STIFTUNG MOTORTEST

Ein Film als Konjunktiv

Reprise. Reißt mit!
Norwegen. Wann sieht man schon einmal einen Film aus Norwegen? Und warum nur so selten? „Reprise“ (deutsch: „Auf Anfang“) jedenfalls ist der beste Botschafter des norwegischen Films vorstellbar.

Die geile Jugend, das langsame Älterwerden, die innere Emigration, Liebe und Suizid, Erfolg und Verzweiflung.
Steht das Zelluloid noch auf Anfang und beginnt „Reprise“ dann zu laufen, startet ein Sturm, der bis weit in den Film hinein nicht nachlässt. Der Start ist wie Trainspotting auf Speed statt auf Smack, schnelle Schnitte, eine Stimme aus dem Off, die sich fast überschlägt, wenn sie im Konjunktiv die Lebensgeschichte der beiden Protagonisten erzählt, nur um nach fünf Minuten alles „Auf Anfang“ zu setzen und wieder von neuem zu erzählen beginnt.
Zwei Freunde, angehende Schriftsteller. Der eine wird ein gefeierter Jungautor, der an seinem Erfolg zu Grunde geht. Der andere wird abgelehnt, doch angenommen, von der Kritik verschmäht, vom Publikum begehrt. Zwei mögliche Wege im Kulturbetrieb, wieder Konjunktiv allerorten.
Dazwischen entwickelt sich eine Story-Linie kontinuierlich fort, doch der über allem schwebende Konjunktiv lässt dich nie sicher sein, ob du jetzt wirklich die Realität siehst oder nicht letzten Endes nur eine Möglichkeit davon. Dass es „Auf Anfang“ dabei schafft, nie zu verwirren oder durch den Einsatz des Konjunktivs die Empathie mit seinen Protagonisten zu minimieren, sondern den Zuschauer mitreißt auf der Achterbahnfahrt, die wir Leben nennen, ist seine größte Leistung. Selbst in den zweiflerischen, existentialistischen Momenten, in denen „Auf Anfang“ dem Tod näher als dem Leben ist, dem Verschwinden der Emotion den Vorzug vor dem Gefühl gibt und der Speed sich bis zum Stillstand verringert, versprüht der Film eine unbändige Lebenwucht, Lebenswut, derer man sich nicht entziehen kann.
Dass der Soundtrack von wunderbarstem norwegischen Punk, Joy Division, Joy Division und Joy Division geprägt ist und jedem DJ eine Lehrstunde erteilt, warum kein Abend ohne Le Tigres „Deceptacon“ ein guter sein kann, schadet natürlich in keiner Sekunde.

Ein Film über Jugend, Ambitionen, Älterwerden, Verzweiflung, Liebe Anerkennung und wie die geilen Punks die Bourgeoisie aufmischen bis sie selbst dort landen.

Kommentare

22.08.2007
00.04 Uhr
vor allem geile punks die interpunktionsregeln missachten. punky!

Bewertungen

     
     

2 Bewertung mit durchschnittlich 5,00 Hörstchen

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