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THE FRAGILE STAGE

Die schönsten Bahnstrecken Europas

17.02.2007 | 12 Kommentare | Dr. Lukas
I wanna be part of your bad ideas: Wie ich dreimal am Ziel ankam.
14:19 h: Ich verlasse Bochum bei strahlendem Sonnenschein mit einem Regionalexpress. Ich bin bester Dinge und lese in der neuen Vanity Fair.
14:43 h: Ich komme in Duisburg an, akufe mir am Bahnsteig eine Flasche Mezzomix und warte auf den nächsten Zug.
14:58 h: Die Regionalbahn nach Wesel fährt ein. Nach dem Einsteigen deponiere ich meine Reisetasche in einer der Ablagen, setze mich und löse Sudokus..
15:19 h: Der Zug fährt in Dinslaken ein. Ich steige aus, die Sonne scheint, mein MP3-Player spielt “Everyone Is Here” von den Finn Brothers und ich gehe bestens gelaunt zu Fuß zu meinem Elternhaus.
15:45 h: Ich erreiche mein Elternhaus, begrüße meine Geschwister, gehe wieder in mein Zimmer und frage mich, wo eigentlich meine Reisetasche ist.
15:46 h: Ich rufe bei der Deutschen Bahn AG an, lasse mich mit der zentralen Verluststelle verbinden, schildere mein Anliegen und die Tasche und bekomme eine Vorgangsnummer. Bilder von gesperrten Bahnstrecken und meiner armen, gesprengten Reisetasche zucken mir durch den Kopf.
16:39 h: Ich bin wieder am Dinslakener Bahnhof, die Züge fahren noch. Also steige ich in die Regionalbahn nach Mönchengladbach ein, die nach Fahrplan die gleiche (also der selbe Zug) sein könnte, in dem ich achtzig Minuten zuvor meine Tasche vergessen hatte. Ich gehe den ganzen Zug ab, finde aber keine Tasche. Weil die Suche so ihre Zeit braucht, ist der Zug schon wieder losgefahren und ich kann erst in Oberhausen-Holten aussteigen.
16:48 h: Ich nehme die nächste Regionalbahn (diesmal ein offenkundig anderer Wagentyp) nach Dinslaken zurück.
17:01 h: Ich frage am Schalter der Deutschen Bahn in Dinslaken nach, was ich denn tun könne. Der stets außergewöhnlich freundliche Schalterbeamte, der wirklich mal öffentliche Erwähnung und Lobpreisung verdient hätte, gibt mir die Nummer der Leitstelle in Duisburg.
17:05 h: Ich rufe in Duisburg an. Dort ist eine Reisetasche, auf die meine Beschreibung passt, soeben als gefunden gemeldet worden und wird in diesem Moment - “Bleibense ma grad dran!” - dem Duisburger Bahnhofspersonal ausgehändigt.
17:39 h: Ich nehme die nächste Regionalbahn nach Duisburg.
18:01 h: Ich gehe zum Servicepoint im Duisburger Hauptbahnhof, melde mich, sehe meine Tasche und muss nur noch aufsagen, was sich darin befand, dann gehört sie wieder mir.
18:20 h: Mit dem Gurt meiner Reisetasche um die Füße gewickelt fahre ich mit dem nächsten Zug wieder nach Dinslaken zurück.
18:40 h: Ich steige zum dritten Mal am heutigen Tag am Dinslakener Bahnhof aus einem Zug und mache mich abermals auf den Weg zu meinem Elternhaus.

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Kommentare

17.02.2007
05.17 Uhr
sehr schön...es geht eben manchmal auch anders.

aber, ebenfalls schön: Bahncard vergessen, fünfzehn euro strafgebühr, mit dem hinweis, dass man diese bei vorzeigen der gültigen tralala card wieder zurück erstattet bekommt. shalala, gesagt getan, funktioniert auch alles wunderbar, nur rechnet man natürlich nicht mit den 14,99 euro "bearbeitungsgebühr"...
17.02.2007
13.42 Uhr
"Wer den Cent nicht ehrt, ist des Euros nicht wert."
17.02.2007
17.49 Uhr
könnte auch aus dem leben des frankenshambles stammen. nur zwei winzige kleinigkeiten lassen das unglaubwürdig erscheinen: erstens: nüchternheit und "kaufe mir ein mezzomix" statt sternburg, zweitens: die tasche wurde tatsächlich wiedergefunden....
17.02.2007
18.50 Uhr
womit mcmuse den nahtlosen übergang zu den schönsten nachtbussen berlins findet.
17.02.2007
20.01 Uhr
grad auf geizkragen.de gefunden:

Die Deutsche Bahn will wieder mehr Kunden auf ihre Gleise locken: In Kürze stehen 30.000 "Spar-Night-Tickets" zur Verfügung. Zu Preisen ab 29 Euro kann man in europäische Motorpolen reisen.
17.02.2007
20.22 Uhr
Ey geil, Leute auf die Gleise locken, und dann auch noch Geld dafür kriegen. Daumen hoch!
19.02.2007
08.56 Uhr
die wowo-familie hat sich ja über die berlinale bei mir einquartiert. freitag schliefen beide in meiner heim-ubahn ein und landeten in ruhleben (mei, da ists aber auch schee!), am samstag der große bruder allein.

mit dieser wissenschaftlichen versuchsanordnung wäre eindeutig bewiesen: es liegt nicht an mir, es liegt an der strecke!
19.02.2007
09.50 Uhr
Ist die Strecke so langweilig, dass sie Menschen reihenweise in den Schlaf treibt?
19.02.2007
10.31 Uhr
nein, entlng dieser strecke liegen zuviele etablissements, in denen sich die berliner motorjugend sich gerne zuschüttet. ich war ja auch schon in ruhleben. und dachte in meinem suff, ich bin in der brandenburger provinz gelandet, so anders sah es da aus. und es hat geschneit, glaube ich.
19.02.2007
10.32 Uhr
nicht langweilig, sondern tiefenenspannend.
19.02.2007
10.55 Uhr
so tiefenentspannend, daß auch schonmal ein ipod, handy, geldbeutel etc. flöten geht...
19.02.2007
11.07 Uhr
am schönsten ist es bei weitem im tunnel hinter der endstation, wenn alle lichter ausgehen und man vor lauter panik, die nacht dort verbringen zu müssen, schlagartog wieder nüchtern wird.


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