MASTER AND SERVANT

Einer muss es immer sein.

22.03.2005 | 17 Kommentare | Dr. Lukas | Keine Bewertung
Einer muss. Ganz allein.
Wenn ein durchgeknallter Ami, der von seinen Eltern zuwenig Liebe bekommen hat und der von seinen Mitschülern verspottet wurde, weil er "anders" war; der sich mal eben so bei seinem Oppa eine Handvoll tödlicher Mordinstumente besorgen kann, ein Blutbad anrichtet. Wer ist dann Schuld?
Richtig: Counterstrike und Marilyn Manson.

Ist es zynisch, wenn ich mir wünsche, dass mal ein Waldorfschüler, der sonst nur Planetenbahnen tanzt und Carl Orff hört, volles Rohr austickt und seine Lehrer und Mitschüler mit Märchenwatte bewirft?

Kommentare

22.03.2005
17.18 Uhr
da wird eben ursache und wirkung verwechselt. ist wohl kaum so dass einer ausrastet weil er marilyn manson hört.
aber das schema "außerseiter=manson-hörer" ist schon so gefestigt, dass es wohl irgendwie dazugehört, dass man manson hört, bevor man seinen großen auftritt in der schule hat.
22.03.2005
17.27 Uhr
mich regt ja auch immer gleich auf, dass auch der spiegel da nicht weiter nachdenkt, sondern erstmal abschreibt. aber die neusten nachrichten könnten manson retten: der junge war ja bekennender nazi. wie schauts aus, haben Rammstein die nächsten wochen schon was vor?
ach bin zu müde, um mich ernsthaft aufzuregen. idiotenfest.

immer noch die beste reaktion auf das columbine massaker hatte der - der Mansonhuldigung nun wahrlich unverdächtige - NME, der in der darauffolgenden woche nur Marilyn Manson großformatig auf dem cover hatte und darunter nur in großen lettern: "NOT GUILTY"
22.03.2005
18.22 Uhr
hach ja. ganz schlimme sachen in einer welt von der wir wahscheinlich alle keine ahnung haben. um so wichtiger, dass man sich sofort auf der stelle eine meinung dazu b i l d et, so ein verständnisvakuum hält doch kein mensch aus. und mit dem finger gen horizont zeigen ist halt auch so viel leichter, als sich eigenen großen und kleinen sünden zu stellen
22.03.2005
18.29 Uhr
Wenn es nur die Blind-"Zeitung" gewesen wäre: Alles halb so schlimm. Aber die fragen heute noch, ob man Jesus an Ostern im Fernsehen zeigen dürfte oder sowas.
Es waren die in letzter Zeit eh schon schwer bedenklichen Idioten von SpOn, die ausnahmsweise mal keinen selbgedachten, sondern andererleuts geistigen Müll "abdruckten". Dass man dort zuerst auf "Send" drückt und dann denkt, ist ja nichts neues. Die Dimension heute reicht aber endlich aus, um diese Möchtegern-Springers zu killfilen.
22.03.2005
18.49 Uhr
wem überhaupt glauben, an welcher autorität sich ausrichten, wenn man nicht selbst nachgeforscht hat? nur noch am eigenen vagen eindruck? kein mensch kann alles wissen, was da ne rolle gespielt hat. vielleicht sieht man an solchen beispielen, dass DIE erklärung ganz einfach nicht existiert.. die einen machen sichs leichter, die anderen brauchen etwas länger aber letztendlich stehen am ende immer nur vermutungen. blöd wirds halt, wenn die als erschöpfende tatsachen verkauft werden.
22.03.2005
18.54 Uhr
muss mich verbessern:
es gibt bestimmt ne erklärung, immerhin ist es ja passiert. bin mir aber so gar nicht sicher ob wir die finden können
22.03.2005
23.04 Uhr
Natürlich hab ich keine Erklärung für den Amoklauf. Die hat aber auch keiner der "Experten", die jetzt wieder vor Kameras, Mikrofone und Laptops gezerrt werden. Weil es vermutlich in letzter Konsequenz keine gibt. Was natürlich tierisch unbefriedigend ist für den Aasgei^WJournalisten an sich.
Ich weiß schon, warum ich ab dem 12. September 2001 eine monatelange Fernsehpause eingelegt habe...
Aber wer weiß: Vielleicht verrät uns schon eine der nächsten Ausgaben des NEON-Magazins ganz grundsätzlich "Warum junge Menschen amoklaufen".
22.03.2005
23.17 Uhr
man muss es nichtmal auf die journalisten schieben, im zweifelsfall tun die ihren job. aber man sehnt sich eben oft nach erklärungen für alles was man nicht fassen kann und die bekommt man da. zum vorzugspreis von einer handvoll euros.
22.03.2005
23.18 Uhr
und das beste: man ist alle gedanken los.
22.03.2005
23.44 Uhr
Natürlich tun die ihren Job. Der Paparazzo, der irgendwelche Halbprominenten bis aufs Klo verfolgt, macht das im Endeffekt auch nur, um seine Familie zu ernähren. Aber ich werde schon wieder polemisch.
Klar, alle wollen immer ganz schnell einen Schuldigen (s.a. Überschrift). Aber es zwingt den SpOn-Schreiber ja niemanden, Spekulationen aufzugreifen, anstatt einfach zu schreiben, dass man nix weiß. Geld gibt's so oder so.

Außerdem zersetzt gerade die aktuelle Ausgabe von "Menschen bei Maischberger" ganz akut mein Gehirn. Wenn ich es überlebe, schreib ich morgen dazu auch noch einen Text.
22.03.2005
23.59 Uhr
das seh ich auch so: eigenverantwortliches handeln ist wahrscheinlich der knackpunkt.

schreib doch was dazu - allerdings werd ich das nicht kommentieren können, da ichs selber nicht anschau und mich nur auf deine hier verbreitete sicht stützen müsste [um noch ansatzweise beim thema zu bleiben...]
23.03.2005
00.09 Uhr
Wobei es bei SpOn ja mindestens genauso schlimm wird, wenn die Mitarbeiter plötzlich anfangen, Selbstgedachtes online zu stellen.
23.03.2005
10.57 Uhr
Die Schuld auf "böse" Sachen zu schieben wie: Counterstrike und Marilyn Manson ist der einfache Weg. Und warum? Weil der Mensch verdammt nochmal ein einfache Erklärung braucht für den Wahnsinn dass ein Kind Mitmenschen ermordet. Hier bricht man die Thematik runter auf eine BILD-Schlagzeile: "Schüler, alleine, verlassen, ego-shooter-süchtig und marilyn-manson-fan richtet Blutbad an". Meinung gebildet, fertig!
Aber liebe Leute so einfach ist es nicht, auch wenn es die Journalisten, die Politiker und das Volk gernen so hätten. Die Situation ist nämlich viel komplexer!! 1. Frage: Warum kann ein Kind an so Waffen kommen? Liegts an den Waffengesetzen?? Die Frage stellt sich wohl in den USA aber in Erfurt ist schlimmeres passiert und ich kann mich nicht erinnern das ein Ruf nach einem strengeren Waffengesetz laut wurde. Wenn also ein Kind will kommt es auch an die Tötungsmaschinen.
2. Frage: Müssen nicht viel tiegründigere psychische Verwirrungen dahinterstecken als Marilyn Manson und Counterstrike anrichten können. Deshalb ist die zynische Frage durchaus berechtigt:"dass mal ein Waldorfschüler, der sonst nur Planetenbahnen tanzt und Carl Orff hört, volles Rohr austickt und seine Lehrer und Mitschüler mit Märchenwatte bewirft". Vielleicht findet man auf dem I-Pod des Walddorfschülers einen einzigen Marilyn Manson Song und schon hat man den Beweis. Der Stereotyp des Amokläufers hat sich schon so verfestigt dass es richtig weh tut. Aber die differenzierte Betrachtungsweise liegt kaum jemanden in der Medienlandschaft, und die Öffentliche Meinung spielt gerne mit.
23.03.2005
11.19 Uhr
das ist ja das schlimme, dass immer wieder die gleichen reflexe ziehen. was mich dabei aber noch viel mehr ärgert, als dass kunstformen zu sündenböcken gemacht werden und der böse geist der zensur mal wieder präventiv vorbeischwebt, ist diese dummheit, die sich nach einfachen antworten sehnt.
dass man wieder und wieder nicht begreifen will, dass die probleme so viel tiefer liegen und nicht an schwarzen mäntel, musikvideos, cds, computerspielen und filmen festzumachen sind, sondern an der grausamkeit einer gesellschaft, die ihre kinder an die waffen treibt.
und das ist natürlich nicht einfach - oder vielleicht auch gar nicht - zu ändern, aber es nicht einmal versuchen zu wollen und stattdessen sich eine einfache antwort zu zimmern, nur damit ich nicht der traurigen, viel schwereren wahrheit ins gesicht sehen muss, das macht mich wütend. und dass es immer wieder geschieht und scheinbar keiner daraus lernt, das lässt einen verzweifeln.
23.03.2005
11.21 Uhr
Vielleicht haben wir unterschiedliche Artikel gelesen, aber ich fand ihn weniger reduziert als hier dargestellt (auch wenn er nur interessant ist, weil spekulativ): http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,347759,00.html Allerdings ist der vorletzte Absatz wirklich mit so einer Selbstverständlichkeit hingestellt, daß ich mich schon frage: äh... hab' ich was verpasst? Die Studien müssen mir noch präsentiert werden, in denen festgestellt wird wie Kinder auf Videospiele reagieren. Der Witz ist: Bevor dies faktisch feststand (auch ohne wissenschaftliche Untermauerung) hat nie jemand in einem Artikel behauptet: Videospiele machen krank! Als ich aber vor gut einem viertel Jahr mit der Frontal21 Reportage konfrontiert wurde, hatte ich 'nen Aussetzer und wollte Amok laufen. Ohne fundierte Argumente, die übelsten Zocker vor die Kamera gestellt und ein wenig reisserische Szenen eingebaut... "Sie sehen also wie es wirkt" - Pillendreher des dritten Jahrtausends.
Hinzufügen möchte ich nur, daß in etwa jeder Zehnte Jugendliche/Kind in Südkorea, spielsüchtig ist und die Psychiater und Psychotherapeuten einen wahren Boom erleben... Die stellen aber weniger eine erhöhte Bereitschaft zum Amoklauf fest, als vielmehr die Konsequenzen, die sich daraus ergeben (Verlieren der sozialen Kompetenz, etc.), die mit einem kurzen Kniff im Hirn schnell als Gründe für erhöhte Gewaltbereitschaft gesehen werden: "Klar, der Bub iss allein... der will töten!"
23.03.2005
12.08 Uhr
ist auch echt ein rätsel wie die amis es schaffen alles auf videospiele und androgyne sänger zu schieben, wo die realen autoritäten ganz offen und von ganz oben menschliche grausamkeiten glorifizieren.
so zieht komischerweise keiner die kriegsberichterstattung der US-medien in betracht, wo soldaten mit leuchtenden augen so pädagogisch wertvolle sätze bringen wie:
"ist schon ein riesenkick, zu töten"

und auch wenn man´s fast leid sein muss den guten dabbeljuh schon wieder ins spiel zu bringen, aber aussagen wie "we need to find and kill all the enemies" hab ich in weihnachtsansprachen unseres bundespräsidenten bisher noch vermissen müssen.
23.03.2005
13.24 Uhr
also ich beziehe mich auf diesen absatz von SPON:
"Er war ziemlich intelligent, aber in der Schule sehr faul. Nur für Videospiele konnte er sich begeistern. Er sich ständig Notizen gemacht, die irgendwie dunkel und böse waren", zitiert die Zeitung einen Mitarbeiter der High School. Auch habe Wiese die Musik des Schockrockers Marilyn Manson gemocht."

zudem hatte mich ein spiegel artikel über den erfurter amokläufer das letzte mal in meinem leben dazu hingerissen, einen leserbrief zu schreiben.

hier ein paar stellen über die wirkung von gewalit in den medien

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