IT'S A KLASSIKER
Durch all die Intellektualität und Distanz, die Kubrickfilme ausmachen, mögen sich diejenigen bestätigt sehen, die Kubrick Kälte und Zynismus vorwerfen. In Wirklichkeit aber sind sie die Bedingung für ein wahrhaft aufklärerisches Unterfangen, aus dem eine tiefe Humanität spricht: Filme über die Welt und unseren Platz darin zu machen, die skeptisch, das heißt: fragend hinter die Mythen und Mechanismen des Alltäglichen blicken.
Natürlich ist es leichter, Filme darüber zu machen, wie die Welt sein sollte oder wie wir uns in ihr fühlen. Aber solche Filme sind entweder Abziehbild (oberflächlich) oder Theater (kathartisch). Filme über unsere Welt und unseren Platz darin dagegen müssen rational mit deren Irrationalität umgehen, müssen die Bedingungen ihrer Erkenntnis reflektieren und Rechenschaft über ihre Position ablegen. Wenn man also keine oberflächlichen oder kathartischen Filme machen will, sondern erkenntniswillige, dann ist Distanziertheit, dann ist der prüfende, nicht der empfindende Blick die Voraussetzung für ihre Wahrhaftigkeit. Das Kino als Ort des Denkens, nicht der Empfindung zu begreifen ist eine Konsequenz daraus, die mit der Tradition des konventionellen Erzählkinos bricht und die Kubrick radikal wie kein zweiter zieht. Das Schicksal des Menschen und das Schicksal von Menschen war ihm nie egal – nur hat er weiter gefragt und gedacht, wo andere sich mit einem Seufzer und/oder Schluchzen zufrieden geben.
Über Arthur Schnitzler hat Kubrick 1960 gesagt: „It’s difficult to find any writer who understood the human soul more truly and who had a more profound insight into the way people think, act, and really are, and who had a somewhat all-seeing point of view – sympathetic if somewhat cynical.“ Besser könnte man auch Kubrick und sein Schaffen nicht beschreiben.
Denken in Bildern 6 – Epilog: Distanz und Humanität
08.11.2007 | 7 Kommentare | wowo101 | Keine Bewertung
Eine alte Diksussion mit Christian_alternakid wird aufgegriffen und ebenso wie der Essay gut zu Ende gebracht.
Natürlich ist es leichter, Filme darüber zu machen, wie die Welt sein sollte oder wie wir uns in ihr fühlen. Aber solche Filme sind entweder Abziehbild (oberflächlich) oder Theater (kathartisch). Filme über unsere Welt und unseren Platz darin dagegen müssen rational mit deren Irrationalität umgehen, müssen die Bedingungen ihrer Erkenntnis reflektieren und Rechenschaft über ihre Position ablegen. Wenn man also keine oberflächlichen oder kathartischen Filme machen will, sondern erkenntniswillige, dann ist Distanziertheit, dann ist der prüfende, nicht der empfindende Blick die Voraussetzung für ihre Wahrhaftigkeit. Das Kino als Ort des Denkens, nicht der Empfindung zu begreifen ist eine Konsequenz daraus, die mit der Tradition des konventionellen Erzählkinos bricht und die Kubrick radikal wie kein zweiter zieht. Das Schicksal des Menschen und das Schicksal von Menschen war ihm nie egal – nur hat er weiter gefragt und gedacht, wo andere sich mit einem Seufzer und/oder Schluchzen zufrieden geben.
Über Arthur Schnitzler hat Kubrick 1960 gesagt: „It’s difficult to find any writer who understood the human soul more truly and who had a more profound insight into the way people think, act, and really are, and who had a somewhat all-seeing point of view – sympathetic if somewhat cynical.“ Besser könnte man auch Kubrick und sein Schaffen nicht beschreiben.
Reihe
Denken in Bildern - Stanley Kubrick
08.11.2007 - Denken in Bildern 6 – Epilog: Distanz und Humanität
07.11.2007 - Denken in Bildern 5 – Autor, Erzähler und Publikum
06.11.2007 - Denken in Bildern 4 – Die Montage als Denk-Anregung
05.11.2007 - Denken in Bildern 3 – Extremismus der Einstellung und rationale Perspektive
04.11.2007 - Denken in Bildern 2 – Der Raum als Denk-Ort
03.11.2007 - Aus gegebenem Anlass: Denken in Bildern – Kubricks Kino des Intellekts
07.11.2007 - Denken in Bildern 5 – Autor, Erzähler und Publikum
06.11.2007 - Denken in Bildern 4 – Die Montage als Denk-Anregung
05.11.2007 - Denken in Bildern 3 – Extremismus der Einstellung und rationale Perspektive
04.11.2007 - Denken in Bildern 2 – Der Raum als Denk-Ort
03.11.2007 - Aus gegebenem Anlass: Denken in Bildern – Kubricks Kino des Intellekts
Kommentare
09.11.2007
20.29 Uhr
20.29 Uhr
Was hat der Stammtisch, was wowo nicht hat? HIER müssen Kommentare hin!
Fein, das!
(in seinem Intellektualismus sicher dem Gegenstand angemessen)
Fein, das!
(in seinem Intellektualismus sicher dem Gegenstand angemessen)
12.11.2007
11.46 Uhr
11.46 Uhr
Wie schafft der Hippie Kubrick das denn auf die Motorjugendseite? Fein, fein!
12.11.2007
12.31 Uhr
12.31 Uhr
Dazu muss man vielleicht erklären, dass oftmals der Autor eines Artikels und der Betrachtungsgegenstand nicht unbedingt ein und dasselbe sind. Ausnahme ist hier aber vielleicht die Bibel.
Der Text da oben stammt auf jeden Fall NICHT von Herrn Kubrick selbst.
Der Text da oben stammt auf jeden Fall NICHT von Herrn Kubrick selbst.
12.11.2007
12.36 Uhr
12.36 Uhr
Ach soo! Ich hab gedacht der Text ist von Kubrick über wowo101. Danke fürs aufklären! Mann oh mann...
12.11.2007
13.14 Uhr
13.14 Uhr
Ach soooouuuuuuuuuh ist das. Na, da bau ich mir doch gleich mal einen drauf...
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