ROCKER'S AREA
Ein Gespenst geht um in der Bloggerwelt, das Gespenst des "New Rave" (auch "Nu Rave", bzw. "Neu Rave"). Die Internetpropheten verkünden mal wieder einen neuen Hype im alten Gewand. Das Mutterland des Pop steht Kopf, allen vorweg der NME, das Zentralorgan der britischen Gitarrenmusik. Wieder einmal eine neue musikalische Szene die sich anschickt den Rock zu revolutionieren. Was es genau ist weiss eigentlich keiner, man redet allerorten nur von einer Fusion von elektronischer Tanzmusik, Rock, Neonarmbändern und Glanzleggins. Sicher scheint nur, dass als erstes großes Album des neu erfundenen Genres immer wieder das diesjährige Werk "Raise the Alarm" von The Sunshine Underground genannt wird und der NME dieses Jahr schon eine "NME New Rave Tour" präsentierte, im Rahmen derer Acts wie Shitdisco, Datarock, Simian Mobile Disco und die Klaxons auftraten. Eben letztere kündigten jetzt auch eine ihrer ersten Deutschlandshows im Kölner Gebäude 9 an. Also kein Grund zu zögern, wenn der Untergrund ruft und live zu überprüfen was dran ist am neuen Hype um den New Rave.
Das Gebäude 9 ist zu einem guten Drittel gefüllt, was nicht unbedingt verwundert, da die Klaxons selbst in England ausser drei Singles (davon zwei als in kleinen Auflagen limitierte 7 inches) noch keinen Ton veröffentlicht haben; ein Album soll Ende Januar erst erscheinen. Schon im Eingangsbereich sichte ich die ersten Mädels mit Neon-Knicklichtern, auch die Band verkauft als Merchandise, neben weißen T-Shirts mit der neonrosanen Aufschrift "Klaxons are Cunts", voll im Style-Code des Hypes, neonfarbene Armbänder.
Bevor jedoch die Klaxons an der Reihe sind, betreten die New Yorker Men, Women & Children die Bühne. Ich erwarte einiges an Krach und Energie, weil mir irgend jemand an der Bar erzählt hat, dass ehemalige Mitglieder von Glassjaw die Band gegründet haben. Was dann kommt, hat allerdings so gut wie garnichts mit dem Glassjaw'schen Post-Hardcore zu tun sondern ist tanzbarer Disco Rock. Die Menge wird, trotz einer engagierten Performance, nur bedingt mitgerissen. Das beeindruckendste am Auftritt der Band bleiben die Mikrofonständer, die aus Neon-Leuchtstoffröhren bestehen.
Um mich für den anstehenden Auftritt der Klaxons mit einem Bier zu versorgen, begebe ich mich in den Vorraum des Gebäudes. Dort springt auf einmal ein schmaler Indienerd mit Mikrofon auf den Merchandise-Tisch, um mit weit aufgerissenen Augen loszuschreien. Was folgt ist ein 15 minütiges Überraschungsset von "Yacht", sonst Mitglied der amerkianischen Indie-Band "The Blow", das voller Energie und Hysterie über Tische und Bänke geht. Die nur mit Gesang und Laptop vorgetragenen Songs klingen wie eine Art Elektro-Grunge und bringen den gesamten Vorraum zum Tanzen.
Nach dieser begeisternden Überraschung gehe ich wieder rüber in den nun schon fast zur Hälfte gefüllten Hauptsaal des Gebäude 9, wo die Klaxons beginnen. Vier echte Lads schlurfen ohne Gruß auf die Bühne und legen los. Was folgt ist ein Hit nach dem anderen, die schon bekannten Singles, besonders "Magick" weiss live zu begeistern, gehen Hand in Hand mit einigen schon im Internet kursierenden Tracks und ein paar mir unbekannten Songs. In den kurzen Pausen geben sich die Londoner Jungs betont wortkarg, der Sänger und Bassist beschränkt sich gar ganz darauf möglichst fertig und betrunken auszusehen. Nach 10 Songs oder 40 Minuten ist dann auch Schluss, die Band verlässt ganz in britischer Tradition zugaben- und wortlos die Bühne. Das Publikum ist dennoch begeistert, in vielen Gesichtern steht ein Grinsen. Alle wissen, dass sie Zeuge einer großen Sache, einem Auftritt einer der wahrscheinlich angesagtesten britischen Gitarrenbands des Jahres 2007 geworden sind, die man in so kleinem Rahmen wahrscheinlich nie wieder sehen wird.
Was ist nun dran am Hype um den New Rave? Live klingen die Klaxons zumindest "nur" wie eine konsequente Weiterführung des Sounds wie ihn Bands wie The Rapture oder auch Bloc Party in Ansätzen, damals unter Labels wie "Post Punk", "Dance Punk" oder "Art Rock", schon seit einigen Jahren prägen. Bleibt der New Rave am Ende nur ein herbeigeschriebenes Medienphänomen? Um dies zu beurteilen wird man wohl das Jahr 2007 abwarten müssen, schließlich hat fast noch keine der mit dem Genre assozierten Bands ein Album veröffentlicht. Dann wird sich zeigen in wie weit sich eine eigene Szene bildet und der Sound weiterentwickelt werden kann. Bisher bleibt das einzige Abgrenzungskriterium wohl noch der mit dem New Rave verbundene Modestil der durch eine Wiederbelebung von Elementen der Rave-Szene, besonders von neonfarbenen Utensilien, charakterisiert ist.
Klaxons live im Gebäude 9
26.11.2006 | 3 Kommentare | der_koch
Review zum Klaxons Konzert am 23.11. im Gebäude 9.
Das Gebäude 9 ist zu einem guten Drittel gefüllt, was nicht unbedingt verwundert, da die Klaxons selbst in England ausser drei Singles (davon zwei als in kleinen Auflagen limitierte 7 inches) noch keinen Ton veröffentlicht haben; ein Album soll Ende Januar erst erscheinen. Schon im Eingangsbereich sichte ich die ersten Mädels mit Neon-Knicklichtern, auch die Band verkauft als Merchandise, neben weißen T-Shirts mit der neonrosanen Aufschrift "Klaxons are Cunts", voll im Style-Code des Hypes, neonfarbene Armbänder.
Bevor jedoch die Klaxons an der Reihe sind, betreten die New Yorker Men, Women & Children die Bühne. Ich erwarte einiges an Krach und Energie, weil mir irgend jemand an der Bar erzählt hat, dass ehemalige Mitglieder von Glassjaw die Band gegründet haben. Was dann kommt, hat allerdings so gut wie garnichts mit dem Glassjaw'schen Post-Hardcore zu tun sondern ist tanzbarer Disco Rock. Die Menge wird, trotz einer engagierten Performance, nur bedingt mitgerissen. Das beeindruckendste am Auftritt der Band bleiben die Mikrofonständer, die aus Neon-Leuchtstoffröhren bestehen.
Um mich für den anstehenden Auftritt der Klaxons mit einem Bier zu versorgen, begebe ich mich in den Vorraum des Gebäudes. Dort springt auf einmal ein schmaler Indienerd mit Mikrofon auf den Merchandise-Tisch, um mit weit aufgerissenen Augen loszuschreien. Was folgt ist ein 15 minütiges Überraschungsset von "Yacht", sonst Mitglied der amerkianischen Indie-Band "The Blow", das voller Energie und Hysterie über Tische und Bänke geht. Die nur mit Gesang und Laptop vorgetragenen Songs klingen wie eine Art Elektro-Grunge und bringen den gesamten Vorraum zum Tanzen.
Nach dieser begeisternden Überraschung gehe ich wieder rüber in den nun schon fast zur Hälfte gefüllten Hauptsaal des Gebäude 9, wo die Klaxons beginnen. Vier echte Lads schlurfen ohne Gruß auf die Bühne und legen los. Was folgt ist ein Hit nach dem anderen, die schon bekannten Singles, besonders "Magick" weiss live zu begeistern, gehen Hand in Hand mit einigen schon im Internet kursierenden Tracks und ein paar mir unbekannten Songs. In den kurzen Pausen geben sich die Londoner Jungs betont wortkarg, der Sänger und Bassist beschränkt sich gar ganz darauf möglichst fertig und betrunken auszusehen. Nach 10 Songs oder 40 Minuten ist dann auch Schluss, die Band verlässt ganz in britischer Tradition zugaben- und wortlos die Bühne. Das Publikum ist dennoch begeistert, in vielen Gesichtern steht ein Grinsen. Alle wissen, dass sie Zeuge einer großen Sache, einem Auftritt einer der wahrscheinlich angesagtesten britischen Gitarrenbands des Jahres 2007 geworden sind, die man in so kleinem Rahmen wahrscheinlich nie wieder sehen wird.
Was ist nun dran am Hype um den New Rave? Live klingen die Klaxons zumindest "nur" wie eine konsequente Weiterführung des Sounds wie ihn Bands wie The Rapture oder auch Bloc Party in Ansätzen, damals unter Labels wie "Post Punk", "Dance Punk" oder "Art Rock", schon seit einigen Jahren prägen. Bleibt der New Rave am Ende nur ein herbeigeschriebenes Medienphänomen? Um dies zu beurteilen wird man wohl das Jahr 2007 abwarten müssen, schließlich hat fast noch keine der mit dem Genre assozierten Bands ein Album veröffentlicht. Dann wird sich zeigen in wie weit sich eine eigene Szene bildet und der Sound weiterentwickelt werden kann. Bisher bleibt das einzige Abgrenzungskriterium wohl noch der mit dem New Rave verbundene Modestil der durch eine Wiederbelebung von Elementen der Rave-Szene, besonders von neonfarbenen Utensilien, charakterisiert ist.
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Kommentare
27.11.2006
15.58 Uhr
15.58 Uhr
ein riesen-trara wegen noch nicht veröffentlichter alben? nachtigall mclaren ick hör dir trappsen. the great nu rave swindle. was soll man da noch sagen? die meute ist hungrig auf was neues, weil die bands von letztem jahr schon nicht mehr in der lage sind, sich selbst neu zu erfinden. toll. nach spätestens fünf jahren ist jede band so ausgelutscht, dass sie keiner mehr hören will. die konkurrenz scheint hart zu sein. und ich spüre verzweiflung pur in solchen lobeshymnen des nme (und bald auch auf mehreren glanz-dina4-seiten in den deutschen ablegern). böh. ich hör ja schon längst nur noch pink floyd. das hilft.
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