ROCKER'S AREA
Samstag abend in einer Nebenstraße von Dachau und wenn es keine Navigationsgeräte gäbe, hätte man sicher eine halbe Stunde nach dem Veranstaltungsort gesucht. Selbst mit Navi (nein, nicht Camerons Schlümpfe, sondern die technische Orientierungshilfe) wird der Zweifel immer größer, ob man hier richtig ist, bis sich dann ein Kirchturm aus der Nacht herausschält und vor dem Eingang zum Gotteshaus (1 Bonus-Punkt auf der Synonym-Skala) eine größere Menschenmenge steht. Dann erst ist klar: Sie haben den Zielort erreicht.
Es gibt verschiedene Gründe, dass man eine Band oder einen Künstler mehrfach live sehen will oder muss. Vielleicht will man nur die Größe seines Fantums durch besonders häufige Besuche dokumentieren. Unter Umständen hat man sogar ein Büchlein, in dem genau aufgeführt ist, wo man die Gruppe bei den letzten 25 Gelegenheiten gesehen hatte und deshalb heute ganz legitim vom 26. Tomte-Auftritt der persönlichen Konzert-Karriere spricht.

Die Hauptpersonen des Abends: Owen
Pallett (links), Thomas Gill (rechts),
Jesus von Nazareth (Mitte)
Bei Final Fantasy bzw. Owen Pallett (unter seinem bürgerlichen Namen veröffentlichte er nicht nur sein neues Album Heartland sondern absolviert nun auch die kurze Tour) hat das für mich einen anderen Grund. Auch wenn ich ihn bereits dreimal live gesehen und mir diverse YouTube-Videos und Bootlegs mehrfach angehört hatte, so ist es immer wieder ein Faszinosum, die Art und Weise seiner Musikdarbietung zu beobachten. Wie jeder Song Spur für Spur live erstellt und übereinander gelegt wird, um schließlich als Großes und Ganzes zu bezaubern, ist jedes Mal erneut eine Augen- und Ohrenweide.
Der Ort, der im Vorfeld viel versprach, erweist sich akustisch leider nicht als die erhoffte Offenbarung. Die Friedenskirche in Dachau ist leider ein eher modernes Bauwerk und bietet keine klanglichen Extra-Reize, die einen gewöhnlichen Konzertsaal überträfen. Jedoch ist der "Saal" bis auf den letzten Platz mit 350 Personen gefüllt - ein Umstand, der uns als Spätankommende das zufällige Privileg zuspielt, einen der wenigen Plätze auf der Empore einzunehmen. Der bequeme Sitzplatz mit direktem Blick von schräg oben auf Owens Fußpedal-Sammlung bietet den perfekten Einblick in das Tun und Schaffen (eine Multitasking-Orgie aus Singen, Geige oder Keyboard spielen und das bei gleichzeitigter Steuerung von Loops und Lautstärke per bestrumpften Fuß) von Mr. Final Fantasy.
Etwa zwei Drittel des Sets bestreitet Owen Pallett zusammen mit seinem neuen Mitmusiker Thomas Gill, der den Prototypen des Nerds gibt, mit Background-Gesang (und -Pfiff bei This Lamb Sells Condos), zurückgenommenem Gitarrenspiel, experimentellem Drumming und einer unglaublichen Mimik und Gestik dem kompletten Konzert unheimlich viel gibt, ohne sich selbst in den Vordergrund zu drängen.
Die Songauswahl ist eine Mischung aus neuem Material (mit meinem Heartland-Favoriten Lewis Takes Off His Shirt als Abschluss des regulären Auftritts) und alten Klassikern (This Lamb Sells Condos, Better Than Worse, Many Lives 49mp), aber ohne ein Greatest Hits-Set zu sein (so vermisst man ein klein wenig Hey Dad / The CN Tower Belongs To The Dead). Stellenweise sind die Tracks wesentlich experimenteller und "noisiger", wenn man das in diesem Zusammenhang sagen kann, gerade zu Beginn des Konzerts glaubt man eine fiese Rückkopplung zu hören, die sich dann aber nahtlos in das - mir unbekannte - eröffnende Stück einfügt.
Als Abschluss gibt es die wohlbekannte, aber dennoch nicht oft live gespielte Coverversion von Mariah Careys Fantasy ohne dass diese vorher per Zuruf gefordert wurde. Solche Wunschäußerungen gab es keine, hatte Owen Pallett doch zuvor gesagt, man solche sich keine Songs wünschen, sondern nur Zielorte nennen. Er bzw. die beiden würden das Publikum dann dortin bringen. Auch sonst bewies er in seinen Ansagen wieder großen Humor und Trivia-Faktor. Als ihn zu Beginn die Scheinwerfer zu sehr blendeten, meinte er, man möge diese doch bitte herunterregeln. Er wäre ja selber großer Star-Trek-Fan, wisse aber genau, dass dort oben vier Lichter wären (eine Hommage an die klassische Picard-Folge Chain Of Command). Erneut kann Owen hier groß punkten, räumte er doch vorher bereits als D&D-Fan in meinem kleinen Nerd-Herzen ab.
Nach Diss an die Location (nicht wirklich Diss, aber minimale Enttäuschung), abschließend aber ein großes Lob an die Veranstalter in Dachau. Offenbar wird auch dort mit viel Herzblut gearbeitet, u.a. gibt es im Sommer das einzige The National-Konzert in Süddeutschland auf dem Rathausplatz in Dachau.
Vernünftige Konzertfotos gibt es - wie so oft - bei der Roten Raupe.
Hohe Hornbrillendichte in der Friedenskirche von Dachau
14.03.2010 | 10 Kommentare | motorhorst | Keine Bewertung
Owen Pallett gibt ein weiteres seiner unvergleichbaren Konzerte, diesmal in einer Kirche in Dachau, unter seinem eigenen Namen (anstatt als Final Fantasy) und auch nicht allein.
Es gibt verschiedene Gründe, dass man eine Band oder einen Künstler mehrfach live sehen will oder muss. Vielleicht will man nur die Größe seines Fantums durch besonders häufige Besuche dokumentieren. Unter Umständen hat man sogar ein Büchlein, in dem genau aufgeführt ist, wo man die Gruppe bei den letzten 25 Gelegenheiten gesehen hatte und deshalb heute ganz legitim vom 26. Tomte-Auftritt der persönlichen Konzert-Karriere spricht.

Die Hauptpersonen des Abends: Owen
Pallett (links), Thomas Gill (rechts),
Jesus von Nazareth (Mitte)
Der Ort, der im Vorfeld viel versprach, erweist sich akustisch leider nicht als die erhoffte Offenbarung. Die Friedenskirche in Dachau ist leider ein eher modernes Bauwerk und bietet keine klanglichen Extra-Reize, die einen gewöhnlichen Konzertsaal überträfen. Jedoch ist der "Saal" bis auf den letzten Platz mit 350 Personen gefüllt - ein Umstand, der uns als Spätankommende das zufällige Privileg zuspielt, einen der wenigen Plätze auf der Empore einzunehmen. Der bequeme Sitzplatz mit direktem Blick von schräg oben auf Owens Fußpedal-Sammlung bietet den perfekten Einblick in das Tun und Schaffen (eine Multitasking-Orgie aus Singen, Geige oder Keyboard spielen und das bei gleichzeitigter Steuerung von Loops und Lautstärke per bestrumpften Fuß) von Mr. Final Fantasy.
Etwa zwei Drittel des Sets bestreitet Owen Pallett zusammen mit seinem neuen Mitmusiker Thomas Gill, der den Prototypen des Nerds gibt, mit Background-Gesang (und -Pfiff bei This Lamb Sells Condos), zurückgenommenem Gitarrenspiel, experimentellem Drumming und einer unglaublichen Mimik und Gestik dem kompletten Konzert unheimlich viel gibt, ohne sich selbst in den Vordergrund zu drängen.
Die Songauswahl ist eine Mischung aus neuem Material (mit meinem Heartland-Favoriten Lewis Takes Off His Shirt als Abschluss des regulären Auftritts) und alten Klassikern (This Lamb Sells Condos, Better Than Worse, Many Lives 49mp), aber ohne ein Greatest Hits-Set zu sein (so vermisst man ein klein wenig Hey Dad / The CN Tower Belongs To The Dead). Stellenweise sind die Tracks wesentlich experimenteller und "noisiger", wenn man das in diesem Zusammenhang sagen kann, gerade zu Beginn des Konzerts glaubt man eine fiese Rückkopplung zu hören, die sich dann aber nahtlos in das - mir unbekannte - eröffnende Stück einfügt.
Als Abschluss gibt es die wohlbekannte, aber dennoch nicht oft live gespielte Coverversion von Mariah Careys Fantasy ohne dass diese vorher per Zuruf gefordert wurde. Solche Wunschäußerungen gab es keine, hatte Owen Pallett doch zuvor gesagt, man solche sich keine Songs wünschen, sondern nur Zielorte nennen. Er bzw. die beiden würden das Publikum dann dortin bringen. Auch sonst bewies er in seinen Ansagen wieder großen Humor und Trivia-Faktor. Als ihn zu Beginn die Scheinwerfer zu sehr blendeten, meinte er, man möge diese doch bitte herunterregeln. Er wäre ja selber großer Star-Trek-Fan, wisse aber genau, dass dort oben vier Lichter wären (eine Hommage an die klassische Picard-Folge Chain Of Command). Erneut kann Owen hier groß punkten, räumte er doch vorher bereits als D&D-Fan in meinem kleinen Nerd-Herzen ab.
Nach Diss an die Location (nicht wirklich Diss, aber minimale Enttäuschung), abschließend aber ein großes Lob an die Veranstalter in Dachau. Offenbar wird auch dort mit viel Herzblut gearbeitet, u.a. gibt es im Sommer das einzige The National-Konzert in Süddeutschland auf dem Rathausplatz in Dachau.
Vernünftige Konzertfotos gibt es - wie so oft - bei der Roten Raupe.
Kommentare
14.03.2010
20.00 Uhr
20.00 Uhr
Sehr geehrter Motor!
Klingt ganz so, als ob man da einen unvergleichlichen Auftritt verpasst hätte. Jo mei! In der Friedenskirche habe ich mal Iron & Wine sehen und hören dürfen: Es war arschkalt, unbequem und die Lautsprecher haben ständig gekratzt ... Letztendlich war und ist es aber schon ein tolle Atmosphäre dort, im Kirchenschiff.
Gott zum Gruße,
B
Klingt ganz so, als ob man da einen unvergleichlichen Auftritt verpasst hätte. Jo mei! In der Friedenskirche habe ich mal Iron & Wine sehen und hören dürfen: Es war arschkalt, unbequem und die Lautsprecher haben ständig gekratzt ... Letztendlich war und ist es aber schon ein tolle Atmosphäre dort, im Kirchenschiff.
Gott zum Gruße,
B
15.03.2010
00.29 Uhr
00.29 Uhr
Barracuda, du verwechselst da was. Iron & Wine spielte(n) in der St. Jakob-Kirche in Dachau. Das ist die Kirche, die direkt in der Innenstadt beim Rathaus steht.
Die Friedenskirche ist ein eher unscheinbares 80ies-Gotteshaus. Kahl, minimalistisch und in der Peripherie angesiedelt.
Glanzpunkt des Owen Pallett-Konzerts war auf alle Fälle der Sidekick ("he´s an asshole, but he´s easy on the eye") Thomas Gill (nicht der Torhüter): http://www.youtube.com/watch?v=F3pDUK9plOE
Die Friedenskirche ist ein eher unscheinbares 80ies-Gotteshaus. Kahl, minimalistisch und in der Peripherie angesiedelt.
Glanzpunkt des Owen Pallett-Konzerts war auf alle Fälle der Sidekick ("he´s an asshole, but he´s easy on the eye") Thomas Gill (nicht der Torhüter): http://www.youtube.com/watch?v=F3pDUK9plOE
15.03.2010
08.53 Uhr
08.53 Uhr
Mann, Mann, Mann! So schaut's. Kann ja keiner ahnen, dass Dachau die wahrscheinlich höchste Kirchendichte Bayerns aufbietet ... hehe. Dann gilt das mit der Kälte und der Unbequemlichkeit und der Hörqual für St. Jakob.
Danke für die Korrektur, lieber Säm.
Danke für die Korrektur, lieber Säm.
16.03.2010
09.48 Uhr
09.48 Uhr
Geplante Rückkopplung is immer spannend fürs Ohr.
Schade das ich nicht dabei war! Wie immer zu spät darauf gestoßen und vom Vorstand keine Mail bekommen.. tztztz
Schade das ich nicht dabei war! Wie immer zu spät darauf gestoßen und vom Vorstand keine Mail bekommen.. tztztz
16.03.2010
12.47 Uhr
12.47 Uhr
Eigentlich trifft es Rückkopplung auch gar nicht richtig. Es ist mehr das Geräusch, wenn mann einen Stecker in die Buchse reinstecken will und nicht so richtig trifft, die Anlage aber schon voll aufgedreht ist und dann kommt so ein brummender Ton. Könnte was mit Masse oder Erde oder einem der anderen 7 Elemente zu tun haben.
Ansonsten werde ich zukünftig vor jeder Veranstaltung alle Bekannten anrufen, zuhause abholen und natürlich auch wieder sicher heimfahren. Und eine kleine Tüte mit Überraschungen bekommt auch noch jeder mit.
Ansonsten werde ich zukünftig vor jeder Veranstaltung alle Bekannten anrufen, zuhause abholen und natürlich auch wieder sicher heimfahren. Und eine kleine Tüte mit Überraschungen bekommt auch noch jeder mit.
16.03.2010
14.37 Uhr
14.37 Uhr
Gerade läuft Heartland auf dem iPod – und lässt schöne Erinnerungen an vergangene Final-Fantasy-Erlebnisse wach werden. Selbstverständlich vor allem an die Cairo-Konzerte mit den naiv-genialen Overheadprojektionen und dem Mariah-Carey-Cover. Hat er eigentlich bei einem der beiden Auftritte auch This Modern Love gespielt, Björn? Dafür noch Mal ein großes Dankeschön an dich und die anderen vom Tanzklub Würzburg.
17.03.2010
00.21 Uhr
00.21 Uhr
In Dachau hat er wieder das Mariah Carey-Cover gespielt.
Björn und ich waren neulich -2008- mal schnell beim Final Fantasy-Konzert in Reykjavik und da hat er dann "This Modern Love" zum Besten gegeben.
Björn und ich waren neulich -2008- mal schnell beim Final Fantasy-Konzert in Reykjavik und da hat er dann "This Modern Love" zum Besten gegeben.
17.03.2010
06.52 Uhr
06.52 Uhr
Ich hoffe, ich kriege noch alle Coverversionen zusammen:
10/2006: Cairo, Würzburg: This Modern Love
07/2007: U&D, Würzburg: Fantasy
07/2007: melt!: keine Ahnung, würde mich aber wundern, wenn er die Gelegenheit ohne einem der beiden Songs vorbeistreichen hätte lassen.
06/2009: Cairo, Würzburg: keiner der beiden (er hatte noch auf Zurufe gesagt, er würde gerne eigene Stücke als Zugabe spielen)
03/2010: Dachau, Friedenskirche: Fantasy
PS: Ich habe weiter oben gelogen. Es war bereits mein fünftes Final-Fantasy-Konzert.
10/2006: Cairo, Würzburg: This Modern Love
07/2007: U&D, Würzburg: Fantasy
07/2007: melt!: keine Ahnung, würde mich aber wundern, wenn er die Gelegenheit ohne einem der beiden Songs vorbeistreichen hätte lassen.
06/2009: Cairo, Würzburg: keiner der beiden (er hatte noch auf Zurufe gesagt, er würde gerne eigene Stücke als Zugabe spielen)
03/2010: Dachau, Friedenskirche: Fantasy
PS: Ich habe weiter oben gelogen. Es war bereits mein fünftes Final-Fantasy-Konzert.
17.03.2010
10.05 Uhr
10.05 Uhr
Ich glaube, beim kurzen Melt!-Auftritt hat er nix gecovert ... Im Übrigen komme ich auf drei FF-Konzerte:
10/2006 Cairo
07/2007 Melt!
06/2009 Cairo
10/2006 Cairo
07/2007 Melt!
06/2009 Cairo
22.03.2010
06.50 Uhr
06.50 Uhr
Dem Jugendlichen gille ist es entweder als einzigem aufgefallen oder aber er hat sich als einziger getraut, mich darauf anzusprechen: Nein, es war kein Witz, sondern ein klassischer Denkfehler, die Avatare Herrn Emmerich zuzuschreiben.
Entsprechend habe ich im Text die Passage
Navi (nein, nicht Emmerichs Schlümpfe, sondern die technische Orientierungshilfe)
nun durch
Navi (nein, nicht Camerons Schlümpfe, sondern die technische Orientierungshilfe)
ersetzt.
Entsprechend habe ich im Text die Passage
Navi (nein, nicht Emmerichs Schlümpfe, sondern die technische Orientierungshilfe)
nun durch
Navi (nein, nicht Camerons Schlümpfe, sondern die technische Orientierungshilfe)
ersetzt.
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