IT'S A KLASSIKER
„2001? I see it every week.“ wird John Lennon zitiert, Steven Spielberg will The Shining über 25 mal gesehen haben, und was mich angeht, so habe ich kaum einen Kubrickfilm weniger als ein halbes Dutzend mal gesehen, die meisten öfter. Zugleich wurde wohl selten ein Regisseur in den ersten Kritiken seiner Filme regelmäßig derart verrissen (der kalte, kalte Kubrick), um dann stets nach ein paar Jahren und einigen Filmlektüren mehr in den höchsten Tönen gelobt zu werden (der große, große Meister). Wieso eigentlich? Warum muss man Kubrickfilme so oft sehen? Und viel wichtiger: Warum will man das auch noch?
Prolog
Weil: Kubrickfilme reiner Film sind, weder Abbild noch Theater – aber Filme für den Verstand, nicht für den Affekt.
Wie Mozart die Mittel der Musik selbstverständlich und mit größter Sicherheit benutzt und dabei alles Nichtmusikalische irrelevant wird, macht Kubrick Filme, die alles Nichtfilmische unwichtig werden lassen. Anders aber als Orson Welles (dessen The Trial für mich der filmischste aller Filme ist) oder Andrej Tarkowskij (der wie kein anderer über Bilder Assoziationen und Affekte auslöst) ist Kubrick kein Autor des erzählenden Kinos und kein Philosoph der Gefühle, sondern Intellektualist und Skeptiker durch und durch. Trotzdem erschöpft er sich weder im psychographischen Symbolismus eines Bergman zur Zeit des Siebten Siegel noch in purer Filmreflexion à la Godard. Seine Filme sind, wie er selbst sagt, Essays über „gedankliche Probleme“, sein Gegenstand „die großen Themen“: Krieg und Frieden, Freiheit und Determination, das Schicksal der Menschheit, die Liebe, die Psyche, der Sex. Die Filme arbeiten sich ab am Verhältnis von Mensch und Welt, von Rationalität und Irrationalität, und ihr Blick auf beides ist stets klar definiert – es ist der Blick des Aufklärers.
Kubrick versucht ins Bild zu setzen, was sich nicht auf den Begriff bringen lässt: Kino ist bei Kubrick gleichsam begehbare Theorie, Welt und wortlose Welterklärung – Denken in Bildern, nicht in Begriffen. „Was ich wirklich sehr gern täte“, hat er einmal gesagt, „ist, die narrativen Strukturen des Kinos zu sprengen. Ich möchte einmal etwas wirklich Unerhörtes schaffen.“ Seine Leistung und unsere Herausforderung: In der Mehrzahl seiner 13 Filme hat Kubrick genau das getan.
Schauen Sie demnächst wieder herein, wenn es heißt: "Denken in Bildern, Teil 2: Der Raum als Denk-Ort"!
Ach ja, den ganzen Kubrick gibt's im November auf ARTE!
Aus gegebenem Anlass: Denken in Bildern – Kubricks Kino des Intellekts
03.11.2007 | 0 Kommentare | wowo101 | Keine Bewertung
Der „Picasso, Mozart, Beethoven unserer Zeit“ wurde er genannt und „kalt und zynisch“. Warum beides stimmt, (natürlich) trotzdem Unsinn ist, und warum man Kubrickfilme so oft sehen muss.
Prolog
Weil: Kubrickfilme reiner Film sind, weder Abbild noch Theater – aber Filme für den Verstand, nicht für den Affekt.
Wie Mozart die Mittel der Musik selbstverständlich und mit größter Sicherheit benutzt und dabei alles Nichtmusikalische irrelevant wird, macht Kubrick Filme, die alles Nichtfilmische unwichtig werden lassen. Anders aber als Orson Welles (dessen The Trial für mich der filmischste aller Filme ist) oder Andrej Tarkowskij (der wie kein anderer über Bilder Assoziationen und Affekte auslöst) ist Kubrick kein Autor des erzählenden Kinos und kein Philosoph der Gefühle, sondern Intellektualist und Skeptiker durch und durch. Trotzdem erschöpft er sich weder im psychographischen Symbolismus eines Bergman zur Zeit des Siebten Siegel noch in purer Filmreflexion à la Godard. Seine Filme sind, wie er selbst sagt, Essays über „gedankliche Probleme“, sein Gegenstand „die großen Themen“: Krieg und Frieden, Freiheit und Determination, das Schicksal der Menschheit, die Liebe, die Psyche, der Sex. Die Filme arbeiten sich ab am Verhältnis von Mensch und Welt, von Rationalität und Irrationalität, und ihr Blick auf beides ist stets klar definiert – es ist der Blick des Aufklärers.
Kubrick versucht ins Bild zu setzen, was sich nicht auf den Begriff bringen lässt: Kino ist bei Kubrick gleichsam begehbare Theorie, Welt und wortlose Welterklärung – Denken in Bildern, nicht in Begriffen. „Was ich wirklich sehr gern täte“, hat er einmal gesagt, „ist, die narrativen Strukturen des Kinos zu sprengen. Ich möchte einmal etwas wirklich Unerhörtes schaffen.“ Seine Leistung und unsere Herausforderung: In der Mehrzahl seiner 13 Filme hat Kubrick genau das getan.
Schauen Sie demnächst wieder herein, wenn es heißt: "Denken in Bildern, Teil 2: Der Raum als Denk-Ort"!
Ach ja, den ganzen Kubrick gibt's im November auf ARTE!
Reihe
Denken in Bildern - Stanley Kubrick
08.11.2007 - Denken in Bildern 6 – Epilog: Distanz und Humanität
07.11.2007 - Denken in Bildern 5 – Autor, Erzähler und Publikum
06.11.2007 - Denken in Bildern 4 – Die Montage als Denk-Anregung
05.11.2007 - Denken in Bildern 3 – Extremismus der Einstellung und rationale Perspektive
04.11.2007 - Denken in Bildern 2 – Der Raum als Denk-Ort
03.11.2007 - Aus gegebenem Anlass: Denken in Bildern – Kubricks Kino des Intellekts
07.11.2007 - Denken in Bildern 5 – Autor, Erzähler und Publikum
06.11.2007 - Denken in Bildern 4 – Die Montage als Denk-Anregung
05.11.2007 - Denken in Bildern 3 – Extremismus der Einstellung und rationale Perspektive
04.11.2007 - Denken in Bildern 2 – Der Raum als Denk-Ort
03.11.2007 - Aus gegebenem Anlass: Denken in Bildern – Kubricks Kino des Intellekts
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