Don't look back into the motherfucking sun
29.10.2005 | 4 Kommentare | Christian_alternakid | Keine Bewertung
Das Babyshambles Album im track-by-track-guide: all you ever need to know. Nerdalarm.
Pipe down, erst mal. Was hat er denn mitgebracht, der gute Pete? Hat er delievert?
Das Babyshambles-Album im track-by-track-guide.
La Belle Et La Bete
Entstanden aus der Conversation Diva – Songskizze und mit Kate Moss’ Vocals, die sich eher im gehauchten denn im gesungenen Bereich bewegen. Der erste Satz des Albums „I’ll tell you a story but you won’t listen” ist selbstredend ein schöner Einstieg wie der gesamte Song zu überzeugen weiß.
Fuck Forever
Langsam komme ich darüber hinweg, dass die Singleversion nicht so gut war, wie sie hätte sein können (ein gewisses Leitthema von Down In Albion) und doch nicht umhin, die ungewöhnlich hymnische Energie von Fuck Forever derart lifeaffirming zu finden, dass ich springen, hüpfen, schreien möchte. Jetzt. Hier. Sofort.
A Rebours
Der nächste Höhepunkt des Albums: wunderbar geradlinig rumpelt A Rebours (benannt nach Joris-Karl Huysmans Dekadenz-Roman „Gegen den Strich“ und aus Curtain Call sowie If You Fall (ab 1: 58) entstanden) seine 3 Minuten 23 entlang während Peter eine der besten Textzeilen auf Down In Albion singt „I defy you all / You know twice as much as nothing at all / It's still nothing at all“
The 32 of December
Soundtechnisch eine Überraschung und einer der Songs, der die größte Veränderung zu den bekannten Skizzen erfahren hat. Beschwingt mit Orgel versehen ist The 32 Of December musikalisch ein hinterhältiger kleiner Wicht, der nach anfänglichem „belanglos“-Urteil sich bei kurzen Wegschauen als Ohrwurm verkleidet und nicht mehr gehen mag.
Pipe Down
Der einzige Song mit Single-Potential: Hymnischer als Fuck Forever und wie gemacht für Liveshows, Tanzengehen, Sun-Beschimpfungen. Yeah. Großartig. Textlich die eigene Drogen und Boulevard-Vergangenheit (und, eh, Gegenwart) behandelnd und in dieser Hinsicht eher nicht ganz oben was sowieso bei Doherty zusammenzuhängen scheint: werden die Songs keine kleinen Popdiamanten, sondern mehr hymnische Rocknroller, leidet die textliche Qualität (siehe auch: Fuck Forever).
Sticks & Stones
Einer der unzweifelhaft größten der bisher unreleased Songs und in seiner akustischen Version von so berührend intimen Qualität, dass eine fullband-Version gegen einen fast übermächtigen Vergleich anspielen muss. Ska/Reggae-Rhythmus und mit Peter die Melodielinie pfeifend, geht das jedoch dankenswerter Weise erstaunlich klar. Sticks & Stones Lyrics’ sind dabei mit die besten des Albums, sowohl selbstreferentiell auf die Libertines-Zeit beziehend wie auch die eigene Situation behandelnd ( “Skip... fame on the run / Don't look back into the motherfucking sun, no / Oh well you know that that's the end / And that's the end so far away down / Sticks and stones / May break my bones / but your words / They really kill me”).
Killamangiro
Killamangiro war die erste Babyshambles-Single, damals mit dem jetzigen Überproducer Englands, Brian Epsworth, hier aber für Down In Albion von Mick Jones neu aufgenommen. Im Prinzip kann man Killamangiro als Herzstück sehen: der Vergleich zwischen der geradlinigen, wunderbar poppigen Single und dem hier durch die Gegend rumpelnden, betrunkenen Punksong zeigt auf, wie das Album geklungen hätte, wäre der Versuch unternommen worden, Down In Albion auf Erfolg zu bürsten statt es in seiner schroffen Art zu belassen, die all die Cracks (no pun intended) im Gefüge der Person Doherty wiedergibt. Authentizität, die – fürchte ich – nicht gedankt werden wird. Das Album wird so erheblich schwieriger, unzugänglicher und verweigert sich einem guten ersten Höreindruck mutwillig.
8 Dead Boys
Wird ähnlich wie Killamangiro von einer starken Gitarrenlinie getragen, doch hat Peter bei 8 Dead Boys den Refrain zu Hause liegen lassen. Erfreulicherweise wurde die ursprüngliche Libertines-Referenz-Zeile („Stop your moaning and I'll give you a taster / Give you a line, oh what a waster” ) in “Stop your moaning and I'll give you a taster / Give you a line and they call you a waster” abgeändert. Im Prinzip ein eher durchschnittlicher punky Song.
In Love With A Feeling
Bereits auf den Babyshambles Sessions der Libertines erstmals aufgenommen, überzeugt die Bandversion nicht wirklich. Im Gegensatz zur weitverbreiteten Meinung bei Dohertyans around the world halte ich In Love With A Feeling auch prinzipiell für einen von Dohertys schwächeren Songs.
Pentonville
Unfassbar. Ein Reggae-Song mit Pete Dohertys Zellenkumpan aus Pentonville, General Santana (oder für seine Freunde: The General), der so schlecht ist, dass man mit dem Kopf gegen die Wand schlagen möchte. Der schlechteste Song an dem Doherty jemals beteiligt war oder: a fuckin disgrace. Aber niemals könnte ich es schöner schreiben als das Mädchen aus England: "Pentonville WANK: I'd love to put them in the ruddy cells at Pentonville for putting this on the album! Criminal I tell you. *shakes fist*. They're having an effing laugh. Must be a piss-take. Hilarious. I have to laugh, or think it's a joke, because it really is *that* bad. I didn't even get to the end of the track before skipping to the next, I was cringing so much. My face must have been as red as a fire-engine. Utter wank. Wankier than wank. I cannot express how garbage this is."
Das einzige redeeming feature auf Pentonville Rough ist, dass Peter darauf verzichtet wie in einer früheren Version zu rappen. Don’t ask!
What Katie Did Next
Nach dem Tief zur Mitte des Albums geht es langsam mit der Qualität wieder aufwärts, wenn auch What Katie Did Next ebenfalls nicht so ganz überzeugen kann und auch darunter leidet, auf den besten Song des letzten Libertines-Albums anzuspielen. Der Text zitiert dabei teilweise die Stone Roses:
Good Times by The Stone Roses:
"Hell hath no fury like a woman scorned
I'll tell you my story, man I wish I'd never been born"
What Katie Did Next by Babyshambles:
"Hell hath no fury like a woman scorned
I'll tell you my story, it'd make you wish you'd never,
wish you wish you'd never never, wish you'd never been born"
Albion
Die nächste Single und der einzige Song auf dem Album, dem man anmerkt, dass er „produziert“ klingen will. Albion erreicht vielleicht nicht die Güte, die der Song eigentlich verdient hätte (auch ein wiederkehrendes Thema beim Babyshambles-Debut), doch als ersten Doherty-Ausflug in den balladesken Bereich erstaunlich gut. Textlich sowieso und unbestritten ganz und gar wundervoll.
Back From The Dead
Auch einer der ganz alten Libertines-Songs aus den Babyshambles-Sessions und ebenfalls nicht so gut, wie man vielleicht erwartet hätte. Eine brillante Live-Version solo und akustik klang erheblich inspirierter, wenn auch die backing „oohooohs“ einiges an Charme hinzufügen, doch insgesamt bleibt Back From The Dead leider belanglos.
Loyalty Song
Früher What Did I Dream betitelt und einer der drei unbestrittenen Höhepunkte auf Down In Albion. Ähnlich wie 32 Of December erstaunlich leicht und sonnig, verbirgt sich im Intro der Refrain „We're on the one road / Maybe the wrong road / It's the road to fuck knows where“ rückwärts gesungen. Die wundervolle Mundharmonika fordert geradezu häufigeren Einsatz: erinnern wir uns, die beste Stelle in Can’t Stand Me Now war auch ihr vorbehalten.
Up The Morning
Der interessanteste Track auf dem ganzen Babyshambles-Album. Nach einem einminütigen Studio-Gerumpel erklingt langsam eine auf der Akustikgitarre gespielte Melodie die von einem mehrstimmigen, immer weiter anschwellenden Chor „up the morning, up up the morning“ überstimmt wird bis die Band einsetzt. Der letzte Song, den Doherty für das Album geschrieben hat, ist auch der beste, was erfreulicherweise Hoffnung gibt. Mick Jones, der auch im backgroundchor mitsingt, hat gerade durch die offene, ungeschönte Produktion mit Up The Morning das einzig richtige getan: 6 Minuten bezauberndes Chaos. Shambolic. Im besten Sinne. Well what was I supposed to do? Where's a boy supposed to, supposed to go?
Merry Go Round
Ursprünglich „That Bowery Song“ und ebenfalls schon zu Libertines-Zeiten entstanden. Merry Go Round beendet das Album auf einer traurigen Note und entfaltet, wie viele der Down In Albion Songs, sein Potential erst nach mehreren Durchgängen.
Bottom-Line: ein richtig gutes, doch überlanges Album, das gerade zur Mitte hin qualitativ stark nachlässt, aber im ersten wie im Schlussdrittel dem zweiten Libertines-Album kaum nachsteht, sich aber beinahe verzweifelt gegen ein einfaches Gefallen wehrt. Schwierig und chaotisch zum Teil ist der ehrliche Weg bestritten und dem einfach Erfolg entsagt worden.
Down In Albion ist bei weitem nicht so gut wie es hätte sein können, doch um Meilen besser als es jedes Recht dazu hätte.
Kommentare
17.11.2005
01.26 Uhr
01.26 Uhr
Ich dachte zuerst, das ist ein Irrtum. Irgend son Depp wieder Unfug ins Netz gestellt...
27.06.2006
20.46 Uhr
20.46 Uhr
also mal wirklich das ist doch unnötige kritik!!!
vieleicht bin ich auch zu jung oder zu pete-vernarrt , aber back from the dead ist KEINESWEGS belanglos!!!!!
vieleicht bin ich auch zu jung oder zu pete-vernarrt , aber back from the dead ist KEINESWEGS belanglos!!!!!
11.07.2006
14.38 Uhr
14.38 Uhr
der song keineswegs, aber diese version leider eben schon. empfehle: Live At The Rhythm Factory, Doherty Solo Gig. wundervoll.
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