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Beige GT _ Cue

06.04.2004 | 0 Kommentare | säm
Wie beim letzten Album: Eine objektive Betrachtung des Werks scheint mir unmöglich. Beige GT sind aus Regensburg. Ich auch. Und da sieht man sich halt.
Da bekommt man mit, wenn was entsteht. Und geht auf die paar wenigen Konzerte, die Beige GT in den letzten Jahren hier gespielt haben. Man hofft bis zum Schluss auf noch mehr Neues. Neue Lieder. Neue Stücke. Neue Platte.
Und so lies man sich Zeit. Baute sich erst mal eine eigenes Studio in das Gebäude des eigens gegründeten Kunstvereins Graz e.V., zog um nach Berlin oder wieder zurück, spielte plötzlich in ganz neuen und fantastischen Projekten (bald mehr an dieser Stelle von den unglaublichen Jenny Lund, bei denen Beige GT-Klaus Bass spielt oder den wundervollen Juliana Rosa & the Dirty Bells mit Beige GT-Sänger und -Gitarrist Martin), unterschrieb Werbe-, PR- und Sponsoringverträge (AOK, Hummel, Deutsche Handball-Nationalmannschaft) und arbeite vor allem an den neuen Songs.

Man munkelte von einem Produzenten (Ron Schneider von den Bamberger Postrockern oh., der schon das erste Album aufnahm). Dann kam ein anderer dazu (Sven Meyer / Tomte, Kettcar-Produzent) . Noch ein dritter (Andy Schuwirth von den Seaside Stars). Und Bassist Klaus sprach plötzlich davon, Mut zum selber singen zu haben. Und immer mehr neue Lieder, die man mal irgendwo vorgespielt bekommt.

Und irgendwie formte sich „Cue“. Und hatte zu kämpfen. Bei mir. Ohne, dass ich die Platte jemals gehört hätte. Ich verehre Beige GT. Das erste Album „Jukebox Heroes“ ist ein Fels. Und die Lieder drauf sind in den Fels gehauene Lieblingsstücke. Nur waren die schon Lieblinge, als „Jukebox Heroes“ noch gar nicht draussen war. Noch nicht einmal aufgenommen wurde. Weil man Beige GT schon etliche Male live gesehen hatte und eben jedes einzelne Stück mitsingen konnte und wollte.

Bei „Cue“ ist das anders. Die schwere Geburt namens zweite Platte. Die erste konnte noch Jahre reifen. Jetzt ging es nicht mehr darum, die Lieder aufnehmen, die über Jahre entstanden. Sondern man liess im Studio entstehen.
Und so änderte sich einiges. Denn: Man versuchte mit sich und mit den eigenen Talenten zu experimentieren.
Beispiel? Als ich „Cue“ zum ersten mal einer Freundin und langjähriger Begleiterin der Band vorspielte, ohne ihr zu sagen, was sie denn da hört, meinte sie „das am Anfang klang wie Beige GT, aber wer ist das denn? Der Sänger klingt nie und nimmer nach Martin Haygis.“ War er aber. Nur singt er auf jedem der „Cue“-Stücke auf eine andere Art und Weise. Versucht seine unglaubliche Bandbreite (und die hat er unbestritten) unter Beweis zu stellen. Und schreit wütend in dem einen („FAQ“) und singt ruhig-lässig in dem anderen („Close up“). Bandbreite über was-weiss-ich-viele Oktaven noch dazu. Überhaupt singen: Der Rest der Band singt in verzerrten Chören oder mal ganz alleine (eben Klaus im Schlussstück „Iowa“) und das verdammt grossartig.

Der Musik merkt man den Reifeprozess an. Da hat man über Monate rumarrangiert. Und vor allem: Man schrieb Musik aus der Beige GT-Perspektive. Aus einem Riesenangebot aus Einflüssen. Da fallen Namen wie Modest Mouse, Guided By Voices oder The Flaming Lipps, wenn man sich zum Bier am Abend trifft. Da werden Ambient-Techno-Tracks zusammen mit „Mother“ von Danzig aufgelegt, wenn eine Teil der Band hinter Plattentellern Clubs beschallt.
Klar, die elektronischen Parts beim neuen Album wurden auf dem ersten Blick weniger. Beim zweiten Hinhören bemerkt man aber die Strukturen der einzelnen Stücke. Wie sie da verschmitzt Elemente ineinander fliessen lassen. Songs aufbauen, wie eben Tracks.
Alte Schule re-arranged.
„Cue“ ist ein gutes Album. Ein sehr gutes. Vor allem wenn man die vielen kleinen Spielereien findet. Und wenn man merkt, mit wie viel Arbeit und Kraft man da rangegangen ist.
Ich glaube, dass man mit diesem Album eine breite Masse erreicht. Nicht die breite Masse, die ihr jetzt meint. Ich meine die breite Masse der anspruchsvollen Musikhörer. Weil eben soviel drin steckt. Für alle was dabei.
Schön.

säm

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