ROCKER'S AREA
"Ob die überhaupt so etwas kennen in Neuseeland? Also Schnee?" geht es mir durch den Kopf, doch wie alle Menschen der Neuzeit weiß ich alles, was ich über Neuseeland weiß aus den "Herr der Ringe"-Filmen und da dort schneebedeckte Berge und der erfolglose Versuch der Gefährten, diese zu überqueren (bevor sie dann den Weg durch die Minen von Moria nehmen) vorkommen, kann ich mir diese Frage selbst beantworten.
Die Band ist glücklicherweise schon eingetroffen, das Publikum trifft nach und nach im Glashaus ein, welches für diese Witterung dann doch recht ansehnlich gefüllt ist. So So Modern stehen heute nur zu dritt auf der Bühne und man hat so den Eindruck, sie würden immer weniger werden (beim UOA 2008 waren sie doch mindestens noch zu viert, eventuell gar zu fünft...?).

Bereits der Beginn des Konzerts ist verheisungsvoll: Innerhalb weniger Sekunden wird eine Spannung aufgebaut, die ungefähr mit dem Moment im Techno-DJ-Set vergleichbar ist, wenn die Höhen nur so vor sich hinschallern, dass einem beinahe das Trommelfell platzt und jeder auf den einsetzenden Bass wartet, um erleichtert "wuuuu huuuu huuuuu" zu brüllen. Und das Festival der seltsamen Vergleiche wird locker fortgesetzt: Als es losgeht, denkt man At The Drive-In ohne Afros stünden da auf der Bühne. Die Energie, die einen sofort erfasst, lässt einen an The Mars Volta denken, nur mit Songs und Melodien. Das Instrumentale spielt eine große Rolle, der Gesang geht oft nicht über ein "woooooo ooohooooo oooooooo" hinaus, was überhaupt nicht störend, sondern sehr befreiend wirkt. Ich denke an !!! ohne das nach 2 Minuten nervende groovend Funkige.
Das Debüt-Album Crude Futures, welches in Kürze erscheint, haben sie bereits als Vinyl an den Merchandise-Tisch mitgebracht. Und natürlich auch live auf die Bühne. Jeder Song hat einen anderen Ansatz und spiegelt das breite Spektrum der Band wieder. Bei Song 2 denkt man an Screamo, bei den Gitarrenparts in Berlin für ca. 10 Sekunden an die besseren Momente von U2, immer wieder mal an die großen Marr, so geht das ständig hin und her, aber alles trifft nicht wirklich zu. Konstant bleibt nur eines: Den einfachen Weg wählen So So Modern nie, mit Vorhersehbarem und "Na klar, muss ja jetzt kommen"-Momenten geizen sie. Und das ist sehr gut so.
Nach 40 Minuten ist das erfrischende Set vorbei, eine geplante und eine weitere, eher erbettelte Zugabe "Island Hopping" ("I hope we don't fuck it up" - Antwort aus dem Publikum "Fuck it up") später wird die Band mit langem Applaus verabschiedet. Während ich über den knirschenden Schnee nach Hause laufe, denke ich nicht mehr an Mühen wie das vierte Autoabkehren an einem Tag ein paar Minuten vorher, sondern bin froh, dass es das Glashaus gibt und man manchmal auch während der Woche über seinen eigenen inneren Schweinehund springen muss.
So So Modern im Glashaus
Mittwoch, 03.02.2010 | 0 Kommentare | motorhorst
Wenn es einen leichten Weg gibt, dann wählen So So Modern diesen für gewöhnlich nicht. Und an diesem Abend war es ja schon schwierig denjenigen zu finden, der ins Glashaus führt.
Als ich um halb zehn mein Auto abkehre wird mir nicht nur bewusst, dass ich dies schon zum dritten Mal an diesem Tag mache, sondern dass es mir auch noch ein weiteres Mal bevorsteht, wenn ich später wieder nach Hause fahren möchte. Was treibt einen sesshaft gewordenen, alten Mann, an einem Abend, an dem man kein Huhn vor die Tür jagen möchte, dazu, noch einmal die festen Schuhe anzuziehen und die Schneewüste zu durchqueren? Es ist die Band So So Modern, die heute im Glashaus spielen soll."Ob die überhaupt so etwas kennen in Neuseeland? Also Schnee?" geht es mir durch den Kopf, doch wie alle Menschen der Neuzeit weiß ich alles, was ich über Neuseeland weiß aus den "Herr der Ringe"-Filmen und da dort schneebedeckte Berge und der erfolglose Versuch der Gefährten, diese zu überqueren (bevor sie dann den Weg durch die Minen von Moria nehmen) vorkommen, kann ich mir diese Frage selbst beantworten.
Die Band ist glücklicherweise schon eingetroffen, das Publikum trifft nach und nach im Glashaus ein, welches für diese Witterung dann doch recht ansehnlich gefüllt ist. So So Modern stehen heute nur zu dritt auf der Bühne und man hat so den Eindruck, sie würden immer weniger werden (beim UOA 2008 waren sie doch mindestens noch zu viert, eventuell gar zu fünft...?).

Bereits der Beginn des Konzerts ist verheisungsvoll: Innerhalb weniger Sekunden wird eine Spannung aufgebaut, die ungefähr mit dem Moment im Techno-DJ-Set vergleichbar ist, wenn die Höhen nur so vor sich hinschallern, dass einem beinahe das Trommelfell platzt und jeder auf den einsetzenden Bass wartet, um erleichtert "wuuuu huuuu huuuuu" zu brüllen. Und das Festival der seltsamen Vergleiche wird locker fortgesetzt: Als es losgeht, denkt man At The Drive-In ohne Afros stünden da auf der Bühne. Die Energie, die einen sofort erfasst, lässt einen an The Mars Volta denken, nur mit Songs und Melodien. Das Instrumentale spielt eine große Rolle, der Gesang geht oft nicht über ein "woooooo ooohooooo oooooooo" hinaus, was überhaupt nicht störend, sondern sehr befreiend wirkt. Ich denke an !!! ohne das nach 2 Minuten nervende groovend Funkige.
Das Debüt-Album Crude Futures, welches in Kürze erscheint, haben sie bereits als Vinyl an den Merchandise-Tisch mitgebracht. Und natürlich auch live auf die Bühne. Jeder Song hat einen anderen Ansatz und spiegelt das breite Spektrum der Band wieder. Bei Song 2 denkt man an Screamo, bei den Gitarrenparts in Berlin für ca. 10 Sekunden an die besseren Momente von U2, immer wieder mal an die großen Marr, so geht das ständig hin und her, aber alles trifft nicht wirklich zu. Konstant bleibt nur eines: Den einfachen Weg wählen So So Modern nie, mit Vorhersehbarem und "Na klar, muss ja jetzt kommen"-Momenten geizen sie. Und das ist sehr gut so.
Nach 40 Minuten ist das erfrischende Set vorbei, eine geplante und eine weitere, eher erbettelte Zugabe "Island Hopping" ("I hope we don't fuck it up" - Antwort aus dem Publikum "Fuck it up") später wird die Band mit langem Applaus verabschiedet. Während ich über den knirschenden Schnee nach Hause laufe, denke ich nicht mehr an Mühen wie das vierte Autoabkehren an einem Tag ein paar Minuten vorher, sondern bin froh, dass es das Glashaus gibt und man manchmal auch während der Woche über seinen eigenen inneren Schweinehund springen muss.



