IT'S A KLASSIKER
„Immer wenn ich mit jemanden rede, verliert er sofort sein Lächeln. Ist das nicht witzig?“
Ein paar trockene Fakten für Listenmenschen
Produktion - DEFA
Regie - Wolfgang Staudte
Ernst Borchert – Dr. Mertens
Hildegard Knef – Susanne Wallner
Arno Paulsen – Ferdinand Brückner
Erna Sellner – Frau Brückner
Musik - Ernst Roters
Kamera - Friedl Behn-Grund, Eugen Klagemann
Schnitt - Hans Heinrich
Spieldauer - 91 Minuten,
Produktionsbeginn - März 1946
Uraufführung - 15. Oktober 1946, am Tag vor der Vollstreckung der Nürnberger Urteile gegen die NS-Kriegsverbrecher, in der Berliner Staatsoper.
Die Bedeutung
Die Mörder sind unter uns ist der erste Teil einer Trilogie (Rotation (1949), Der Untertan (1951)) über die Vergangenheitsbewältigung und die wohl schärfste Abrechnung mit den Verdrängungsmechanismen der Nachkriegszeit. Er hat das Thema der Schuld, der individuellen Schuld, der persönlichen Verantwortung für die Geschehnisse in der Nazi-Diktatur. Die Mörder sind unter uns ist einer der wichtigsten Trümmerfilme, mit seiner individuell-moralischen, nicht politischen Argumentation. Er war der erste Film der DEFA und für Hildegard Knef der Beginn ihrer Karriere.
Die Handlung
Berlin 1945. Susanne Wallner, eine junge Jüdin, kehrt aus dem Konzentrationslager zurück, doch ihre Wohnung ist belegt. Hier lebt seit kurzem der Kriegsheimkehrer Dr. Mertens, der seine furchtbaren Erinnerungen und seinen Schuldkomplex im Alkohol ertränken will. In Polen hatte er tatenlos zusehen müssen, wie unschuldige Frauen und Kinder an Weihnachten auf Befehl von Offizier Brückner erschossen wurden, obwohl der Krieg schon verloren war. Zynisch kommentiert Mertens jede auf Zukunft gerichtete Lebenseinstellung mit destruktiven Kommentaren. Susanne, die sich für den Neubeginn engagiert und innerlich gefestigt ist, hilft Mertens langsam wieder zu sich selbst und ins Leben zurückzufinden. Da begegnet ihm Brückner wieder. Dieser ist jetzt ein aalglatter Geschäftsmann, dem es egal ist, ob er aus Stahlhelmen Kochtöpfe macht oder umgekehrt. Mertens Gewissen rebelliert. Am Weihnachtsabend 45 will er Sühne fordern und Brückner für das von ihm befohlene Massaker richten. Im Showdown sieht man einzig Mertens Schatten, der über dem wimmernden Brückner ragt und wächst, je mehr sich dieser zusammenkrümmt und verhandeln will.
Im letzten Moment kann Susanne Mertens davon überzeugen, das Selbstjustiz nicht der richtige Weg ist.
In der letzten Szene blicken Wellner und Mertens, umgeben von Ruinen, vertrauensvoll in die Zukunft. Im Ausland hielt man die Trümmerlandschaft für besonders gelungene Kulissen. Staudte inszenierte die kargen Kulissen der Trümmerstadt Berlin von 1946 in der Tradition des Stummfilmexpressionismus. Die Filmcrew drehte direkt in den Trümmern der Stadt. So entstanden eindrucksvolle Bilder, die die Wirkung und Handlung des Filmes verstärkten.
Die Entstehung
Staudte schrieb das Manuskript noch vor Kriegsende. Von den westlichen Besatzungsmächten wurde das ursprüngliche Drehbuch „Der Mann, den ich töten werde“ abgelehnt. In dieser Fassung erschießt Mertens am Ende Brückner. In der Russischen Zone wurde das Buch zum Drehen freigegeben, nach einer Zensur der Selbstjustiz, bei der gefürchtet wurde, das der Zuschauer dies als Aufruf verstehen könnte, am Ende unter dem Titel „Die Mörder sind unter uns“. Die Dreharbeiten begannen 13 Tage bevor die Produktionsfirma DEFA ihre Arbeitslizenz erhielt und hatten mit den schwierigen Bedingungen der Stromknappheit und des harten Winters zu kämpfen.
Hauptdarsteller Borchert wurde eine Mitgliedschaft in der SA nachgesagt. Die DEFA befand es deshalb für günstiger, seinen Namen bis zu seiner Entnazifizierung in den Ankündigungen zu verschweigen. Das Filmprogramm der Uraufführung nennt ihn nicht.
Das, was bleibt
Der Film weckt eine reichhaltige Hoffnungslosigkeit und Traurigkeit. Selbst wenn der Opportunist gerichtet werden wird, so fehlt doch die Genugtuung. Es entsteht ein inneres Vakuum, weil es noch so viele andere dieser Opportunisten gibt. Der bittere Nachgeschmack der sinnlosen Erschießungen und der freudigen Aufnahme des Schlächters in die Reihen der „entnazifizierten“ Gesellschaft verweilt. Die Stärke dieses Films ist es, vieles ungesagt und ungetan zu lassen. Die Handlung ist eine Innere, Gefühle und Emotionen erzählen die Geschichte.
Die Mörder sind unter uns!
09.02.2007 | 11 Kommentare | cleo | Keine Bewertung
Mal wieder ein bisschen Kultur für den Nazipuff. Ein Film.
Ein paar trockene Fakten für Listenmenschen
Produktion - DEFA
Regie - Wolfgang Staudte
Ernst Borchert – Dr. Mertens
Hildegard Knef – Susanne Wallner
Arno Paulsen – Ferdinand Brückner
Erna Sellner – Frau Brückner
Musik - Ernst Roters
Kamera - Friedl Behn-Grund, Eugen Klagemann
Schnitt - Hans Heinrich
Spieldauer - 91 Minuten,
Produktionsbeginn - März 1946
Uraufführung - 15. Oktober 1946, am Tag vor der Vollstreckung der Nürnberger Urteile gegen die NS-Kriegsverbrecher, in der Berliner Staatsoper.
Die Bedeutung
Die Mörder sind unter uns ist der erste Teil einer Trilogie (Rotation (1949), Der Untertan (1951)) über die Vergangenheitsbewältigung und die wohl schärfste Abrechnung mit den Verdrängungsmechanismen der Nachkriegszeit. Er hat das Thema der Schuld, der individuellen Schuld, der persönlichen Verantwortung für die Geschehnisse in der Nazi-Diktatur. Die Mörder sind unter uns ist einer der wichtigsten Trümmerfilme, mit seiner individuell-moralischen, nicht politischen Argumentation. Er war der erste Film der DEFA und für Hildegard Knef der Beginn ihrer Karriere.
Die Handlung
Berlin 1945. Susanne Wallner, eine junge Jüdin, kehrt aus dem Konzentrationslager zurück, doch ihre Wohnung ist belegt. Hier lebt seit kurzem der Kriegsheimkehrer Dr. Mertens, der seine furchtbaren Erinnerungen und seinen Schuldkomplex im Alkohol ertränken will. In Polen hatte er tatenlos zusehen müssen, wie unschuldige Frauen und Kinder an Weihnachten auf Befehl von Offizier Brückner erschossen wurden, obwohl der Krieg schon verloren war. Zynisch kommentiert Mertens jede auf Zukunft gerichtete Lebenseinstellung mit destruktiven Kommentaren. Susanne, die sich für den Neubeginn engagiert und innerlich gefestigt ist, hilft Mertens langsam wieder zu sich selbst und ins Leben zurückzufinden. Da begegnet ihm Brückner wieder. Dieser ist jetzt ein aalglatter Geschäftsmann, dem es egal ist, ob er aus Stahlhelmen Kochtöpfe macht oder umgekehrt. Mertens Gewissen rebelliert. Am Weihnachtsabend 45 will er Sühne fordern und Brückner für das von ihm befohlene Massaker richten. Im Showdown sieht man einzig Mertens Schatten, der über dem wimmernden Brückner ragt und wächst, je mehr sich dieser zusammenkrümmt und verhandeln will.
Im letzten Moment kann Susanne Mertens davon überzeugen, das Selbstjustiz nicht der richtige Weg ist.
In der letzten Szene blicken Wellner und Mertens, umgeben von Ruinen, vertrauensvoll in die Zukunft. Im Ausland hielt man die Trümmerlandschaft für besonders gelungene Kulissen. Staudte inszenierte die kargen Kulissen der Trümmerstadt Berlin von 1946 in der Tradition des Stummfilmexpressionismus. Die Filmcrew drehte direkt in den Trümmern der Stadt. So entstanden eindrucksvolle Bilder, die die Wirkung und Handlung des Filmes verstärkten.
Die Entstehung
Staudte schrieb das Manuskript noch vor Kriegsende. Von den westlichen Besatzungsmächten wurde das ursprüngliche Drehbuch „Der Mann, den ich töten werde“ abgelehnt. In dieser Fassung erschießt Mertens am Ende Brückner. In der Russischen Zone wurde das Buch zum Drehen freigegeben, nach einer Zensur der Selbstjustiz, bei der gefürchtet wurde, das der Zuschauer dies als Aufruf verstehen könnte, am Ende unter dem Titel „Die Mörder sind unter uns“. Die Dreharbeiten begannen 13 Tage bevor die Produktionsfirma DEFA ihre Arbeitslizenz erhielt und hatten mit den schwierigen Bedingungen der Stromknappheit und des harten Winters zu kämpfen.
Hauptdarsteller Borchert wurde eine Mitgliedschaft in der SA nachgesagt. Die DEFA befand es deshalb für günstiger, seinen Namen bis zu seiner Entnazifizierung in den Ankündigungen zu verschweigen. Das Filmprogramm der Uraufführung nennt ihn nicht.
Das, was bleibt
Der Film weckt eine reichhaltige Hoffnungslosigkeit und Traurigkeit. Selbst wenn der Opportunist gerichtet werden wird, so fehlt doch die Genugtuung. Es entsteht ein inneres Vakuum, weil es noch so viele andere dieser Opportunisten gibt. Der bittere Nachgeschmack der sinnlosen Erschießungen und der freudigen Aufnahme des Schlächters in die Reihen der „entnazifizierten“ Gesellschaft verweilt. Die Stärke dieses Films ist es, vieles ungesagt und ungetan zu lassen. Die Handlung ist eine Innere, Gefühle und Emotionen erzählen die Geschichte.
Kommentare
09.02.2007
17.54 Uhr
17.54 Uhr
aber immerhin: erstkommentar by cleo, as usual. hast du evtl. eine exklusive autokommentierungsfunktion?
09.02.2007
17.55 Uhr
17.55 Uhr
gar nicht. es deprimiert nur immer sehr, wenn man gar keine reaktion bekommt. da reagier ich halt dann selbst.
09.02.2007
19.33 Uhr
19.33 Uhr
immer ruhig mit den jungen dreilochstuten, cleo. man muss der jugend ein bisschen spiel geben bis sie kommentiert.
09.02.2007
23.22 Uhr
23.22 Uhr
liebe cleo, dann möchte auch ich mich einreihen und einen Kommentar hinterlassen. Hast du dir auch verdient.
Hoffe du gibst in kürze mal wieder eine Filmkritik zum Besten.
Hoffe du gibst in kürze mal wieder eine Filmkritik zum Besten.
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