Rache, RomCom und Rituale

18.02.2013 | 6 Kommentare | motorhorst
Letzte Woche so gesehen: Our Idiot Brother, The Rite und Lady Vengeance
Our Idiot Brother: Sonntagnachmittag ist RomCom-Zeit. D.h. nur am Sonntagnachmittag. Wenn überhaupt. Our Idiot Brother hat nicht sonderlich viel zu bieten, außer Paul Rudd, der seit dem maßlos unterschätzten Clueless eigentlich machen darf, was er will. Ansonsten ist das ein Film, der einen nicht besonders weiter bringt, aber auch nicht sonderlich auf die Nerven geht. Ein Typ, der eher in hippieesken Verhältnissen außerhalb von New York lebt, wird von seinen Geschwistern als Schwachkopf gesehen, weil er lieber mit anderen Menschen redet und versucht sie zu verstehen und immer nur das Gute sehen will. Klar, so jemand ist dann wohl ein Idiot. 5 von 10 Punkten.

The Rite: Deutscher Titel: The Rite - Das Ritual. Ihr Armleuchter! Also, die Armleuchter gehören nicht mehr zum Titel, sondern sind eine Beleidigung für die deutschen Titelmacher, die längst mal wieder einen eigenen Artikel verdient hätten. Der Film selbst dient vor allem dazu, zu zeigen, was Anthony Hopkins, Morgan Freeman und Samuel L. Jackson vereint. Gib einem ein Drehbuch und er wird die Rolle spielen ohne darüber nachzudenken. Hopkins als Hannibal Lecter, Freeman als der weise schwarze Mann und Jackson als der coole, böse Motherfucker (deutsch: Böser schwarzer Mann). Nur die Namen der Charaktere ändern sich halt. Hier spielt Hopkins einen erfahrenen Exorzisten in Rom, der einen jüngeren, aus den USA stammenden, nicht sehr glaubensfesten Priesteranwärter zum Teufelsaustreiber schulen soll. Alle Klischees und teilweise sogar Bilder aus dem Exorzist werden  noch einmal aufgewärmt ohne dessen Klasse zu erreichen. Und das sage ich, der den Exorzist noch nicht gesehen hat (steht aber auf der Watchlist). Aber die Ikonographie des Schockers von 1973 ist nun mal Allgemeingut, vom Köpfe drehen bis zum Spinnenlauf an der Decke. Es hat eigentlich nur die Erbsensuppe gefehlt. 4 von 10 Punkten.

Lady Vengeance: Nach Sympathy For Mr. Vengeance und Oldboy ein weiterer Rache-Film des Südkoreaners Chan-wook Park. Die Stellung innerhalb der losen Rache-Trilogie kann ich noch nicht einschätzen, da ich Sympathy For Mr. Vengeance noch auf der To-Do-Liste habe, aber das Setup von Lady Vengeance ist dem von Oldboy schon sehr ähnlich. Eine Frau kommt nach langer Zeit aus dem Gefängnis frei und beginnt eine Art von Rachefeldzug. Sehr vereinfacht dargestellt. Die erste Hälfte des Films ist bildgewaltig und ideenreich. Die unorthodoxe Erzählweise erzeugt einen sehr großen Seh-Spaß. Leider kann dies in der zweiten Stunde dann nicht aufrecht gehalten werden, Insgesamt ist der Film ärgerlicherweise zu lang. Dennoch gute 6 von 10 Punkten.

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Kommentare

Basti
18.02.2013
11.19 Uhr
Ich hab mir neulich erstmal wieder "Der Exorzist" angesehen. Allerdings in der Directors Cut - Fassung und das ist einfach - auch wenn das Thema jetzt nicht so meins ist - einfach ein guter Film.

Was mich aber noch mehr geflasht hat war "Poltergeist". Den hab ich seit bestimmt 15 Jahren nicht mehr gesehen. Der Film ist nach wie vor richtig gut!
Christian_alternakid
18.02.2013
11.30 Uhr
Ist zwar schon eine gute Zeit her als ich Der Exorzist gesehen habe, fand den damals aber eher enttäuschend im Vergleich zum Bohei. Allerdings fürchte ich, dass da das "die Coverversion zuerst kennen"-Problem zum Tragen kommt - meint: der Exorzist ist halt dermaßen in der Popkultur und in der Filmgeschichte verankert, dass man schon so viele Referenzen, Homagen und Parodien gesehen hat, dass einem das Original zu bekannt und zu einfach vorkommt.

Von meiner Erinnerung her, um mal beliebig zwischen Mitt70er-Horrorfilm-Legenden zu vergleichen: "Das Omen" (Teil 1, das Original natürlich) fand ich ärger & besser.

"Poltergeist" hab ich tatsächlich noch nie gesehen, müsste ich mal ran, stimmt eigentlich.
Basti
19.02.2013
09.45 Uhr
Poltergeist lohnt sich wirklich.

Und das Problem, dass du bei "Der Exorzist" beschreibst … Das ist nicht leicht, sich davon freizumachen. Aber wenn man das kann, dann punktet der Filme eben gerade wegen seiner straighten Story. Finde ich.
Christian_alternakid
19.02.2013
09.51 Uhr
Der Regisseur von Stirb Langsam 5 hat übrigens zuvor das Omen-Remake gedreht, was ich kürzlich (unter anderem deshalb) mal angeschaut habe. Ist jetzt nicht fürchterlich geworden, aber halt auch ziemlich pointless.
motorhorst
19.02.2013
09.57 Uhr
Das Omen war damals schon ein rechter Schocker für mich. Eigentlich ähnlich wie Nightmare On Elm Street, aber halt auf einer anderen Ebene, die da angesprochen wird. Ähnliches erhoffe ich mir vom Exorzisten, aber mal sehen, wie das dann wird. Die Remakes werde ich mir aber in beiden Fällen vermutlich sparen.

Ich habe ja immer etwas Vorbehalte gegen "alte" Filme, die manchmal dann auch bestätigt werden. Unternehmen Capricorn/Capricorn One ist mir da im negativen Bereich noch "gut" in Erinnerung, wenn man vor dem Fernseher sitzt und schreit "Ja, ich habe kapiert, dass die da ewig durch die Wüste stapfen, weiter jetzt". Beim Planet der Affen funktioniert das wieder besser, obwohl da auch bis zu ersten Affen-Begegnung unfassbar viel Zeit verplempert wird.

Bei manchen Filme wie zuletzt "Soilent Green" bin ich ganz begeistert, wie visionär der war, sicher auch vor dem Hintergrund der Club-of-Rome-Veröffentlichung Anfang der 70er. Während dann Logan's Run, auf den ich mich mehr gefreut habe, sich als ziemliche Luftnummer entpuppte.

Egal, ich freue mich schon sehr auf die ganzen Kurosawa-Schinken und eine kleine Film Noir-Reihe. Das Hauptproblem ist wirklich immer zu sehen: "Oh, das wurde da zum ersten Mal gemacht!" anstatt "Ach nee, nicht schon wieder das Klischee."
babygirliegirl
16.05.2014
13.06 Uhr
"Lady Vengeance" fand ich auch zu langatmig, nicht sehr straff erzählt und deshalb stellenweise langweilig. Ich fand die letzte halbe Stunde jedoch sehr gelungen. Der Titel ist sehr B-Movie. Die Darsteller sind überzeugend und die Filmmusik ist catchy. Alle Figuren erscheinen ziemlich depressiv und der Bösewicht ist blass...


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