INSTITUT FÜR LISTENWESEN

Super-Pinsel! Das muss man doch haben!

22.12.2008 | 0 Kommentare | motorhorst | Keine Bewertung
Türchen 14: TV-Ereignisse des Jahres
Welch eine Aufregung, als eine der Ikonen des Fernsehens, welche zusätzlich noch mit einem Preis ausgezeichnet werden sollte, plötzlich und quasi-live erklärte, was für einen Schwachsinn man sich dort das ganze Jahr ansehen musste. Zugegeben, das ist etwas sinnentstellend wiedergegeben, da es Marcel Reich-Ranicki in seiner Hass-Rede hauptsächlich um die schwachsinnige Veranstaltung ging, der er beiwohnen musste und in deren Riege der Preisträger er sich einfach nicht eingereiht sehen wollte. Aber das war schnell vergessen, in der öffentlichen Wahrnehmung blieb hängen, dass der Literaturkritiker die Untiefen des (mutmaßlich Privat-)Fernsehens verabscheut. Ich bin mir sicher, dass MRR nicht annähernd weiß, was im Fernsehen wirklich alles zu sehen ist, sonst wäre er auf der Stelle vor Abscheu gestorben. Wie dem auch sei: Die lächerliche Fortsetzung des Events, die Diskussion mit Thomas Gottschalk (!) ist inzwischen längst ebenso vergessen wie Elke Heidenreichs 15 Minuten der Vernunft. Die Erinnerung an die Brandrede Reich-Ranickis und die dummen Gesichter im Publikum bleibt bestehen.

Egal wie viele Milliarden für die TV-Rechte der Euro 2008 gezahlt wurden, es waren offenbar nicht genug, um zu garantieren, dass wenigstens eine Kamera noch irgendein Bild beim Halbfinale zwischen Deutschland und der Türkei überträgt. Über eine Viertelstunde fühlte man sich an die seligen Zeiten zurückerinnert, als der Reporter noch erklärte, welche Mannschaft in den dunklen Trikots spielt (für die Zuschauer, die nur ein Schwarz-Weiß-Gerät hatten) oder sich Ernst Huberty über eine miserable Telefonleitung aus Tirana vom Freundschaftsspiel gegen Albanien meldete. Als dann das Bild wieder da war, liefen Bilder und Ton dermaßen unsynchron, dass Bela Réthys (gefühlt) vorzeitiger Torjubel auch das letzte bisschen Freude an dem Match komplett vergällte.
Eine wunderbare Niederlage für die stromlinienförmige UEFA, die sich mit ihrem neuen Generalsekretär Michel "Smithers" Platini anschickt, das große Vorbild FIFA in punkto Peinlichkeit und dummen Ideen rechts zu überholen.

Bereits an anderer Stelle hochgelobt und glücklicherweise immer noch in der hervorragenden Mediathek der ARD verfügbar bleibt das Fernseherlebnis des Jahres die Episode aus der (eher mit peinlichen Persönlichkeiten gespickten) Serie "Deutschland, deine Künstler" über Jonathan Meese. Deswegen an diesem Ort gar keine weiteren Worte, außer dem nochmaligen Befehl: Anschauen!

Jahresliste TV-Ereignis 2008

01 Jonathan Meese in "Deutschland, deine Künstler"
02 Schwarzer Bildschirm bei der Euro 2008
03 Marcel Reich-Ranickis Wutausbruch beim Deutschen Fernsehpreis

Reihe

Jahresrückblick 2008

Kommentare

Bisher gibt es noch keine Kommentare zu diesem Artikel.

Bewertungen

Bisher wurde dieser Artikel noch nicht bewertet.

Als Mitglied der motorjugend mit dem Rang Blicker oder mehr kannst Du an dieser Stelle einen Kommentar zu dieser Text abgeben und andere Kommentare kommentieren.


Andere Artikel