Blaupause für Pulp Fiction

04.02.2013 | 1 Kommentar | motorhorst
Noch mal gesehen: Reservoir Dogs (1992)
Liebes Filmtagebuch,

nach einem schlechten Film (in diesem Fall: Sucker Punch) muss ich mir wieder einen anschauen, wo ich mir sicher bin, dass er mir gefallen wird. Also entweder einen, auf den ich mich lange gefreut habe oder einen, den ich bereits gesehen und für gut befunden habe. In diesem Fall: Letzteres.

Reservoir Dogs hatte ich vor allem als brutalen Film in Erinnerung und muss im Nachhinein sagen, dass ich auch hier mal wieder der öffentlichen Wahrnehmung von Tarantino-Filmen erlegen bin (siehe auch Christians Kommentar zum Django Unchained-Artikel). Keine Frage: Es fließt viel Blut und es wird ein Polizist gefoltert.

Aber: Auch Tarantinos offizieller Erstling lebt eben wieder von hervorragenden Zitaten, bewusst ausgewählter Musik und einer unglaublich guten Besetzung (wenn man seinen Status zu diesem Zeitpunkt bedenkt).
Dazu teilweise endlos lange Kameraeinstellungen, etwa bei einem Dialog zwischen Keitel und Buscemi, wo sich der Einsatz solcher Profis natürlich vollkommen bezahlt macht. Oder auch die Kamera, die Michael Madsen aus dem Handlungsort zu seinem Auto und zurück verfolgt.

Zudem hatte ich oft so ein wohliges SAW-Gefühl, da man - sicher aus Budgetgründen - auf kostspielige Außenaufnahmen und Drehorte verzichtet hat. Dabei hilft der Kunstgriff, einen Heist-Film gedreht zu haben, ohne den tatsächlichen Überall zu zeigen. Geht auch.

Ich hatte dem Film bei der IMDB aus der Erinnerung heraus eine 8/10 gegeben und kann dies auch nach wiederholtem Male so stehen lassen. Aus dem Bauch heraus: Der viertbeste Tarantino.

Referenzen und Trivia zu Reservoir Dogs (zum Verrücktwerden!)

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Kommentare

motorhorst
04.02.2013
08.57 Uhr
Zum Thema Gewalt ist übrigens noch mal die Ohr-Szene zu erwähnen: Ähnlich wie nach Rosemary's Baby, wo die Kinobesucher danach genau das Aussehen des Babys beschreiben konnten, hatte ich hier in Erinnerung, dass man das Abschneiden tatsächlich sieht. Dem ist aber nicht so, die Kamera schwenkt vorher weg (klar, man sieht natürlich die Wunde im Anschluss).

Gerade im Vergleich zu z.B. Sucker Punch zeigt Reservoir Dogs, dass ein Film eben nicht alleine dadurch gut ist, dass man genug Geld für ausufernde Trickaufnahmen hat, wenn die Dialoge und Charaktere fehlen. Dann langweilt man sich nämlich auch noch in der schönsten Bilderflut (insofern ist es noch mal absurder, sich die mitunter sehr wohlwollenden deutschen Kritiken zu Sucker Punch durchzulesen).

Ach, und beim Schauen von Reservoir Dogs ist mir wieder die Geschichte eingefallen, dass der Titel wohl daher kommt, dass Tarantino den Film "Au revoir les enfants" (von Louis Malle) immer als "that Reservoir movie" bezeichnet hat (plus eine Hommage auf Sam Peckinpahs "Straw Dogs" - Wer Gewalt sät).


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