MASTER AND SERVANT

1000 Transparente gegen Rassismus….

17.10.2006 | 22 Kommentare | Christian_alternakid | Keine Bewertung
100 Affenrufe aus Fanblocks, 10 schwarze Nationalspieler… und doch sagt 1 Leserbrief im Kicker mehr über den tatsächlichen Zustand der Gesellschaft aus.
Anmerkung: alle zitierten Leserbriefe, mögen sie sich auch noch so sehr im Bereich der Realsatire bewegen, sind inklusive der Namen der Leserbriefschreiber getreu dem „name and shame“ - Gedanken durch die Bank echt und unverändert aus den Kicker-Ausgaben 76, 82 und 84 diesen Jahres entnommen.

Was war geschehen? Im Spiel Aachen – Mönchengladbach beteiligten sich beide Fanblöcke an – wie es die Presse so schön nennt – „Urwaldrufen“ gegen dunkelhäutige Spieler und Gerald Asamoah wurde beim Pokalspiel von Schalke 04 gegen die Amateurmannschaft von Hansa Rostock ebenfalls mit rassistischen Ausdrücken geschmäht.
Der Aufruhr war groß, auch auf den Leserbriefseiten des Kicker. Was das Volk nun dazu sprach, lohnt einer kleinen Retrospektive.


Im Nachhinein mutet es doch sehr angenehm an, dass die Fußball-WM vorrangig im Westen unseres Landes stattfand, da im Osten keine Bereitschaft da zu sein scheint, andere Kulturen und Rassen zu empfangen! Harald Berthold, Wiesentheid

Ja sehr schön, Harald Berthold meidet im Gegensatz zu Namensvetter Thomas die rechte Außenbahn und biegt gleich auf Ost-Bashing ein. Da haben es uns die dummen Ossis aber mal wieder gezeigt, dass sie nicht mit anderen Rassen umgehen können. Selbst schuld, wenn sie keine WM bekommen, die ganzen Faschisten. Ich frage euch: Seid ihr von nun an bereit, eure ganze Kraft einzusetzen und der Ostfront, unseren kämpfenden Vätern und Brüdern, die Menschen und Waffen zur Verfügung zu stellen, die sie brauchen, um den Rassismus zu besiegen, seid ihr dazu bereit?
Wir im Westen dagegen, wie gern wir doch diese anderen Kulturen und Rassen aufnehmen, wenn die so putzig Bongo spielen und diese lustigen Trachten anhaben. Außerdem, wenn schon das halbe Land von Rassisten besiedelt ist, dann laden wir Ausländer lieber in Gegenden ein, wo das nicht so auffällt. Die können ja ruhig Rassisten sein, hauptsache es merkt keiner.


Ich als Ostdeutscher empfinde die Berthold-Aussage unverschämt, vorurteilsbehaftet, ignorant und unzumutbar. Die WM hat doch bewiesen, dass auch im Osten große Bereitschaft besteht, andere Kulturen und Rassen freundlich zu empfangen! Matthias Klein, Teutschenthal

Herr Klein aus Teutschenthal hat ja wohl mal so was von Recht! Oder hat jemand den Urs Meier, diesen bizarren Menschen aus einer völlig anderen Kultur, dem Schiedsrichterwesen, etwa über den Potsdamer Platz gejagt? Auch ist Asamoah im deutschen Quartier in Zehlendorf nie beleidigt worden und das war ja auch fast schon im Osten! Nein, nein, wir hier in Teutschenthal würden uns schon auch mal freuen, wenn wir „Menschen“ anderer Rassen freundlich empfangen könnten, dazu bestünde schon eine gewisse Bereitschaft!
Und überhaupt, in welchen Landesparlamenten sitzen denn die NPD und die DVU? Na, na? Oh…


Rassismus ist überall schlimm, aber nirgendwo so peinlich wie in Deutschland. Der Sport muss mit seinem Feldzug gegen dieses Grundübel der Menschheit fortfahren und sollte dabei auch vor Verlusten nicht zurückschrecken: Wie wäre es etwa mit einem EM-Qualifikationsspiel, in dem nur farbige Deutsche eingesetzt werden? Thomas Schilling, Soest

Genau! Endlich mal ein Vorschlag der Hand und Fuß hat! So bestrafen wir die Rassisten am besten: in dem wir 11 Neger aufstellen, die dann - vor Verlusten darf man nicht zurückschrecken – natürlich ein EM-Qualifikationsspiel verlieren werden. Weiß ja jeder, Hacke-Spitze-1-2-3, aber von Taktik keine Ahnung, das kann ja nur in die Hose gehen und das haben dann die ganzen Rassisten davon, wenn die Neger für Deutschland verlieren. Wie werd’ ich lachen!


FC Hansa II: 3500 Zuschauer, 1:9 und rassistische Rufe gegen Asamoah – was soll so eine Partie im DFB-Pokal? Schade dass hier nicht ein kleiner Klub aus dem Norden die Chance auf das Spiel seines Lebens hatte, weil eine Mannschaft wie Hansa Rostock II im Pokal starten durfte. Michael Wadepohl, Langenfeld

Endlich mal einer, der es sagt! Die ganze Zeit wird nur darum herumgeredet, doch Wadepohl legt den Finger in die Wunde: der wirkliche Skandal an diesem Spiel mit seinen unschönen Begleitumständen ist doch wohl, dass immer noch die zweiten Mannschaften der Profiteams im Pokal starten dürfen! Ich meine, WIE OFT haben wir das nun schon gesagt, dass da nichts gutes bei rumkommen kann? Das sollte dem DFB eine Lehre sein! Wie schön wäre es doch, hätte statt dem Hansa Rostock II der, sagen wir, VSG Altglienicke II im DFB-Pokal spielen dürfen!


Endlich greift der DFB ein! Aber warum hat man nicht auch bei Oliver Kahn eingegriffen? Er wurde und wird seit Jahren vor Auswärtsspielen beleidigt, mit Bananen beworfen und Tierlauten verhöhnt. Oder macht der DFB Unterschiede zwischen hell- und dunkelhäutigen Spielern? Erich Trenspolde, Vreden

Eh, ja… Herr Trenspolde greift das Problem des Rassismus gleich bei der Wurzel. Dass Oliver Kahn ein ganz eigener Mensch ist, wer möge das bestreiten? Pah, eine eigene Rasse gar! Selbst sein Paarungsverhalten weist darauf hin: er begattet offensichtlich ausschließlich gleichrassiges Getier wie beispielsweise Verena Kah. Dass demnach auch eine Verhöhnung eines Oliver Kahn mit Tierlauten rassistischen Ausbrüchen gegen Gerald Asamoah gleich zu setzen ist, wer mag daran zweifeln? Im Übrigen finde ich auch, dass der DFB den Schutz der Arier in den letzten 60 Jahren etwas hat schleifen lassen. Wo kann heutzutage noch ein blonder, blauäugiger Deutscher ungeschützt in ein Stadion gehen? Nun, DFB, steh auf und Sturm brich los!


Es nützt nichts, nur die Vorzeichen zu vertauschen: Deutsche Spieler ausschließlich aufgrund ihrer dunkleren Hautfarbe zu nominieren – und sei es nur einmalig aus symbolischen Motiven – wäre nur eine (andersfarbige) Form von Rassismus. „Normalität“ ist mit symbolischen Aktionen und DFB-Transparenten, die schnell das Gewissen beruhigen und dann verpuffen, nicht zu erreichen – sondern vor allem mit dem aktiven täglichen Vorleben jedes Einzelnen, der es besser weiß als Ewiggestrige. Joel Amaretto, Berlin

Es ist bezeichnend, dass ein Leserbrief voll an Hippie-Platitüden noch zum Vernünftigsten gehört, was das Volk zu diesem Thema zu äußern weiß. Stilistische Abzüge bekommt Joel Amaretto aber leider für die im Jahr 2006 nun beinahe wirklich unglaubliche Verwendung des Wortes „Ewiggestriger“ - kein Grund zu feiern und in seiner sturmfreien Bude eine knorke Fete steigen zu lassen! Trotzdem sind wir ihm dankbar für den Funken an gesundem Menschenverstand in seinen Worten und hoffen in den nächsten Wochen auf ähnlich wohlgesetzte Leserbriefe von Giuseppe Averna, Freddy Underberg oder Fernet Branca. Und nicht vergessen: links und rechts gucken, bevor ihr eine Straße überquert!

Kommentare

17.10.2006
14.51 Uhr
Wo hat sich der "tatsächliche Zustand der Gesellschaft" bloß wieder versteckt, der Frecker. Ich kann ihn irgendwie nicht finden..
17.10.2006
15.01 Uhr
in dem am thema vorbeireden, zb. das problem irgendwie gar nicht so recht wahrhaben wollen, sondern lieber über olli kahn = gut, osten = böse, westen = böser, zweite mannschaften von profiteams = am bösesten reden.
17.10.2006
15.42 Uhr
Ja, oder darin, dass Rassismus überhaupt als Thema relevant und äußerungswert zu sein scheint oder sonst wo.

Im Grunde unseres Herzens halten wir doch alle schwarz und weiß immer mal wieder für ganz hübsche Farben, ich bezweifle halt dass sich da oder anderswo schon der Zustand der Gesellschaft (der tatsächliche!) offenbart, ich bezweifle dass es den überhaupt gibt. Realität wo haben sie die, und so, hm naja.
17.10.2006
15.53 Uhr
klar, den einen zustand der gesellschaft gibt es sowieso nicht. deshalb auch das letzte wahlergebnis. somit können wir den einleitungssatz als intellektuelle leerstelle abstempeln, akzeptiert. gedacht war es so, welch absurde äußerungen in offensichtlich gutem wissen da zum teil getätigt werden.
17.10.2006
16.00 Uhr
mit aus wahlergebnis könnte man versuchen, einen zustand abzuleiten, wenn man denn wollte und ein bisschen masochistisch veranlagt wäre.. im grunde auch egal.
(was für ein schlusswort)
17.10.2006
16.02 Uhr
wie was?
17.10.2006
16.04 Uhr
ach: "auch aus dem wahlergebnis" heißt das
17.10.2006
16.06 Uhr
ich glaube aber dass das letzte wahlergebnis eben gerade dafür spricht, dass es den einen zustand nicht gibt.
17.10.2006
16.15 Uhr
wieso? war doch ein wahlergebnis wie alle andere. irgendwelche zahlen die irgendeine konsequenz haben und in denen man irgendeinen zustand suchen kann, so oder so. sagt doch keiner, dass der homogen (worauf auch immer man das bezieht) sein muss.

ich glaub halt, dass es weder sinn macht, nach einem zustand zu fragen, noch nach mehreren, ich glaub dass das wort überhaupt reif für die müllkippe ist. in praktischer hinsicht höchstens leidlich brauchbar, wenn man einen konkreten bezugsrahmen mit benennt.
17.10.2006
16.23 Uhr
ja da hast du sowieso recht.

das letzte wahlergebnis war in seiner entschiedenen unentschiedenheit aber dann doch recht verblüffend deutlich.
17.10.2006
16.27 Uhr
schon, aber entschiedene unentschiedenheit hat nicht weniger mit einem zustand zu tun, wenn man denn so will, als entschiedene entschiedenheit und das wollte ich da oben (16.00h) auch nur anmerken. blöde verständigung immer.
17.10.2006
16.35 Uhr
wo bleiben jetzt eigentlich die großen kontroversen zu eurem thema nummer 1? so eine steilvorlage, ich wundere mich.
17.10.2006
16.40 Uhr
nee nee da hast du mich jetzt falsch verstanden, glaube ich. ich vermute eben dass sich im wahlergebnis zwei gänzlich konträre ansichten deutlicher manifestierten als in den letzten jahrzehnten. schere. wahrhaben wollen. und so.
17.10.2006
16.50 Uhr
Aber ob man eine Schere oder ... ähm, einen Bleistift beobachtet ist doch egal, kann man doch beides als (ich mags schon gar nicht mehr ausschreiben) Zustand beschreiben, oder? Zwei verschiedene vielleicht, ja. Der eine impliziert konträre XYZ, der andere nicht, auch ok. Aber beides gleichermaßen als Z. beschreibbar, wenn man sich daran festklammern wollte.
17.10.2006
17.00 Uhr
ja, aber eben nicht als ein zustand, ein allgemeingültiges gefühl, das das volk in gänze einnähme. das will ich doch die ganze zeit sagen, bielefeld!
17.10.2006
17.13 Uhr
Ja aber wer hat denn jemals von einem allemeingültigen Gefühl geredet? Da fehlt mir der link! Das klingt wie "Schönes Wetter heute" - "Ja stimmt, mir gefällt das Haus da drüben auch saugut."

Mann, Berlin! Haben wir zwei denn nix besseres zu tun heute?
17.10.2006
17.14 Uhr
vor allem: haben wir kein postfach?
17.10.2006
17.14 Uhr
Und sag jetzt nicht "Hat doch niemand hier von allemeingültigen Gefühlen gesprochen." *g*
17.10.2006
17.20 Uhr
Wollen wir jetzt noch ausdiskutieren, ob Kommentare zu Texten in Postfächern abgegeben werden sollen? Ist das ein Plädoyer für Diskussionsabbrüche nur aus Umsicht oder Bequemlichkeit? Willst du deinen anderen Mitmenschen die Möglichkeit verwehren, sich bei der Beantwortung von elementaren Fragen wie dieser zu beteiligen? Ja? Berlin?
02.02.2007
13.05 Uhr
am montag zauberte mir der kicker auch wieder ein schönes schmunzeln ins gesicht:

"Aber er (Oliver Kahn, Anm. d. Frankenshambles) ist auch einer der großen Stars und Typen dieser Liga, ein Vorbild für unzählige fußballbegeisterte Jungen - man denke allein an den blinden Kevin bei der Bambi-Verleihung 2006. Auch leidenschaftliche Gegner des Bayern-Keepers sollten sich freuen, einen wie ihn noch möglichst lange spielen zu sehen."

ein Fingerspitzengefühl wie Dommi Gottschalk in der berühmten Satellitenschalte zu Stevie Wonder...
02.02.2007
14.05 Uhr
Die ARD, die DFL und der BVB

http://www.schwatzgelb.de/artikel.php3?welcher=8777
02.02.2007
14.41 Uhr
Hab wirklich noch nie von diesem Erinnerungstag gehört.

Gehört vermutlich zu der von der FIFA gepredigten Richtlinie, dass Politik und Sport grundsätzlich getrennt werden müssen...

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