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ROCKER'S AREA

Mitteilungsdrang, Baby!

14.10.2004 | 12 Kommentare | motorhorst
01: Braucht irgendjemand eine Deutsch-Quote im Radio?
Die Kolumne von Christian_alternakid und Horst Motor
Die Autoren: Christian_alternakid
Christian_alternakid pflegt den internationalen Jetset in Berlin, Nürnberg und Wilhermsdorf. Fliegt er nicht gerade Business-Class mit den CSU-Boys Horst Seehofer und Michi Glos, so verbringt er seine Zeit mit der Entwicklung von Choreographien für den Jamba-Hippo und Gregor Gysi.
Seine Diplomarbeit schrieb der junge Selfmademillionär über "Die Entwicklung von Angebotsvielfalt und Wettbewerb im deutschen Fernsehmarkt von 1992 bis 2001". Es gilt für ihn - wie für keinen zweiten - der Spruch: "Er ist wie guter Wein. Mit den Jahren immer besser."


Die Autoren: Horst Motor
Horst Motor (Ende 20) lebt und arbeitet in Trond-, Weil- und Eckersheim. Schon seit frühester Kindheit beschäftigt er sich mit einer pseudowissenschaftlichen Populärtheorie mit besonderem Hinblick auf Musik und Ausdruckstanz bei Studenten.


Deutsche Lieder mit Radiotauglichkeit
von Christian_alternakid

1. Die Sterne: Scheiß auf deutsche Texte
2. Kraftwerk: Das Model
3. Blumfeld: Eine eigene Geschichte
4. Tomte: Pflügen
5. Fehlfarben: Das War Vor Jahren
6. Tocotronic: Michael Ende Du Hast Mein Leben Zerstört
7. S.Y.P.H.: Zurück Zum Beton
8. Jan Delay: Irgendwie Irgendwo Irgendwann
9. Franz Ferdinand: Darts Of Pleasure
10. Die Sterne: Fickt Das System
11. Robocop Kraus: Danny Is Passing
12. Ton Steine Scherben: Die letzte Schlacht gewinnen wir


Okaye deutsche Lieder, gerne auch im Radio gespielt
von Horst Motor

1. Blumfeld - So lebe ich
2. The Notwist - Pick Up The Phone
3. Mouse On Mars - Bib
4. Einstürzende Neubauten - Die Befindlichkeit des Landes
5. Fehlfarben - Paul ist tot
6. Tomte - Der Rick McPhail Song
7. Mouse On Mars - Schlecktron
8. Einstürzende Neubauten - Ende Neu
9. Die Sterne - Das bisschen besser
10. Tocotronic - Free Hospital
11. Kraftwerk - Spiegelsaal
12. Die Radierer - Angriff aufs Schlaraffenland


ca: Das beste Argument gegen eine Deutsch-Quote im Radio sind natürlich deren Fürsprecher, um mal die Polemiksau durchs Dorf zu jagen.

mh: Richtig. Ein besseres Argument gegen eine Quote als diese Liste von Muckern und Liedermachern im bösesten Wortsinn gibt es eigentlich gar nicht. Niemand, der ernsthaftes Interesse an Musik hat, möchte auf derselben Seite stehen wie diese Personen. Was die Herren Eißfeldt und Smudo dazu treibt, sich mit dieser Nationalmannschaft gleich zu machen, kann mir wirklich niemand plausibel erklären, fürchte ich.

ca: Andererseits haben die Fürsprecher einer Radioquote natürlich recht: es gibt zu viel nicht-weiße Songs im Radio, ja es ist regelrecht entartete Musik.

mh: Womit wir gleich bei einem wichtigen Punkt wären: Was soll das denn überhaupt bedeuten, eine Deutsch-Quote? Nur Lieder, die in Deutschland produziert werden? Nur Stücke von deutschstämmigen mit Arier-Nachweis? Nur deutsch gesungene Stücke? Und was ist deutsch gesungen? Zählen Falco-Songs da noch als deutsches Liedgut, wenn englische Einsprengsel vorkommen? Oder wenn Rammstein einen pseudo-englischen Refrain einstreuen "We oll living in Amerika" (sorry, aber ich höre da immer noch kein "are").

ca: Ein wichtiges Argument pro Radioquote ist natürlich zu beachten: seine stärkste Wirkung hatte der Volksempfänger schon immer mit deutschen Texten.

mh: OK, die deutschen Bänkelsänger wollen also deutsches Liedgut in deutschen Ohren. D.h. ja, dass Bands wie The Notwist, die nur englisch singen oder Instrumental-Künstler, wie z.B. Mouse On Mars oder viele Techno- und Minimal-Acts nach wie vor keine Chance haben.

Aber warum muss denn deutsch gesungen werden? Weil das Volk kein Englisch versteht (wo jedermann heute mindestens 5 Jahre Schulenglisch erfährt). Die Frage ist nur, ob die sprachlichen Fähigkeiten nicht noch mehr verkümmern, wenn nicht einmal mehr das Übersetzen von Lieblingssongs vielleicht noch eine Restmotivation der Beschäftigung mit einer fremden Sprache darstellen kann?

ca: Ich für meinen Teil habe der heldenhaften Verehrung britischer Popmusik mehr Englischkenntnisse zu verdanken als meinen Schuljahren.
Jan Delays Argument, dass dann eben auch anderes, kleineres gespielt würde, ist natürlich wunderbar. Nur bin ich geneigt, Eizi Eiz zu fragen, ob in seiner Welt denn noch Platz für mich wäre. Da würde ich nämlich auch gerne leben, in Utopia. Wie sehen eigentlich die Airplay-Charts in Atlantis aus?

mh: Was die Folge von verordnetem Deutsch-Zwang ist, kann man ja jetzt schon ganz gut sehen: Durch die Erfolge von den Sportfreunden und Wir sind Helden, glaubt auch die Industrie, dass deutsch gesungen werden muss. Also auch hier eine Verordnung, wenn auch per Markt und nicht per Gesetz gemacht. Leider ist die Folge aber nicht, dass großartige Songs von den Sternen, Tomte, Kettcar oder Blumfeld breite Aufmerksamkeit bekämen (Gottseidank, aus Fan-Sicht mit elitärem Anspruch gesagt). Stattdessen werden Retorten-Kapellen hervorgeholt und die Julis und Silbermonds belästigen uns mit ihrem Blödsinn.

ca: Genau. Sicherlich mag es der eine oder andere schön finden, endlich mehr nicht-jüdische Lieder im Radio zu hören, doch ist die Qualität von Silbermond (deren Durchbruch, man möge es nie vergessen, immerhin "Mach's Dir Selbst" war) und Virginia Jetzt! ("Erst kommt der Blitz, dann kommt der Donner. Und am Ende ein ganzer Sommer.") sowas von erbärmlich, und zwar eben gerade auch textlich, dass man schon froh wäre, wenn es in irgendeiner nichtverständlichen Sprache, sagen wir Suaheli, gesungen wäre und man so durch simple Negierung seiner eigenen kosmopolitischen Herkunft diesen lyrischen Tiefflug überhören könnte.

mh: Ich möchte noch ein ganz tolles Argument bringen: Wenn mehr deutsches Liedgut im deutschen Radio erschallt, dann bekommt die deutsche Sangeskunst auch weltweit viel mehr Gewicht. Dass sich aber ernstzunehmende Künstler wie u.a. Radiohead weltweit auf Bands wie Can und Kraftwerk berufen, Thurston Moore den kompletten Weilheim-Katalog zu Hause stehen hat oder The Notwist auf Ihren USA-Touren gefeiert werden, ist diesen Führ-Sprechern wohl entgangen. Vermutlich werden die erst dann ruhen, wenn Pur vor Peter Maffay auf Platz 1 der Billboard Charts steht.

ca: Genau. First we take manhattan then we take Berlin. Jetzt muss ich aber los, im Führerbunker treten heute Pur auf.

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Kommentare

14.10.2004
17.20 Uhr
ich hab gestern von ner freundin gehört, dass FM4 gerade die deutsch-quote durchzieht. zum spaß. soll ziemlich komisch klingen, wenn konsequent jedes dritte lied deutsch ist....
14.10.2004
18.12 Uhr
gerade geprüft. zum spaß. Dem ist aber nicht so, FM4 spielt jetzt seit ner halben stunde onlinestream kein einzigstes deutsches lied. Vielleicht lief ja aber auch ne spezialsendung wie:heute mal was ganz verrücktes:ausländisches liedgut.
14.10.2004
19.20 Uhr
die hat mir das gestern abend erzählt. vielleicht war das auch nur eine spaß-aktion für einen tag. länger ginge der witz eh nicht gut...
15.10.2004
16.22 Uhr
wunderbar.

und dazu: http://www.ghvc.de/quote.htm
17.10.2004
13.20 Uhr
interessant ist, dass die initiative vom von mir vor allem wegen seiner fotobildnerischen taten geschätzten jim rakete ausgeht - ob er wohl seine ehemalige topstute im rennstall, frau nina hagen, auf ihrer beiden gemeinsamen alten tage noch etwas pushen möchte, weil das rentenauskommen gefährdet ist? bleibt zu hoffen, dass das ganze sich als sackgasse entpuppt ähnlich der strategie der musikindustrie, der cd als tonträger durch ständige preisüberhöhung den kulturellen status eines feinen, gebundenen buches zu verleihen - in zeiten schnellen kabellosen internetzugangs bieten sich doch alternative möglichkeiten, unabhängigen hörfunk einem vom deutschtümelnden mainstreamgedudel enervierten publikum nahe zu bringen, gerne auch mit größerer deutscher beteiligung, gute mucke aus unserem lande gibt es ja zuhauf (wann sendet giraffenhorst eigentlich mal wieder, fällt mir dabei ein???). sollte es wirklich auf eine freiwillige selbstverpflichtung der sender hinauslaufen, könnte das eine chance für die noch nicht völlig industrievorgabequotenindoktrinierten stationen sein, nicht teilzunehmen und durch (sich sicherlich bestens entwickelndes) nischenradio die abkehr vom weg des kommenden allumfassenden bösen "petry heil" zu finden, neue heerscharen begeisterter radiohörer hinter sich zu formieren und die jugend auf den rechten, äh verzeihung, richtigen weg zu bringen. amen.
17.10.2004
14.48 Uhr
Das Grand-Hotel-Statement fasst eigentlich alles zusammen, was zu dem Thema gesagt werden muss - und hält sich dabei noch von der spontanen "Nazi!"-Keule fern. Nur, weil Herr Lindenberg seine Musik im Radio gespielt haben will, ist er kein Nazi - er ist Kapitalist, der seine schmierigen Spätwerke unters Volk bringen will.
Und was den Schlager-Vorwurf gegen Virginia Jetzt! angeht: Ja, natürlich ist das Schlager. Aber man stelle sich mal vor, jemand sänge plötzlich übersetzte Texte von Oasis oder Robbie Williams. Da würde uns sicher auch ganz schnell ganz anders.
Und wer gutes Radio mit erheblichem Deutsch-Anteil hören will, der gehe auf www.radioct.de und höre den Webstream.
18.10.2004
16.46 Uhr
ich dachte die quote geht gar nicht an deutschsprachige texte sondern muss in deutschland produziert sein.
was machen dann aber die österreicher oder die deutschsprachige schweiz?
18.10.2004
18.21 Uhr
ja ich denke da hast du recht barni. und ansonsten ist natürlich das geld der beweggrund, bei den wenigsten eine nationalistische ansicht. wobei da schon so ein diffuses gefühl von "in UNSEREM land muss es doch möglich sein UNSERE lieder zu hören" garantiert vorhanden ist. jedenfalls sind quotenregelungen immer faschistoid, weil ausgrenzend.
18.10.2004
20.07 Uhr
Ich glaube nicht, dass es um "in Deutschland produziert" geht, bzw. überhaupt gehen darf. Denn das würde ich als juristischer Laie unter den Begriff "Gebietsschutz" einordnen und würde so schnell eine Klage der EU auf den Plan rufen, dass man nicht mal mehr "Was es ist" sagen kann.
Alleine deshalb ist die ganze Idee ein Irrsinn.
18.10.2004
22.34 Uhr
also hier steht
"Musikquote für deutschsprachige oder deutsche Produktionen"
http://www.spiegel.de/kultur/musik/0,1518,320164,00.html

mh und was ist wenn eine deutsche band, die englisch singt in einem ausländischen studio aufnimmt?
18.10.2004
22.42 Uhr
Also mich darfst Du nicht fragen (also, darfst Du natürlich schon, aber da kriegst Du natürlich keine rechtlich hieb- und stichfesten Aussagen), auf meinem Mist ist die Scheiß-Idee ja nicht gewachsen, da ruf mal lieber den Engler Hartmut oder den mit dem Schlapphut an.

Ich denke ja in erster Linie z.B. an The Notwist und Marr und da wird es dann schon kompliziert. Ich hab mich übrigens auf diesen Text aus der taz vom 01.10.2004 bezogen, der mit dem aufschlußreichen Absatz endet:

Übrigens: Eine Radioquote nicht nur für deutschsprachige, sondern lediglich für "in Deutschland produzierte Popmusik" stellt laut Europarecht einen Protektionismus zulasten anderer Länder dar, der wohl nicht durchsetzbar wäre.
24.10.2004
15.08 Uhr
Und immer wieder Aktuell: Family5 - Quotenmucker


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