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THE FRAGILE STAGE

motorhorst-Classics: The Horst Motor Self-Destruction Days 2000/2001

04.11.2004 | 1 Kommentar | motorhorst
Ein klassischer Absturzbericht vom 23.12.2000 aus Bayreuth, Oberfranken. Damals gab es noch das U-Boot und man trank noch Erdinger Champ und hielt Kracht und Stuckrad-Barre für das Maß aller Dinge
Ein netter Auftakt
Freitag abend in der Kleingeiststadt. Man versammelt sich in der schicken Lounge Odeon, wo sich gegen 20.30 noch erstaunlich wenig Jura- und BWLer-Volk versammelt hat. Wenn sich dieses gegen 23.00 in der Lokalität einfinden wird, hat man den Ort des Grauens, zu dem dieser dadurch wird, bereits wieder verlassen.

Senor Magic, der extra für die Weihnachtsfeiertage aus seinem Loft auf der Düsseldorfer Kö ins Drecksloch nach Oberfranken umgezogen ist, verschwindet erstaunlich oft auf die Toilette, von wo er dann sichtlich beschwingt zurück kehrt. Er zwingt mich dazu, dass wir uns für den Rest des Abends mit "Christian" bzw. "Benjamin" ansprechen sollten. Diesem Wunsch leiste ich schliesslich Folge, auch wenn wir -vor allem zu späterer Stunde- desöfteren durcheinander kommen, wer denn jetzt eigentlich wer nicht ist.

Die Bedienung, die sich anschickt, Bedienung des Jahres 2000 zu werden, wird leider gegen 21.30 gegen eine recht durchschnittliche Bedienung ausgewechselt. Zu diesem Zeitpunkt ist allerdings die Saat (bei der sorgfältig Spreu und Weizen getrennt wurden) bereits gesetzt und der Samen kann augehen. Ich möchte 12 Beck's bezahlen, aber die Bedienung behauptet, es wären nur 4 gewesen. Christian (oder Benjamin) klopft die Krümel von seiner American Express Platinum Card und zahlt als wenn es nichts wäre.

Unser griechischer Fahrer ist vor dem Lokal eingetroffen und trotz besseren Wissens, aber mit starkem Hang zur Selbstzerstörung, lässt man ihn das U-Boot ansteuern, wo Freitags immer 08/15-Nacht ist. Der Fahrer kann sich über den Track von Fatboy Slim, der eben im Wechsler läuft, gar nicht mehr beruhigen und fährt eine Extrarunde im Kreisel, um ja nichts von dem Stück zu verpassen.
Wir gehen rein, zeigen dem DJ den Finger und gehen an den erfrischend leeren Tresen und dort nicht mehr weg. Nachdem noch niemand da ist, wäre die Chance da, mal den Leuten, die schon so "früh" da sind vernünftige Musik zu präsentieren, aber der Plattenaufleger macht wie üblich alles falsch.

Später wird sich dann alles füllen, erst der Raum, dann die Bar. Bei uns füllt sich der Magen, auch die Blase immer wieder. Viele Leute sind da, die fast alle auch begrüsst werden: Der Kochsänger von Bremshey, dem ich desöfteren "Lust For Life" ins Gesicht brülle, was dieser aber souverän mit einem Lächeln kontert und eben nicht mit einer linken Geraden. Rü Selfgod, der sich als sehr geselliger und trinkfester Partymensch erweist, vielen Dank. Blumenwunder Silke, die wir, wie den ebenfalls anwesenden Kevin H. (mit schwarzhaariger Begleitung), bald bei Selfgod erleben dürfen. Autor Alexander Hoffmann holt sich sichtlich Inspirationen für das nächste Werk, weswegen auch viele Menschen um ihn herumscharwenzeln, lockt doch die Aussicht, auf Seite 102 unten links Unsterblichkeit zu erlangen. Scheissegal trinkt sich für den samstäglichen Gig schon warm und Sänger Frank S. ist auch etwas verwirrt aber souverän, als ich ihm "Scheissegal. Jaaaaaa" ins Gesicht brülle. Er steckt mir noch einen Flyer zu, den ich diskret auf den Boden fallen lasse.
Irgendwann gehen die Lichter wieder an (wann sind sie eigentlich ausgegangen? Ach ja, wohl nach dem achten Beck's) und keiner weiss warum, aber das soll wohl heissen: Danke, das war's. Sorry dass ich keine guten Lieder gespielt habe, aber ich kann einfach nichts. Vor allem Frohes Fest von den Fanta4 war ja sooooo originell. Geschichten erzählen.

Am nächsten Morgen sucht man verzweifelt das Auto. Findet es aber doch. Loretta hat geschlossen, d.h. es gibt keine grosse Teuflische zum Frühstück. Na gut, dann eben zu McDonald's. Ich lache über diese cleveren Marketingstrategen, die aufgrund des BSE-Wahns bei sämtlichen deutschen Medienmitarbeitern, einfach ihr gehacktes Rinderhirn jetzt als McFarmer verkaufen. Da bestelle ich gleich ein McFarmer's Five Mega-mega-white-thing-Menü, aber dem Mikrofonmann entgehen wohl meine drei bis sieben Anspielungen in diser Aussage. Er sagt mir, dass der McBauernrammel noch etwas dauert, ich möge doch bitte warten. Ich fahre ein wenig vor und zur Seite, wo mich wenig später ein Trottel in seinem Familienliefervanwagen weghupt und ich komme mir vor wie Eddie Vedder in Alive, weil ich jetzt auch "motherfuckamotherfucka" sage. Ich höre gerade Korn im Tapedeck, als der Junge, der normalerweise die geschälten Kartoffeln in den Dreck wirft, damit daraus Farmer Potatoes werden, mir die Tüte mit den Leckereien in den Wagen reicht.

Und das war der erste Tag der elftägigen Motor Horst Self-Destruction-Days 2000/2001. Ein Auftakt nach Maß, ja gut, ein früher Tor tut immer gut, jetzt müssen die hinten aufmachen und es gibt bestimmt kein Taktieren mehr. Die Karten werden neu gemischt, die Mischgetränke auch.

erstmals erschienen am 23.12.2000 15:12

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Kommentare

14.05.2005
16.49 Uhr
damals warst du noch deutlich zynischer, motor. und du hast körn gehört! alter rocker.


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