziehungen liegt, wogegen herr lehmann gerade mal einen beschränkten zeitraum von ca. nem halben jahr umfasst. herr lehmann befasst sich dabei auch mit seinem sozialen umfeld außerhalb des bettes.
und außerdem:
herr lehmann gefällt mir viel besser.
und das ist die wichtigste kritik, die ich hier anbringen möchte.
die bücher sind überhaupt nicht zu vergleichen.ausser das beides irgendwie im 80sten jahrzehnt spielt. bei liegen lernen wird der protagonist über eine lange strecke begleitet, wobei das hauptaugenmerk auf seinen beziehungen liegt, wogegen herr lehmann gerade mal einen beschränkten zeitraum von ca. nem halben jahr umfasst. herr lehmann befasst sich dabei auch mit seinem sozialen umfeld außerhalb des bettes.
und außerdem:
herr lehmann gefällt mir viel besser.
und das ist die wichtigste kritik, die ich hier anbringen möchte.
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