INSTITUT FÜR LISTENWESEN
Ein großartiges Jahr für Fortsetzungen: Wer Indiana Jones und die Suche nach dem Kristallschädel des Todes schon für ausgemachten Irrsinn hielt, wurde vom zweiten Akte X-Film Jenseits der Wahrheit überzeugt, dass es immer noch eine Spur hanebüchener werden kann. Nicht zu unterschätzen ist dennoch die Leistung der Herren Spielberg/Lucas: Wenn man sich überlegt, wie lange der vierte Indy-Film bereits im Gespräch war und sich das Endergebnis anschaut, dann möchte man doch wirklich mal die Drehbücher oder Stories sehen, die als unbrauchbar weggeworfen wurden...
Wie bei den beiden oben genannten Filmen war 2008 wohl generell das Thema Trumpf, dass Handlung eigentlich ein überflüssiges Element ist, wenn man es nur schafft, die Szenen schnell aneinander zu schneiden. Das schafften auch The Dark Knight und Der Baader-Meinhof Komplex mühelos und verdarben sich damit eine bessere Platzierung in den Charts. Wobei letzterer für einen deutschen Film schon Maßstäbe in punkto Action setzte, auch wenn darunter das eigentliche Thema leiden musste.
In punkto Action-Quatsch schaue ich mir dann eben lieber etwas komplett irr-überzogenes wie Wanted an, der mir wenigstens in keinem Moment auf irgendeine Art Ambition oder Ernsthaftigkeit weismachen will. 105 Minuten hohlstes Kino mit Humor für 15-Jährige (oder bestimmte Leute aus dem Bekanntenkreis) und Schwachsinn wie dem Webstuhl des Schicksals, wahrhaft großes Kino.
There Will Be Blood, der andere der beiden Oscar-Filme, hatte letzten Endes trotz der großartigen ersten Viertelstunde ohne Dialog keine Chance auf einen vorderen Platz. Auch eine episch angelegte Geschichte kann halt sehr langweilig sein, da nützt es nichts, wenn man sie auf 2,5 Stunden ausdehnt. Der Score von Radioheads Johnny Greenwood trägt leider auch nicht gerade zur Entspannung bei. Einen stimmigen Score lieferte dafür Juno, was aber natürlich nicht die einzige Legitimation für den guten fünften Platz ist. Eine schöne Handlung, aufgesetzte aber dennoch stimmige Dialoge und tolle Schauspieler punkten immer noch locker gegen Materialschlachten und dumme Sprüche.
Die obligatorischen Musikfilme Control (obwohl schon 2007 gesehen, hier noch einmal erwähnt, da 2008 nochmal auf deutsch im Kino begutachtet) und We call it Techno würden gerne noch von I'm not there begleitet, den ich aber leider bis heute noch nicht geschaut habe. Das setzt ihn mit dem Blair Witch Projekt in eine Reihe, welchen ich auch nach wie vor noch nicht gesehen habe. Aber vielleicht ist das auch nicht mehr nötig, da zwei legitime Nachfolger der authentisch-verwackelten Kameraführung in diesem Jahr mein Herz erfreuten.
REC spielt genau in dem Genre, das mich eigentlich gar nicht interessiert, dem mit der Bezeichnung Splatter/Horror/Zombie aber auch nicht annähernd gerecht wird. Der Film ist über die ganze Spielzeit spannend bis nervenaufreibend und die eigenwillige Kamera unterstützt das wohlig-schaurige Gesamterlebnis. Das ein spanischer Film solche Begeisterung auslösen kann, glaubt wohl niemand, der sich schon einmal durch einen Pedro Almodóvar quälen musste. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Cloverfield, so dass man auch hier knappe 80 Minuten das Gefühl des "Dabei-Seins" nicht abstreifen kann, ganz egal wie weit hergeholt die Story auch erscheinen mag.
Was letzten Endes die Entscheidung für Cloverfield und gegen No Country For Old Men als Film des Jahres brachte, war vor allem die Frage "Welchen Film würde ich mir sofort noch einmal anschauen?". Wie man bei Cloverfield den schwachen Schluss anprangern könnte, wäre es bei NCFOM die verkehrte Erbsünde, für die die Coens büßen müssen (und die den Namen Burn After Reading trägt. Wer so etwas produziert, kann leider im selben Jahr nicht auf Platz 1 stehen). Cloverfield überzeugte darüberhinaus durch eine großartige virale Marketingkampagne, die von verstörenden Teasern bis zu MySpace-Profilen der Charaktere alles bot, was Gorilla-Marketeers 2008 zur Verfügung stand (kann man sich in der deutschen oder ausführlicher in der englischen Wikipedia mal durchlesen - J.J. Abrams at his best - auch wenn man davon in Deutschland leider nullkommanichts mitbekam).
Nichtsdestotrotz ist No Country natürlich mehr als herausragend, vor allem wenn man die viele verschwendete Lebenszeit für unterirdischen Schwachsinn in Betracht zieht, den man sich jedes Jahr so vor die Pupillen kommen lassen muss.
02 No Country For Old Men
03 Control
04 Juno
05 REC
06 The Dark Knight
07 We call it Techno
08 There Will Be Blood
09 Wanted
10 Der Baader-Meinhof-Komplex
02 Thank you for smoking (2005)
03 Schwarze Schafe (2007)
Der Webstuhl des Kristallschädels
08.12.2008 | 2 Kommentare | motorhorst | Keine Bewertung
Türchen 07: Die Filme des Jahres
Wie bei den beiden oben genannten Filmen war 2008 wohl generell das Thema Trumpf, dass Handlung eigentlich ein überflüssiges Element ist, wenn man es nur schafft, die Szenen schnell aneinander zu schneiden. Das schafften auch The Dark Knight und Der Baader-Meinhof Komplex mühelos und verdarben sich damit eine bessere Platzierung in den Charts. Wobei letzterer für einen deutschen Film schon Maßstäbe in punkto Action setzte, auch wenn darunter das eigentliche Thema leiden musste.
In punkto Action-Quatsch schaue ich mir dann eben lieber etwas komplett irr-überzogenes wie Wanted an, der mir wenigstens in keinem Moment auf irgendeine Art Ambition oder Ernsthaftigkeit weismachen will. 105 Minuten hohlstes Kino mit Humor für 15-Jährige (oder bestimmte Leute aus dem Bekanntenkreis) und Schwachsinn wie dem Webstuhl des Schicksals, wahrhaft großes Kino.
There Will Be Blood, der andere der beiden Oscar-Filme, hatte letzten Endes trotz der großartigen ersten Viertelstunde ohne Dialog keine Chance auf einen vorderen Platz. Auch eine episch angelegte Geschichte kann halt sehr langweilig sein, da nützt es nichts, wenn man sie auf 2,5 Stunden ausdehnt. Der Score von Radioheads Johnny Greenwood trägt leider auch nicht gerade zur Entspannung bei. Einen stimmigen Score lieferte dafür Juno, was aber natürlich nicht die einzige Legitimation für den guten fünften Platz ist. Eine schöne Handlung, aufgesetzte aber dennoch stimmige Dialoge und tolle Schauspieler punkten immer noch locker gegen Materialschlachten und dumme Sprüche.
Die obligatorischen Musikfilme Control (obwohl schon 2007 gesehen, hier noch einmal erwähnt, da 2008 nochmal auf deutsch im Kino begutachtet) und We call it Techno würden gerne noch von I'm not there begleitet, den ich aber leider bis heute noch nicht geschaut habe. Das setzt ihn mit dem Blair Witch Projekt in eine Reihe, welchen ich auch nach wie vor noch nicht gesehen habe. Aber vielleicht ist das auch nicht mehr nötig, da zwei legitime Nachfolger der authentisch-verwackelten Kameraführung in diesem Jahr mein Herz erfreuten.
REC spielt genau in dem Genre, das mich eigentlich gar nicht interessiert, dem mit der Bezeichnung Splatter/Horror/Zombie aber auch nicht annähernd gerecht wird. Der Film ist über die ganze Spielzeit spannend bis nervenaufreibend und die eigenwillige Kamera unterstützt das wohlig-schaurige Gesamterlebnis. Das ein spanischer Film solche Begeisterung auslösen kann, glaubt wohl niemand, der sich schon einmal durch einen Pedro Almodóvar quälen musste. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Cloverfield, so dass man auch hier knappe 80 Minuten das Gefühl des "Dabei-Seins" nicht abstreifen kann, ganz egal wie weit hergeholt die Story auch erscheinen mag.
Was letzten Endes die Entscheidung für Cloverfield und gegen No Country For Old Men als Film des Jahres brachte, war vor allem die Frage "Welchen Film würde ich mir sofort noch einmal anschauen?". Wie man bei Cloverfield den schwachen Schluss anprangern könnte, wäre es bei NCFOM die verkehrte Erbsünde, für die die Coens büßen müssen (und die den Namen Burn After Reading trägt. Wer so etwas produziert, kann leider im selben Jahr nicht auf Platz 1 stehen). Cloverfield überzeugte darüberhinaus durch eine großartige virale Marketingkampagne, die von verstörenden Teasern bis zu MySpace-Profilen der Charaktere alles bot, was Gorilla-Marketeers 2008 zur Verfügung stand (kann man sich in der deutschen oder ausführlicher in der englischen Wikipedia mal durchlesen - J.J. Abrams at his best - auch wenn man davon in Deutschland leider nullkommanichts mitbekam).
Nichtsdestotrotz ist No Country natürlich mehr als herausragend, vor allem wenn man die viele verschwendete Lebenszeit für unterirdischen Schwachsinn in Betracht zieht, den man sich jedes Jahr so vor die Pupillen kommen lassen muss.
Jahresliste Filme
01 Cloverfield02 No Country For Old Men
03 Control
04 Juno
05 REC
06 The Dark Knight
07 We call it Techno
08 There Will Be Blood
09 Wanted
10 Der Baader-Meinhof-Komplex
Leider erst dieses Jahr gesehen
01 Das Leben der anderen (2006)02 Thank you for smoking (2005)
03 Schwarze Schafe (2007)
Reihe
Jahresrückblick 2008
02.01.2009 - Ätsch bätsch, die Kategorie ist ja fast noch wichtiger
02.01.2009 - Die wichtigste Kategorie überhaupt
02.01.2009 - Der Endspurt
29.12.2008 - Das kauf ich Euch nicht ab
28.12.2008 - Tip-Top-Alben. Die muss man doch haben!
28.12.2008 - Der Musik-Rest
28.12.2008 - Gejammer und Krawall
22.12.2008 - Affen, Vögel und Edelgase
22.12.2008 - Super-Pinsel! Das muss man doch haben!
17.12.2008 - Wärt ihr doch allein geblieben
17.12.2008 - Irgendwie landet man dann immer beim DFB
15.12.2008 - Things In A Book
11.12.2008 - Von Hennes und Hitzl
11.12.2008 - Wir flashen jedes Weekend und alles just for you
08.12.2008 - Dann mach halt Du Vorstand, Du Pressack!
08.12.2008 - Der Webstuhl des Kristallschädels
07.12.2008 - Alte Bekannte statt neuer Heroen
05.12.2008 - Was wäre des Auflegen ohne de M...ohne de M... ohne de M..?
04.12.2008 - Just Another WordPress Weblog
04.12.2008 - Und dann noch Attwenger!
03.12.2008 - Mein schwules Gucci-Orakel ist ein bisschen kaputt.
02.12.2008 - Große Alte - ja, Amerikanische Götter - bitte nicht!
02.01.2009 - Die wichtigste Kategorie überhaupt
02.01.2009 - Der Endspurt
29.12.2008 - Das kauf ich Euch nicht ab
28.12.2008 - Tip-Top-Alben. Die muss man doch haben!
28.12.2008 - Der Musik-Rest
28.12.2008 - Gejammer und Krawall
22.12.2008 - Affen, Vögel und Edelgase
22.12.2008 - Super-Pinsel! Das muss man doch haben!
17.12.2008 - Wärt ihr doch allein geblieben
17.12.2008 - Irgendwie landet man dann immer beim DFB
15.12.2008 - Things In A Book
11.12.2008 - Von Hennes und Hitzl
11.12.2008 - Wir flashen jedes Weekend und alles just for you
08.12.2008 - Dann mach halt Du Vorstand, Du Pressack!
08.12.2008 - Der Webstuhl des Kristallschädels
07.12.2008 - Alte Bekannte statt neuer Heroen
05.12.2008 - Was wäre des Auflegen ohne de M...ohne de M... ohne de M..?
04.12.2008 - Just Another WordPress Weblog
04.12.2008 - Und dann noch Attwenger!
03.12.2008 - Mein schwules Gucci-Orakel ist ein bisschen kaputt.
02.12.2008 - Große Alte - ja, Amerikanische Götter - bitte nicht!
Kommentare
08.12.2008
12.15 Uhr
12.15 Uhr
Einspruch, Euer Ehren: Der Score zu There Will Be Blood ist - zumindest in meiner Erinnerung - einer der besten, die ich in meinem ganzen Leben gehört habe!
08.12.2008
13.18 Uhr
13.18 Uhr
Einspruch gehört und abgelehnt. Nee, im Ernst: Kann ich akzeptieren, bin ja selbst sehr großer Radiohead- und Greenwood-Fan, aber mir war er halt einfach zu arg. Deine Meinung sei Dir aber durchaus belassen, ich bin ja nur ein einfacher König aus kleinen Verhältnissen.
Bewertungen
Bisher wurde dieser Artikel noch nicht bewertet.Als Mitglied der motorjugend mit dem Rang Blicker oder mehr kannst Du an dieser Stelle einen Kommentar zu dieser Text abgeben und andere Kommentare kommentieren.

