MEDIALES

Interviews galore

07.07.2009 | 0 Kommentare | motorhorst | Keine Bewertung
Das gesamte Archiv der eingestellten Print-Zeitschrift Galore gibt es nun im Internet. Und es wird koninuierlich um neue Interviews bereichert werden.
Zu Beginn des laufenden Jahrzehnts fiel mir ein Heft namens alert in die Hände. Da ich ein großer Fan von Interviews bin war ich begeistert. Ich genoss z.B. auch immer die Interviews in der Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung (bevor ich diese abbestellen musste), obwohl ich die interviewten Personen manchmal gar nicht oder nur vom Namen her kannte. Das besondere an einem guten Interview war für mich immer, dass es eher losgelöst von aktuellem Film/Buch/Fernsehsendung war, also nicht der reinen Promotion diente (wobei die Gelegenheit zu einem Gespräch oft zeitlich natürlich mit einer Werbe-Tour, gerade bei internationalen Partnern, zusammenfällt).

Ich bestellte mir in meinem zwanghaften Sammelwahn natürlich sofort alle alten Ausgaben und schloss auch ein Abonnement ab und erfreute mich an der Zeitschrift, die übrigens von Max Dax stammte, der in den letzten Jahren die Spex ja deutlich umkrempelte, um das mal ganz neutral zu formulieren. Irgendwann im Jahre 2003 oder 04 war dann erst mal Schluss mit alert, die freudige Nachricht, es würde im Herbst 2004 weiter gehen, steht immer noch unerfüllt auf der Webseite. Dort ist zwar nur ein kleiner Ausschnitt aus den Interviews zu finden, aber immerhin kann man interessante Gespräche mit z.B. DJ Hell, David Bowie oder dem Kapitän der gerade erst Europameister gewordenen U21-Nationalmannschaft, Lars Ricken lesen.

In die Lücke, die das alert hinterließ (die aber in den Jahrzehnten zuvor wohl nicht bestand, da es bisher kein ähnliches Projekt gegeben hatte), stieß die Leute vom Visions Magazin. Unter dem schrecklichen, bereits damals über Maßen ausgelutschten Namen Galore, erschien eine erste Ausgabe, die die Dicke eines Telefonbuchs oder Quelle-Katalogs hatte. Auch wenn darin gut die Hälfte eher Zweitverwertungs-Artikel aus der Visions waren (aber oft eben meist länger und ausführlicher), bekam man schon eine geballte Wucht an Interviews zu einem sehr fairen Preis. Und es war auch einfach eine passende Idee: Die Visions, die ich in den 90ern sehr gerne gelesen hatte, war kurz zuvor aus meinem Aufmerksamkeitshorizont verschwunden, was vor allem mit der Themenauswahl zu tun hatte. Die Interviews in der Visions habe ich aber immer sehr gerne gelesen und war der Meinung, dass man das Gesprächs-Handwerk in Dortmund gut beherrschte.

Die folgenden Ausgaben erschienen in immer kürzeren Intervallen (erst vierteljährlich, dann alle zwei Monate und schließlich monatlich), doch mein Interesse ließ leider immer mehr nach. Ich denke, es lag nicht mal an der Auswahl der Gesprächspartner, als viel mehr an den immer kürzer werdenden Interviews. Im Zweifelsfall zog ich ein 15-Seiten-Gespräch immer einem 2-Seiter vor, aber der Trend ging leider eher zu letzterem. Auf so knappem Raum konnte ich mich gerade erst auf eine Person einstellen, wenn der Artikel schon wieder mit einem knackigen Schlusswort beendet war. Deshalb las ich die Galore bald gar nicht mehr.

Die 49. Ausgabe im Juni 2009 war nun die letzte Print-Ausgabe von Galore. Die Gründe lagen im allgemeinen Verkaufsrückgang und den Folgen, von denen viele Zeitschriften und Verlage heute betroffen sind. Jedoch gibt man bei Galore nicht einfach auf, sondern öffnet die Tore des Archivs und stellt ab sofort auf www.galore.de über 800 Interviews in voller Länge zur Verfügung. Darüberhinaus soll weiterhin pro Werktag ein weiteres neues Interview veröffentlicht werden (heute z.B. Skateboard-Legende und Dokumentarfilmer Stacy Peralta).
Eine tolle Sache, wie ich finde, bei der man auch - zumindest noch für einige Zeit - die kleinen Defizite wie fehlende RSS-Feeds (mehr Lob und Kritik beim StyleSpion) noch ignorieren kann.
Interviews gibt es dort z.B. mit DJ Hell, David Bowie oder einem Nachwuchsfußballspieler, vom dem man sicherlich noch viel hören wird: Lars Ricken.

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