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ROCKER'S AREA

Play ... fuckin' ... loud!

22.11.2006 | 2 Kommentare | wowo101
So wild wie zärtlich: Die Indie-Onkels und -Tante von Yo La Tengo in der Hamburger Markthalle
Yo La Tengo, das erste Mal. Vorgruppe ausgelassen, Bier geholt, Bekanntschaft getroffen, hingestellt, gespannt.

Auf der Bühne stehen Instrumente, die einfach nach Yo La Tengo aussehen. Abgeranzte Keyboards, eine Gitarrenbatterie, ein angestoßener und verschrammelter Bass. Und als sie dann kommen, die drei: wie aus dem Bilderbuch. Der dicke James McNew setzt sich hinters Schlagzeug, das vor ihm aussieht wie Spielzeug; Georgia Hubley, from the looks entweder Mo-Tucker-Impersonator oder Biologielehrerin, greift sich die Gitarre und wirkt leicht deplaziert; Ira Kaplan grinst sich zur anderen Gitarre auf der rechten Seite und sieht ansonsten aus wie der kleine Bruder von Tom Waits und Bob Dylan. Und dann geht's los - zünftige Feedback-Orgie gleich mal, fünfzehn Minuten, drunter machen sie's nicht, sagt Ira später. Dazu er als Rumpelstilzchen.

Das faszinierende dabei: Auch live verkommt da nichts zu Gegniedel oder Lärm - es ist laut, laut, laut, lang, lang, lang, und bisweilen ein wenig lunatic, aber keinen Moment langweilig. Im Gegenteil, die Musik entfaltet ihr hypnotisches Potential noch intensiver als auf Konserve - getragen von Beat und Bass fühlt man sich wohlig eingehüllt in den Sound, und jede Rückkehr zum Riff gibt einen kleinen Kick.

Dann beginnt das Stühlerücken, und bis alle Protagonisten jedes Instrument bedient haben, haben Yo La Tengo alle ihre Facetten hören lassen. Neben der Feedback-Orgie steht der Folk-Song, neben dem Groove von "Mr. Tough" der Elektronik-Beat von "Saturday" - und alle verbindet eine Zärtlichkeit, die knapp unter der Oberfläche der Musik liegt und noch die höchste Lautstärke sanft wirken lässt. Ira und Georgia ganz Ehepaar beim Rhythmus-Einschwingen, der dicke James ein ironisch lächelnder, weicher Fels in der Brandung. Und spätestens wenn man direkt vor Ira steht, der an einer Farfisa Compact DeLuxe eine unverschämt groovende Version von "Autumn Sweater" intoniert, weiß man, dass man dieses verzückte Grinsen für den Rest des Abends nicht mehr aus dem Gesicht bekommen wird.

Nach einem ausnehmend einnehmenden Set wird die erste Runde Zugaben gegeben, inklusive Wunschaufnahme. Nach ausnehmend euphorischem Applaus folgt die zweite Runde, und was hier improvisiert wird, das haben die Musikgötter erdacht. Und nachdem das Publikum an diesem Abend einfach nicht genug bekommt, gibt's als dritte Runde und zum Abschluss ein derart anrührendes Liebeslied, dass man sich am Ende tatsächlich mit der Welt versöhnt fühlt. Musik, wie sie sein sollte, denkt man sich. Ohne Dreckskram drumherum und trotzdem nicht peinlich.

Danach verkaufen Georgia und Ira CDs und T-Shirts, ganz selbstverständlich. "It's great to see some of our old T-Shirts here", hat Ira früher am Abend gesagt. "That makes me feel like we're a real rock band."

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Kommentare

22.11.2006
11.44 Uhr
schöner text, man wünscht, man wäre da gewesen!
22.11.2006
11.56 Uhr
so soll es sein. auch wenn nicht überall die hamburger begeisterung anzutreffen sein wird: hingehen, falls irgend erreichbar!


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